was-macht-eigentlich Carl Bernstein


Mit seinem Kollegen Bob Woodward deckte der Journalist der 'Washington Post' den Watergate-Skandal auf, der dann 1974 zum Sturz des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon führte

Mit seinem Kollegen Bob Woodward deckte der Journalist der 'Washington Post' den Watergate-Skandal auf, der dann 1974 zum Sturz des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon führte STERN: Mister Bernstein, gehen Sie noch ab und zu mit Bob Woodward ein Bier trinken?

BERNSTEIN: Klar, wir sind enger befreundet denn je. Bob ist heute Geschäftsführer bei der 'Post', und ich besuche ihn oft in Washington.

STERN: Nach Watergate ist Ihnen nie wieder so eine Geschichte gelungen...

BERNSTEIN: So etwas passiert auch nur einmal im Leben. Allerdings konnte ich danach schreiben, worüber ich wollte. Heute halte ich viele Vorträge im ganzen Land und schreibe für 'Vanity Fair'. Im Übrigen finde ich den Papst genauso faszinierend wie Nixon.

STERN: Über den haben Sie ja auch ein Buch geschrieben. Wer ist als Nächstes an der Reihe?

BERNSTEIN: Ich habe gerade mit einer Biografie über Hillary Clinton angefangen. Sie ist eine der berühmtesten Frauen der Welt, und doch wissen die Leute nicht, wer sie wirklich ist, woher sie kommt und was sie gemacht hat.

STERN: Wie gut kennen Sie Frau Clinton?

BERNSTEIN: Nicht gut. Ich habe sie nur dreimal getroffen. Das ist auch besser so. Natürlich versucht man, an Themen und Menschen so dicht wie möglich ranzukommen, aber wenn daraus erst Freundschaft wird, kannst du die Geschichte vergessen.

STERN: Kannten Sie denn Nixon persönlich?

BERNSTEIN: Nein, wir haben versucht, ihn zu interviewen, aber er wollte nicht. Bob und ich waren die einzigen Menschen, denen er nie verziehen hat.

STERN: Was hätten Sie gemacht, wenn Sie als Erster von Monica Lewinsky erfahren hätten?

BERNSTEIN: Wenn ich gewusst hätte, dass einer der mächtigsten Männer der Welt eine Affäre mit seiner Praktikantin hat, hätte ich das veröffentlicht. Über einen Seitensprung des Präsidenten außerhalb des Weißen Hauses aber hätte ich geschwiegen.

STERN: Watergate wie auch der Lewinsky-Skandal haben Amtsenthebungsverfahren ausgelöst. Sind diese beiden Fälle überhaupt zu vergleichen?

BERNSTEIN: Nein. Bei Watergate ging es um Machtmissbrauch eines kriminellen Präsidenten. Es gab nie etwas Vergleichbares in unserer Geschichte. Bei Clinton liegen die Dinge völlig anders - er hat sich rücksichtslos und rechtswidrig verhalten. Das ist zwar nicht zu entschuldigen, aber nicht so ernst wie Watergate.

STERN: Sie selbst haben jahrelang die Klatschspalten gefüllt mit Ihren Affären - Liz Taylor, Bianca Jagger und auch einer Botschaftersgattin, mit der Sie 1978 Ihre hochschwangere Frau Nora betrogen haben. Ist es Fluch oder Genuss, berühmt zu sein?

BERNSTEIN: Eine Zeit lang fand ich es überhaupt nicht lustig, da war die Presse ziemlich widerlich. Aber eigentlich haben die Leute immer Respekt vor dem gehabt, was Bob und ich getan haben.

STERN: Ihre Frau Nora Ephron hat aus Rache das Buch zu dem Film 'Sodbrennen' geschrieben, in dem Sie als Sex-Maniac geschildert werden...

BERNSTEIN: ...ich habe seit vier Jahren eine feste Freundin. Außerdem gibt es Schlimmeres, als von Jack Nicholson gespielt zu werden. Im Übrigen verstehen Nora und ich uns heute wieder gut. Wir haben zwei Kinder großgezogen. Meine Söhne sind 19 und 20 Jahre alt und gehen aufs College. Der eine will Schriftsteller, der andere Rock'n'Roll-Musiker werden.

STERN: Also kommen beide nach Ihnen?

BERNSTEIN: Ja, ich habe mich immer sehr mit Musik beschäftigt, Kritiken im 'Rol-ling Stone' geschrieben und gehe auch heute noch in jeden Club, wenn mein Sohn spielt.

Mit Carl Bernstein sprach STERN-Mitarbeiterin Bianca Lang.


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