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US-Reporterlegende Carl Bernstein nennt 21 Republikaner, die privat "extreme Verachtung für Trump" geäußert haben

Pulitzer-Preis-Träger Carl Bernstein (Archivbild)
"Viel besorgter" als am Ende des Watergate-Skandals: Pulitzer-Preis-Träger Carl Bernstein (Archivbild)
© Herbert Neubauer / Picture Alliance
Er nennt es "feiges öffentliches Schweigen": US-Starjournalist Carl Bernstein hat kritisiert, dass einige Republikaner sich weigerten, Donald Trump öffentlich zu kritisieren, obwohl sie ihn insgeheim verachteten.

Reporterlegende Carl Bernstein hat das Schweigen der großen Mehrheit der US-Republikaner im Senat angeprangert, während Präsident Donald Trump sich weigert, seine Niederlage bei der Wahl am 3. November einzugestehen und sich ohne jegliche Beweise als Opfer von Wahlbetrug darstellt. Via Twitter nannte der Investigativjournalist die Namen von 21 republikanischen Senatoren und Senatorinnen, die hinter den Kulissen ihre "extreme Verachtung für Trump" deutlich gemacht und ihm die Eignung für das Präsidentenamt abgesprochen hätten.

Carl Bernstein kritisiert "feiges öffentliches Schweigen"

Er verletze mit seiner Berichterstattung kein journalistisches Schweigegebot, da die Senatoren ihre Meinung über Trump gegenüber anderen, einschließlich Mitarbeitern, Lobbyisten und Beratern aus dem Weißen Haus geäußert hätten, leitete Bernstein, der in den 1970er-Jahren zusammen mit seinem "Washington Post"-Kollegen Bob Woodward durch seine Recherchen zur Watergate-Abhöraffäre um Präsident Richard Nixon weltruhm erlangte, seine Twitterbotschaft ein. Die 21 Senatoren und Senatorinnen, "die privat ihre Geringschätzung Trumps zum Ausdruck gebracht haben", sind demnach:

Rob Portman (Ohio), Lamar Alexander (Tennessee), Ben Sasse (Nebraska), Roy Blunt (Missouri), Susan Collins (Maine), Lisa Murkowski (Alaska), John Cornyn (Texas), John Thune (South Dakota), Mitt Romney (Utah), Mike Braun (Indiana), Todd Young (Indiana), Tim Scott (South Dakota), Rick Scott (Florida), Marco Rubio (Florida), Chuck Grassley (Iowa), Richard Burr (North Carolina), Pat Toomey (Pennsylvania), Martha McSally (Arizona), Jerry Moran (Kansas), Pat Roberts (Kansas), und Richard Shelby (Alabama).

"Von wenigen Ausnahmen abgesehen, hat ihr feiges öffentliches Schweigen dazu beigetragen, Trumps schlimmstes Verhalten zu ermöglichen – einschließlich der Untergrabung und Diskreditierung des Wahlsystems in den USA", kommentierte Bernstein die Namensliste.

Nur wenige fordern Übergangsprozess für Biden

Tatsächlich hat die überwältigenden Mehrheit sowohl der republikanischen Senatoren als auch der Kongressabgeordneten der Grand Old Party nicht nur jetzt sondern während der gesamten Amtszeit von Donald Trump jegliche Kritik an dessen Verhalten verweigert. Zu den wenigen Ausnahmen unter den von Bernstein Genannten zählen Murkowski, die am Sonntag Trumps Weigerung, die Amtsübergabe einzuleiten, kritisierte und forderte: "Es ist an der Zeit, den vollständigen und formellen Übergangsprozess für den designierten Präsidenten Joe Biden einzuleiten."

Auch Senator Toomey erklärte am Sonntag, nachdem zwei Gerichte Klagen von Trump und seinen republikanischen Verbündeten gegen das Wahlergebnis abgeschmettert hatten, dass der Präsident nun "alle plausiblen rechtlichen" Herausforderungen ausgeschöpft habe. Es sei nun klar, dass Biden die Wahl gewonnen habe, sagte der 59-Jährige, der nach Ende seiner Amtszeit in zwei Jahren nicht mehr für eine Wiederwahl antreten will.

Bernstein: "Viel besorgter" als nach Watergate

Romney, Collins und Sasse hatten zuvor bereits den Sieg Bidens anerkannt. Rubio, den Trump als "kleinen Marco" verspottet hatte, als sie sich im Vorwahlkampf 2016 gegenüberstanden, der aber inzwischen in der Öffentlichkeit zu einem verlässlichen Trump-Unterstützer geworden war, bezeichnete Biden immerhin als den "designierten Präsidenten". Und Cornyn sagte, Biden werde "wahrscheinlich" das Präsidentenamt übernehmen und forderte, dem Demokraten in der Übergangszeit wie eigentlich üblich Zugang zu Geheimdienstinformationen zu geben.

Einige der Senatoren-Namen hatte Bernstein bereits Ende vergangener Woche im US-Sender CNN enthüllt und erklärt: "Viele, wenn nicht sogar die meisten dieser Personen waren nach dem was mir berichtet wurde froh, Donald Trump bei dieser Wahl geschlagen zu sehen." Sie hätten den Präsidenten und seine Unehrlichkeit erlebt und wüssten, was Trump getan habe, um das Vertrauen in die amerikanischen Institutionen zu untergraben.

Bernstein fügte hinzu, dass er jetzt "viel besorgter" sei als am Ende des Watergate-Skandals, denn "Nixon ging – die Republikaner überzeugten ihn, zu gehen, und das tat er auch".


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