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Vorwurf der Soldatenbeleidigung "Atlantic"-Chefredakteur erwartet nach brisantem Bericht über Trump weitere Enthüllungen

US-Präsident Donald Trump (l.) und "The Atlantic"-Chefredakteur Jeffrey Goldberg
"Schleimkugel": US-Präsident Donald Trump (l.) über "The Atlantic"-Chefredakteur Jeffrey Goldberg
© Brendan Smialowski / Alex Brandon / AFP / Picture Alliance
US-Präsident Donald Trump soll sich abfällig über Soldaten und Veteranen geäußert haben, hatte das US-Magazin "The Atlantic" vergangene Woche berichtet. Dessen Chefredakteur Jeffrey Goldberg glaubt: Da kommt noch mehr.
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Sein Bericht, Donald Trump habe sich abfällig über Soldaten und Veteranen geäußert, hat dem US-Präsidenten in den letzten Tagen eine Menge Ärger eingebracht. Und nach Ansicht von Jeffrey Goldberg dürfte da noch mehr auf den Mann im Weißen Haus zukommen. "Ich erwarte, dass in den kommenden Tagen und Wochen mehr darüber berichtet wird und mehr Bestätigungen und neue Informationen veröffentlicht werden", sagte der Chefredakteur des US-Magazins "The Atlantic" im Nachrichtensender CNN.

Trump soll US-Soldaten beleidigt haben

Goldberg hatte am Donnerstag unter Berufung auf vier namentlich nicht genannte Zeugen gemeldet, Trump habe während einer Frankreichreise im November 2018 im Ersten Weltkrieg gefallene US-Soldaten beleidigt. Der US-Präsident hatte demnach einen geplanten Besuch des US-Militärfriedhofs Aisne-Marne bei Paris mit den Worten abgelehnt: "Warum sollte ich diesen Friedhof besuchen? Er ist voller Verlierer." In einem weiteren Gespräch auf derselben Reise habe Trump die mehr als 1800 auf dem Friedhof bestatteten US-Soldaten als "Trottel" bezeichnet.

Offiziell hatte die US-Delegation den Friedhofsbesuch wegen zu schlechten Wetters für einen Hubschrauberflug abgesagt.

Kritiker des Berichts warfen "The Atlantic" vor, als Quellen vier anonyme Informanten angegeben zu haben. Mittlerweile haben die Nachrichtenagentur Associated Press und mehrere US-Medien, darunter sogar Trumps konservativer Haussender Fox News, Teile der "Atlantic"-Geschichte bestätigt – ebenfalls unter Berufung auf Zeugen, die nicht namentlich genannten werden wollten.

Nur auf diese Weise seien Medien in der Lage, ihre Aufgabe zu erfüllen, Geschichten aufzudecken, die sich hinter verschlossenen Türen abspielten, verteidigte Goldberg auf CNN seine Enthüllungen. "Wir alle müssen anonyme Quellen nutzen, besonders in einem Klima, in dem der Präsident der Vereinigten Staaten aktive Einschüchterungsversuche betreibt." Seine Informanten seien "keine Leute, die für mich anonym sind."

"Die Fake News sind die Nachrichten des Präsidenten"

Reporterlegende Carl Bernstein, der gemeinsam mit seinem Kollegen Bob Woodward in den 1970er-Jahren die Watergate-Affäre aufdeckte und damit Präsident Richard Nixon zu Fall brachte, stärkte Goldberg den Rücken: Anonyme Quellen seien oft ein entscheidendes Hilfsmittel für Reporter, erklärte Bernstein auf CNN. "Fast alle 200 unserer Geschichten über Watergate basierten auf anonymen Quellen." Und während der Trump-Ära beruhe die Berichterstattung fast einheitlich auf anonymen Quellen, "zum Teil, weil dies der einzige Weg ist, wie wir an die Wahrheit gelangen können".

"Fast alles, was über die Wahrheit in Bezug auf Trump und seine Präsidentschaft bekannt sei, stamme aus der Berichterstattung von Medien, sagte Bernstein und fügte hinzu: "Die Fake News sind die Nachrichten des Präsidenten", und die Journalisten "machen die wirkliche Berichterstattung".

Trump bestreitet die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen. Sie seien eine "eine Fake-Story" und "ein schändlicher Versuch, die Wahl 2020 zu beeinflussen", so der 74-Jährige. Für ihn seien gefallene Soldaten "absolute Helden".

"Atlantic"-Chefredakteur Goldberg bezeichnete Trump als "Schleimkugel". Außerdem forderte er via Twitter den Rauswurf der Fox-News-Journalistin Jennifer Griffin. Diese hatte die Vorwürfe des US-Magazins überprüft und anschließend berichtet, frühere Regierungsmitarbeiter hätten ihr große Teile des Artikels bestätigt.

Goldberg zeigte sich auf CNN unbeeindruckt von Trumps Attacken und versicherte, dass sein Magazin weiterhin über dessen Regierung berichten werde. "Wir werden uns vom Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht einschüchtern lassen", erklärte der Chefredakteur. "Wir werden unsere Arbeit machen."

Quellen: CNNAssociated PressFox News, "The Atlantic", Donald Trump auf TwitterJennifer Griffin auf Twitter

mad

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