Berlinale Nicht ohne mein "goody bag"


Die Berlinale, einst großzügig gefördertes Kulturprojekt des Bundes, steht inzwischen auf eigenen Beinen. Die Veranstalter haben das Filmfest clever vermarktet und es auch zu einem Fest der Sponsoren gemacht.

In glänzenden Luxuslimousinen werden die Stars zu den Kinos und Hotels chauffiert. Hostessen verteilen zur Eröffnung und Preisverleihung der Berlinale kleine "goody bags" mit edlen Kosmetikproben. Gut 17.000 Festivaltaschen und Schlüsselbänder mit den Namen der großen Sponsorpartner sind an den elf Festivaltagen überall in der Stadt zu sehen. Schon längst finanzieren sich die Berliner Filmfestspiele nicht mehr allein aus den öffentlichen Kassen. Auch Konzerne wie VW, L'Oréal Paris, Hugo Boss, Sony oder Canon haben das mit 150.000 erwarteten Zuschauern weltweit größte Publikumsfestival für sich entdeckt und sind zu wichtigen finanziellen Säulen geworden.

Mit gut 3800 akkreditierten Journalisten aus 80 Ländern ist die Berlinale für die Sponsoren zudem ein Ereignis mit einer enormen Medienöffentlichkeit. Gut 16 Millionen Euro wird das 56. Festival in diesem Jahr kosten. Der Bund trägt dazu gerade einmal 6 Millionen Euro bei. Der Rest kommt von den Sponsoren, den Einnahmen aus dem Verkauf von Tickets und Katalogen sowie den Erlösen aus dem Berlinale-Shop. Ob Mützen, Handschuhe, T-Shirts, Teddys oder Milchkaffeegläser - das Festival vermarktet sich zunehmend auch über klassische Merchandising-Produkte.

Luxusautos zu Promotionszwecken

Mit einer Flotte von allein 35 Phaetons macht VW als einer der drei Haupt-Sponsorpartner den glamourösen Auftritt der Filmstars am "Roten Teppich" vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz möglich. Zudem werden die Fahrzeuge für den Shuttle-Service zwischen den Festivalorten gestellt. Darüber hinaus engagiert sich der Autohersteller bei der Nachwuchsförderung, unter anderem beim Berlinale Talent Campus. Die Wolfsburger sind auch Partner der "European Shooting Star"-Initiative, über die jedes Jahr Nachwuchsdarsteller aus 21 Ländern ausgewählt werden.

Bereits zum vierten Mal ist VW Sponsor des neben Cannes und Venedig weltweit wichtigsten Filmfestivals. Die Berlinale-Förderung habe für die Marke Volkswagen einen hohen Stellenwert, "eben weil wir uns nicht nur finanziell einbringen, sondern vor allem auch inhaltlich", betont Sponsoring-Leiterin Christiane Krebs-Hartmann.

Umfangreiche Berichterstattung

Zum achten Mal unterstützt L'Oréal Paris die Berlinale. Für den international führenden Kosmetikkonzern treffen da "zwei Traumwelten" aufeinander: Die Welt des Films und die der Schönheit. "Es gibt eine besondere Affinität zu Filmfestivals", heißt es in der Deutschlandzentrale. Neben der Berlinale sponsert das Unternehmen auf internationaler Ebene auch die Festspiele in Cannes und Marrakesch. In welchem Umfang, wird allerdings nicht verraten.

Das ZDF als Hauptmedienpartner unterstützt die Berlinale mit umfangreicher Berichterstattung. So wird der Partnersender 3sat die Eröffnung und Preisverleihung live übertragen und auch täglich über das Festival berichten. Im ZDF selbst gibt es zahlreiche Sondersendungen. Der öffentlich-rechtliche Sender begründet sein Engagement mit seinem Gesellschaftsauftrag. Die Förderung der Filmkunst und der nationalen Filmindustrie stehe dabei im Mittelpunkt, betont Intendant Markus Schächter. Bis 2008 will der Sender seine 2005 gestartete Berlinale-Kooperation fortsetzen.

Berlinale steht auf eigenen Füßen

Noch vor sechs Jahren wurden die Festspiele mit ihren gut 500 Mitarbeitern während des Festivals auch aus der Landeskasse mitfinanziert. Seit 2001 kommt das Geld nur noch vom Bund. Sponsoren wurden erstmals 1996 herangezogen.

Neben den diesjährigen drei Hauptpartnern gibt es es fünf Co-Partner, die alle zusammen den Löwenanteil am Sponsoring tragen. Darüber hinaus engagieren sich noch zahlreiche weitere Medien und Unternehmen, darunter der Berliner "Tagesspiegel", Deutsche Welle TV, die Bahn und der Außenwerber Wall.

Einer Studie der Hamburger Agentur pilot zufolge werden deutsche Unternehmen in diesem Jahr für Sponsoring ungefähr 3,9 Milliarden Euro bereitstellen. Allein für Kulturprojekte gibt die private Wirtschaft jährlich gut 400 Millionen Euro aus. Die Berlinale ist mit ihrem Finanzierungsmodell wohl eher eine Ausnahme. In Deutschland wird Kultur weiterhin noch zu 95 Prozent mit öffentlichen Mitteln finanziert.

Maren Martell/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker