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Boss Fashion-Show: Und Woody Allen spielt dazu

Hugo Boss präsentierte in New York die "Black Fashion Show": Auf dem Laufsteg war viel Durchsichtiges zu sehen, im Publikum viel Prominentes. Und was macht Woody Allen auf der After-Show-Party?

Von Ulrike von Bülow, New York

Wird hier gedreht? Läuft irgendwo eine Kamera? Die Schauspielerin Kristin Davis tritt auf, sie trägt eine weiße, kurzärmelige Bluse und einen schwarzen, weiten Rock, sie trippelt auf ihren Pumps den Gang entlang zu ihrem Sitzplatz, strahlt nach links, strahlt nach rechts, ihr Gesicht sagt: Huhu, ich bin die nette Kristin! Heute ist Modenschau, ist das nicht fantastisch?!

Kristin Davis benimmt sich eins zu eins wie jene Frau, die sie in "Sex and the City" darstellt: die immer etwas nervige, weil furchtbar liebe Charlotte York. Derzeit entsteht ja hier in New York der Film zur Serie, glücklicherweise, sonst wäre Charlo... äh, Kristin Davis vielleicht gar nicht eingeladen gewesen; in den drei Jahren ohne "Sex and the City" jedenfalls war sie ziemlich weg vom Promi-Fenster.

Die Frau, die der Teufel ist und Prada trägt

Nun aber schaut sie bei der "Boss Black Fashion Show" zu, die im altehrwürdigen Cunard Building unten am Broadway stattfindet. Dass die neue Frühjahrs- und Sommer-Kollektion hier gezeigt wird, hat damit zu tun, dass die Leute von Boss immer neue, spannende Orte suchen für ihre Schauen, und einen spannenderen Ort als New York gibt es ja kaum.

Die Reihe eins, Abschnitt D, in der nun auch Kristin Davis Platz nimmt, ist erstklassig besetzt: Da sitzen die Schauspielerinnen Kate Winslet (kleines Schwarzes, schwarze Stiefeletten) und Maggie Gyllenhall (größeres Schwarzes, schwarze Pumps); die beiden tuscheln ständig miteinander. Und da sitzt die Frau, die angeblich der Teufel ist und Prada trägt: Anna Wintour, die ihre Tochter Bee mitgebracht hat; beide ebenfalls schwarz gekleidet. Wie auch Julianne Moore, die sich noch schnell mit den Kolleginnen Winslet und Gyllenhall ablichten lässt. Wer bei dieser Veranstaltung in einem grünen Kleid aufläuft, kommt sich vor wie Kermit auf einer Beerdigung.

24 Stunden BH

Doch dann geht die Show los, es geht um den Frühling und den Sommer - es wird bunt! Und durchsichtig! Die weiblichen Models tragen an ihren schmalen Körpern Blusen aus transparentem Stoff, in gelb, in rot, in taubenblau - und darunter nichts. Das sieht nicht nach Mode für Amerikanerinnen aus, die in der Regel 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche einen BH tragen. Aber vielleicht können sie etwas mit den Capri-Anzughosen anfangen, die zu den transparenten Blüschen getragen werden. Oder mit der Handtasche, die ausschaut wie zwei aneinander geklebte, weiße Eiswürfelbehälter. Und schöne Kleider gibt es, schulter- oder rückenfrei, aber Kate Winslet blickt den Models skeptisch hinterher; sie kneift die Augen leicht zusammen, was allerdings auch an den grellen Scheinwerfern ihr gegenüber liegen kann. Warum macht sie es nicht wie Anna Wintour? Die trägt wie üblich ein große Sonnebrille, natürlich auch schwarz.

Am Ende, nach vielleicht 15 bis 20 Minuten, werden die Winslets und Wintours aus dem Saal geführt, so schnell kann man gar nicht gucken, und auch Kristin Davis trippelt fix von dannen. Auf der Aftershowparty, die in einem düsteren Raum mit blauen Neonlichtern stattfindet, sieht man die Damen nicht mehr. Dafür hockt plötzlich ein Herr auf der Bühne, mit dem man hier nicht gerechnet hat: Woody Allen, die Klarinette am Mund, macht mit einer Jazz-Kapelle 20 Minuten lang Musik. Für Allen, der an Klaustrophobie leidet und auf keinen Fall fotografiert werden will, muss es eine Tortur sein: etwa 48 Dutzend Kameras und Fotohandys stecken sich ihm während seinen Auftritts aus der Masse vor der Bühne entgegen. Für seine Zuhörer ist es: ein Genuss.

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