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Fußball-Mode: Wir sind das Team

Die Deutschen bolzen in schwarz-weiß, Brasilianer zaubern in gelb-grün, Italiener spielen am liebsten hauteng. Doch diesmal rüsten die Designer nicht nur die Nationalteams modisch aus, sondern auch die Fans.

Von Claudia Pientka

Fußball und Mode gehören zusammen wie Uli Hoeneß und Bayern München. Spielmacher zanken sich um die Nummer 10 auf dem Trikot, Trainer tragen während einer Siegesserie wochenlang dieselbe Krawatte, weil sie vermeintlich Glück bringt, und um die richtige Trikotfarbe einer Nationalmannschaft haben sich schon ganze Völker bemüht.

Da wundert es nicht weiter, dass sich nun auch die Menschen mit dem Fußball-Fieber ansteckten, die von schon Berufswegen passende Kleidung erarbeiten. Selten hat ein Ereignis die Modewelt so in Beschlag genommen wie die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Ob Beckenbauer-T-Shirts im Che-Guevara-Look, Armbanduhren mit grasgrünem Ziffernblatt oder Buxen in Nationalfarben - von Christ bis H&M, vom Hannoveraner Bahnhofsshop bis Prada, kaum ein Designer, der zum Thema Fußball nicht mindestens eine Socke kreierte.

Glück ist das vor allem für den ausstattungswilligen Fan. Denn statt XXL-Trikots können sich vor allem die Damen über knappe Tops und Accessoires aus Platin freuen. So hat "Rena Lange" eine Trillerpfeife mit pinkfarbenen Swarovski-Kristallen besetzen lassen und der Münchner Juwelier "Max.Platin" verkauft den Kettenanhänger "Fan-Herz" - aus Platin und mit Brillanten geschmückt. Natürlich ließen es sich auch die traditionellen Mannschaftsausstatter wie Adidas und Puma nicht nehmen, eigene Kollektionen für die Fans zu entwerfen - immerhin dienen schon die Outfits der Mannschaften als Werbung.

Bei der letzten Europameisterschaft stachen modisch vor allem die Italiener ins Auge, mit ihren hautengen Kappa-Leibchen - fürs Unternehmen ein Marketing-Clou. Inzwischen lassen sich die Azzurri von Puma einkleiden, die Deutschen hingegen blieben ihrem jahrelangen Ausstatter Adidas treu. Zumindest auf dem Rasen - die Ausgehuniform der Nationalmannschaft hat die Designerin Gabriele Strehle entworfen und dazu gleich ein paar Sweatshirts für die Fans. Weniger friedlich verlief der Mode-Wechsel der englischen Nationalmannschaft: Weil die Jungs um David Beckham so gerne in Armani-Anzügen auf die Piste gehen, protestierten die englischen Schneider und beschworen bereits den Untergang des Londoner Schnitts mit seiner hohen Taille.

Drei Weltmeistertitel in Schwarzweiß

Weniger exklusiv, dafür umso günstiger, kommt die Fan-Kollektion der schwedischen Firma Hennes & Mauritz daher: Viele T-Shirts, mit knalligen Nationalfarben bedruckt, stapeln sich auf deren Grabbeltischen. Modisches Glück hat, wer das deutsche Team anfeuern möchte: Er kann sich über dezentes Schwarzweiß freuen. Seit 1908 spielt die deutsche Nationalmannschaft in dieser Farbvariante, ursprünglich zierte noch ein rotes Brustband die Hemden. Warum? Das waren die Landesfarben Preußens und natürlich wollte sich die junge Mannschaft in den Nationalfarben präsentieren.

Fast hätte Jürgen Klinsmann die Tradition zur WM 2006 gebrochen: Weil Rot auf dem Platz aggressiver wirke und die Gegner eher einschüchterne, solle die Mannschaft doch die Auswärts-Trikots auch im Inland tragen. Sein Vorschlag erntete Geschrei und Gezeter der Traditionalisten - immerhin bolzten sich die Deutschen in schwarzweiß zu drei Weltmeistertiteln.

Das wiederum gilt nicht für die Brasilianer. Jedes Kind kennt die gelb-grünen Anzüge, die manchmal mit weißen, manchmal mit blauen Hosen ergänzt werden. Doch das war nicht immer so. Bis zu ihrer schmachvollen Niederlage im Finale gegen Uruguay bei der WM 1950 kickten die Südamerikaner in weißen Hemden - im Nachhinein machten die Zeitungen die Farblosigkeit der Trikots für die Niederlage verantwortlich. Flugs wurde ein Wettbewerb für Jerseys ausgerufen, mit der Aufgabenstellung, alle vier Nationalfarben einzubinden. Seitdem spielen die Brasilianer in gelb, grün, weiß und blau und das äußerst erfolgreich.

Wie wär's mit einem Fußball als Handtasche?

Ob es die fünf Weltmeistertitel sind oder das farbenfrohe Design ihrer Leibchen - kaum eine Farbkombination ist auch bei den deutschen Fans so beliebt wie die brasilianische. Es gibt Bikinis, Babystrampler und Burlington-Socken in gelb-grün, und so verzeihlich wie es für das deutsche Team ist, gegen Brasilien zu verlieren, so in Ordnung scheint es für Fans aller Nationen, brasilianische Trikots zu tragen. Modisch indes gestaltet sich die sommerliche Farb-Koalition eher schwierig. Wer seine Fußball-Begeisterung auch ins Büro tragen will, sollte sich nicht völlig in die Mannschafts-Farben hüllen. Hier gilt: Weniger ist mehr. Ein farbiger Kragen tut's auch schon - in kompletter Uniform kann man immer noch vor der Großbild-Leinwand auflaufen.

Seine Unterstützung für Klinsmanns Team kann man aber auch mit dem "Deutschband zeigen": Ein breiter Klebestreifen in schwarz-rot-gold, mit dem sich man Monitore, Schubladen und Kaffeemaschinen verzieren lassen. Und für all die Damen, die zwar keine Meinung zu einem der Teams haben, aber trotzdem mitmachen wollen, gibt es einige allgemeingültige Accessoires: Zum Beispiel eine fußballförmige Handtasche mit pinkfarbener Schleife oder weiße Tanktops mit der Aufschrift "I LOVE FOOTBALL".