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Kleider, die Geschichte schrieben Blut und Chanel: Die Ermordung von John F. Kennedy

Attentat auf John F. Kennedy
Jackie Kennedy gemeinsam mit ihrem Mann bei der Ankunft in Dallas (l.) und nach dem Attentat an der Seite ihres Schwagers Bobby Kennedy
© UPI / Picture Alliance
Am 22. November 1963 fiel US-Präsident John F. Kennedy einem Attentat zum Opfer. Seine Frau Jackie trug an diesem Tag ein Kostüm von Chanel, das zum Symbol amerikanischer Geschichte wurde.

Es war ein sonniger Herbsttag, der hoffnungsvoll begann und in einer Tragödie endete: Am 22. November 1963 reiste John F. Kennedy nach Dallas, Texas. Der damalige US-Präsident wollte Stimmung für seine Wiederwahl machen und gleichzeitig Differenzen zwischen zwei Politikern der demokratischen Partei schlichten. Begleitet wurde Kennedy von seiner Frau Jackie –eine Premiere. Die vierfache Mutter war bis dahin nie auf eine Wahlkampfreise mitgekommen.

Aber John F. Kennedy wusste, dass er in dem mehrheitlich von Republikanern regierten Bundesstaat auch auf den Charme seiner Frau setzen musste. Die Bankierstochter von der Ostküste galt damals schon als modisches Vorbild: elegant gekleidet und perfekt frisiert. Ausstatten ließ sich Jackie Kennedy von Hollywood-Designer Oleg Cassini, der Filmstars wie Grace Kelly und Marilyn Monroe beriet.

Für den Auftritt in Dallas soll John F. Kennedy folgende Vorgaben gemacht haben: "Dort werden all diese reichen, republikanischen Frauen sein, die Nerzmäntel und Diamantarmbänder tragen. Du musst mindestens genauso umwerfend aussehen. Aber halte es schlicht. Zeig diesen Texanerinnen, was guter Geschmack ist." Seine Frau entschied sich für ein Chanel-Kostüm in hellem Pink mit passendem Pillbox-Hut und weißen Handschuhen. Es war zwar keine Original-Kreation von Coco Chanel, sondern eine vom Modehaus genehmigte Replika, weil Kennedy wollte, dass seine Frau in den USA gefertigte Kleider trug und keine aus Europa. Trotzdem ist es bis heute das berühmteste Outfit der First Lady – aus einem traurigen Grund.

In Dallas fielen drei Schüsse auf John F. Kennedy

Vom Flughafen in Dallas ging es für das Präsidentenpaar quer durch die Stadt. Das Ziel war eine Art Markthalle. Dort wollte Kennedy eine Rede halten und anschließend zu Mittag essen. Gemeinsam mit den Kennedys im Wagen saß der Gouverneur von Texas, John Connally, und dessen Frau sowie ein Chauffeur und ein Leibwächter vom Secret Service. Während der Fahrt wurden plötzlich drei Schüsse abgefeuert, Kennedy an Hals und Kopf getroffen. Der 46-Jährige sackte sofort zusammen. Wenig später wurde der Präsident im Krankenhaus für tot erklärt.

Die Bilder einer verzweifelten Jackie Kennedy, die auf das Heck der Limousine kletterte und sich über ihren toten Mann beugte, haben sich bis heute ins Gedächtnis gebrannt. Ebenfalls unvergessen ist der Moment, als Vizepräsident Lyndon B. Johnson an Bord der Air Force One zum neuen Präsidenten vereidigt wurde. Neben ihm stand Jackie Kennedy – in ihrem blutverschmierten Kostüm. Sie weigerte sich bis zum Schluss, die Kleidung zu wechseln. "Sie sollen sehen, was sie Jack angetan haben", sagte die Witwe. 

Jackie Kennedy trug das Blut ihres ermordeten Mannes

Lady Bird Johnson, die Frau von Lyndon B. Johnson, erinnerte die Szene im Präsidentenflugzeug so: "Mrs. Kennedys Kostüm war mit Blut befleckt. Ein Bein war fast vollständig damit bedeckt, und ihr rechter Handschuh war verkrustet, er war mit Blut verkrustet – dem Blut ihres Mannes. Irgendwie war das ein äußerst ergreifender Anblick – diese makellose Frau, elegant gekleidet und mit Blut bedeckt."

Die Leiche Kennedys wurde noch am selben Tag zur Obduktion nach Washington geflogen. Fotos zeigen Jackie Kennedy, wie sie an der Hand ihres Schwagers Robert F. Kennedy das Flugzeug verlässt, dasselbe Flugzeug, das sie am Morgen an der Seite ihres Mannes betreten hatte. Noch immer hat die 34-Jährige ihr blutbeschmiertes Kostüm an.

Erst am nächsten Morgen streifte sie die verschmutzte Kleidung ab. Ein Dienstmädchen faltete das Kostüm zusammen und legte es in eine Schachtel. Diese wurde an Jackies Mutter Janet Lee Bouvier geschickt. Jahrelang lagerte das Kleidungsstück auf dem Dachboden. 2003 übergab es Jackie Kennedys Tochter Caroline an das Nationalarchiv in Maryland – verbunden mit der Auflage, dass es bis 2103 nicht der Öffentlichkeit gezeigt werden dürfe.

Nach 100 Jahren, so wohl die Hoffnung, seien die schmerzhaften Erinnerungen an die Ermordung John F. Kennedys verblasst. Gereinigt wurde das Chanel-Kostüm allerdings bis heute nicht.

Quellen:CNN, Guardian, Pulitzer Prize

jum

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