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Tod von Alexander McQueen: Die Modewelt trägt Trauer

Sie können es nicht fassen: Der Schock steht Freunden und Mitarbeitern von Alexander McQueen ins Gesicht geschrieben. Der Tod des Modedesigners lässt die Modewelt innehalten. Dafür schießen die Spekulationen über die Ursachen für den Selbstmord ins Kraut.

Von Cornelia Fuchs, London

Es sollte eigentlich die Zeit der Vorfreude sein in London. In sieben Tagen beginnt die London Fashion Week. Gerade erst haben die Veranstalter voller Stolz eine neue Zusammenarbeit mit der Britischen Filmindustrie verkündet. Britische Mode soll exklusiv auf den roten Teppichen der Film-Preisverleihungen getragen werden.

Doch nun wird die Londoner Modewelt Trauer tragen müssen auf ihrer Frühjahrsmesse. Fassungslos versammelten sich Fans und Bekannte des Londoner Modedesigners Alexander McQueen vor seinem Appartement in Mayfair und vor seinem Studio im Ostlondoner Stadtteil Farringdon. Der Designer war am Donnerstagmorgen gegen zehn Uhr tot in seiner Wohnung gefunden worden. Die Polizei ließ mitteilen, dass sein Tod nicht verdächtig erscheint.

Schnell meldeten die ersten Zeitungen, McQueen habe sich erhängt. Angestellte wurden vor seinem Studio gefilmt, wie sie die Hände vors Gesicht schlugen. Wachleute stellten daraufhin große, weiße Wände vor den Eingang. McQueens Freunde und Mitarbeiter baten in Stellungnahmen um Wahrung ihrer Privatsphäre in dieser schweren Zeit. Man müsse den schweren Schlag erst verarbeiten.

Trauer bei McQueens Muse Kate Moss

Kate Moss, Model und Muse McQueens, sagte sofort einen Auftritt im Kaufhaus Selfridges ab. Sie hatte dort ihre neue Handtaschen-Kollektion für das Label Longchamps vorstellen wollen. Moss galt als besonders enge Freundin des Designers. Er hatte sie als einer der ersten auf den Laufsteg geholt. Sie hatte seine Rüschen-Kreationen aus feinem Stoff bedruckt mit vielen, weißen Schädeln so geschickt im wilden Tanz vorgeführt, dass McQueen anschließend tausende Schals und Kleider davon verkaufen konnte.

Im Gegenzug revanchierte sich der Designer, als es Kate Moss schlecht ging: Nach einem Drogenskandal holte er das Model als Hologramm auf seinen Laufsteg und trug beim Abschluss-Applaus ein T-Shirt mit der Aufschrift "We all love you, Kate."

Enfant terrible der britischen Modewelt

McQueen galt als Enfant terrible der britischen Modeszene. Geboren im East End in Ostlondon als Sohn eines Taxifahrers wuchs er im rauen Teil der Hauptstadt auf. Seine Kreationen nahmen wenig Rücksicht auf Konventionen, trotzdem - oder gerade deswegen - wurde er mehrfach zum besten britischen Designer gewählt und erhielt einen Orden von der echten Queen.

Er bereitete in diesem Jahr Modelle für die Fashion-Shows in New York und Paris vor, sein Studio war ausgelastet, die Mitarbeiter liefen geschäftig die Straßen im Londoner Stadtteil Shoreditch auf und ab mit immer neuen Stoffbahnen. Alles schien voranzugehen für das Lieblingskind der Londoner Mode-Liebhaber.

Hat ihn der Tod der Mutter aus der Bahn geworfen?

Es wird spekuliert, ob McQueen den Tod seiner Mutter Joyce am 2. Februar dieses Jahres nicht verwunden habe. Ihr Leichnam hätte in dieser Woche beerdigt werden sollen. Über Twitter hatte McQueen der Welt mitgeteilt, dass er ohne sie nichts gewesen wäre. Und dass er eine wirklich beschissene Woche hinter sich habe. Er ließ in seinen 140-Zeichen-Mitteilungen Engel und Dämonen gegeneinander antreten. Und wünschte dann in seinem letzten Eintrag vergangenen Dienstag einer Freundin in New York einen happy 40. Geburtstag.

Sie solle die Partys etwas zurückschrauben, twitterte er weiter: "Zeit es etwas ruhiger angehen zu lassen, denken wir." Als er nun in seiner Wohnung nahe des Hyde Park starb, war Alexander McQueen 40 Jahre alt.