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Selbstmord befürchtet: Wärter lassen Jackson-Arzt nicht aus den Augen

Ein Tag nach dem Schuldspruch wird der Leibarzt von Michael Jackson im Gefängnis auf "suicide watch" gesetzt. Gleichzeitig spült eine erste TV-Dokumentation unappetitliche Details vom Prozess an die Oberfläche. Murray sei finanziell am Verkauf des Films beteiligt, heißt es.

Von Frank Siering, Los Angeles

Seit Montagnachmittag sitzt Dr. Conrad Murray im LA County Gefängnis. Vor seiner Zelle wacht seit gestern eine Krankenschwester. Michael Jacksons ehemaliger Leibarzt sei suizidgefährdet, vermeldet die "Los Angeles Times".

Die Aktion sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Der sechswöchige Prozess, der Schuldspruch und der plötzliche Freiheitsentzug hätten den 58-jährigen Kardiologen doch wesentlich härter getroffen, als zunächst vermutet.

Einer der Murray-Anwälte bestätigte auf Anfrage den "suicide watch". Der ehemalige Leibarzt von Michael Jackson habe aber bisher nicht angedroht, sich das Leben nehmen zu wollen. Das Sheriff-Department bestätigt diese Einschätzung. Berichte zu Murrays Gemütszustand seien stark übertrieben, er sei nicht suizidgefährdet, hieß es.

Der "Michael-Jackson-Mörder"

Fest steht allerdings, dass Murray als sogenannter "keep away inmate" eingstuft ist. Dahinter verbergen sich besondere Sicherheitsmaßnahmen im Umgang mit Murray. Er sitzt in einer Einzelzelle. Und der Arzt, dem mit dem Schuldspruch im Jackson-Fall automatisch die Lizenz entzogen worden war, darf noch nicht einmal mehr alleine zur Toilette gehen.

"Ein 'keep away' ist meist ein Häftling, der von anderen Insassen bedroht wird", klärt Joe Pertel, Strafverteidiger in Santa Monica, auf. Und tatsächlich: Nach diversen Berichten aus Kreisen des Sheriff-Departments gilt Murray unter den Gefängnisinsassen nach dem Schuldspruch nur noch als "Michael-Jackson-Mörder".

Murray muss noch bis zum 29. November auf die Verkündung des Strafmaßes warten. Die maximale Strafe für fahrlässige Tötung beläuft sich in diesem Fall auf vier Jahre Haft. Dank eines neuen Gesetzes in Kalifornien ist es allerdings wahrscheinlich, dass Murray die meiste Zeit seiner Strafe unter Hausarrest verbringen wird. Murrays Anwälte haben angekündigt, gegen das Urteil in die Berufung gehen zu wollen.

Doku in der Mache

Gleichzeitig stößt eine andere Entwicklung im Fall Murray auf allgemeine Verwunderung. Seit einiger Zeit schon shoppt die Produktionsfirma Zodiak Rights für eine Doku-Serie kreuz und quer durch Hollywood. Der Titel der Dokumentation: "Michael Jackson and the Doctor: A Fatal Friendship".

Das Doku-Drama schmückt sich mit "Behind the Scenes"-Material vom Murray-Prozess. Das Kuriose an dieser Dokumentation: Sowohl die Verteidiger als auch Murray selbst tauchen darin nicht nur in sehr intimen Aufnahmen auf, es ist ganz offensichtlich, dass die Kameras von allen Parteien herzlich eingeladen waren.

In einer Szene wird deutlich, was auch im Prozess an diversen Stellen von Beobachtern angesprochen worden ist: Die drei Anwälte von Murray waren sich längst nicht immer einig und stritten schon in der Vorbereitung heftigst um die taktische Marschroute im Prozess.

Murray war maßgeblich involviert

Zodiak Rights gibt zu, dass die Senderechte für diese Dokumentation weltweit angeboten und zum Teil auch schon verkauft worden sind. In den USA wird demnach der Sender NBC den Film zeigen.

Noch ist unklar, wieviel Geld Murray für die Dokumentation erhalten hat. Fest steht nur, dass er maßgeblich in den Deal mit Zodiak involviert war. Und das schon seit 2009. In dem Jahr, in dem der King of Pop an einer Überdosis Propofol unter Aufsicht von Dr. Conrad Murray starb.