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Muff Potter live in Hamburg: Auf dieses Konzert haben Fans knapp zehn Jahre gewartet

2009 war die Indie-Band Muff Potter auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Dann löste sie sich auf. Zum Leidwesen nicht nur des Autors. Nun taten sich die Musiker wieder zusammen. In der Hamburger Markthalle begeisterten sie alte und neue Anhänger.

Muff Potter

Die Band Muff Potter um Sänger Thorsten Nagelschmidt (2.v.l.) steht nach zehn Jahren Pause wieder auf der Bühne

Wenn ich an meine Studentenzeit im Münster der Nullerjahre zurückdenke, erinnere ich mich an Hawerkamp, Hansaviertel und Westfalen-Tankstelle. Auch an den Sims vor unserer Wohnung, den wir gemeinsam mit der Nachbar-WG als Balkonersatz nutzten, und von dem aus wir abends den Gästen der Dönerbude im Erdgeschoss zuprosteten. Ich erinnere mich an unseren Bandproberaum im ehemaligen Güterbahnhof – und an eine Band, die ein paar Räume weiter übte: Muff Potter.

Die Indie-Rocker mit den Punkwurzeln gehörten stets zu den verheißungsvollsten Versprechen der westfälischen Musikszene und machten sich auch deutschlandweit einen Namen. 2009 war dann jedoch nach 16 Jahren und acht Alben Schluss. Das letzte Konzert, dann die Auflösung. Sänger Thorsten Nagelschmidt, kurz: Nagel, ging nach Berlin, schrieb unter anderem Romane.

Muff Potter sind wie ein guter alter Freund, der auf einmal wieder da ist

2018 tauchten Muff Potter dann auf einmal aus der Versenkung wieder auf, spielten erstmals seit Jahren wieder zusammen und kündigten Anfang 2019 gar eine Deutschland-Tour an. Alle sieben Konzerte sind bereits ausverkauft, so auch der Auftritt in der Hamburger Markthalle am vergangenen Freitag. Muff Potter und Hamburg – das hat ohnehin schon immer gut zusammengepasst.

"Wir sind’s" – begrüßte Nagel das Publikum dann auch wie einen alten Bekannten. Einen, den man ewig nicht gesehen hat und bei dem man dann überraschend mit einem Sechserträger in der Hand vor der Tür steht, um im Anschluss einen einen grandiosen Abend zu verbringen. Und genauso fühlten sich die rund anderthalb Stunden am Freitag auch an. Nagels rotzige Stimme, der druckvolle Sound – alles so wie immer.

Und immer waren Muff Potter auch eine politische Band. Bereits 2005 kritisierten sie in "Punkt 9" "die Rückbesinnung aufs Heimatland als sicherem Hafen in globalisierten Weiten". Und auch wenn Nagel zwischendurch bemerkt, es sei ja immer ein bisschen peinlich, wenn Bands länger weg wären und sich dann mit der Botschaft zurückmeldeten, die eigenen Texte wären aktueller denn je – es lässt sich in diesem Fall nicht abstreiten. "Ob Du wirklich richtig stehst, merkst Du wenn Dir ein Licht aufgeht", schließt der Song. 

Alte und neue Fans im Publikum

Bei"„Wir sitzen so vorm Molotow" überließ Nagel Gitarrist Dennis Scheider das Mikro. Der musste den Job aber nicht alleine erledigen: In der Heimatstadt des im Titel besungenen legendären Musikclubs auf St. Pauli stimmte die komplette Halle mit ein. 

Wie die Zukunft der Band nach den Konzerten 2019 aussieht, ist noch völlig offen. 2018 erschien schon einmal "Colorado", ein Album mit bislang unveröffentlichten Stücken und neu aufgelegten Songs der Band.

Nach dem Abend in der Markthalle ist klar: Muff Potter bietet mehr als nostalgisches Schwärmen in Erinnerungen. Zumal im Publikum nicht nur alte, sondern auch etliche junge Fans zu sehen waren. Also bitte gerne mehr!

Wer keine Karten für die Tour-Gigs bekommen, hat, kann sich trösten Im Sommer sind diverse Festival-Gastspiele geplant, unter anderem auf dem Hurricane. Im November stehen Muff Potter zweimal gemeinsam mit Hot Water Music auf der Bühne:

Endlich geht es wieder bergab 2019: 24.01. Köln, Live Music Hall, AUSVERKAUFT* 25.01. Hamburg, Markthalle,...

Gepostet von Thorsten Nagelschmidt am Montag, 21. Januar 2019

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