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Super Bowl 2019: New England Patriots – der FC Bayern der USA: Warum sie so gehasst werden

In der kommenden Nacht findet der 53. Super Bowl in Atlanata statt. Wieder dabei sind die New England Patriots. Kein Team war in den vergangenen Jahren so erfolgreich – und ist zugleich so unbeliebt. Das hat seine Gründe.

Super Bowl 2019: Warum die New England Patriots so gehasst werden

Tom Brady (Nummer 12) kann seinen sechsten Super-Bowl-Erfolg feiern, wenn sein Team, die New England Patriots, und er in der kommenden Nacht in Atlanta die Los Angeles Rams schlagen 

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Stolz zeigt Ace Davis auf sein Schulprojekt, für das er vor Kurzem ausgezeichnet wurde. Als er deshalb sogar wenig später von einem Fernsehsender interviewt wird, sagt er: "Ich hasse ihn." Mit "ihn" meint der Junge aus der Stadt Lexington im US-Bundesstaat Kentucky Tom Brady, den Quarterback der New England Patriots. Das Team, das in der Nacht von Sonntag auf Montag in Atlanta gegen die Los Angeles Rams um den Titel in der nordamerikanischen Football-Liga NFL, den Super Bowl, spielt.

Ace ist der festen Überzeugung, Brady sei ein Betrüger. Das begründete er nun in seinem Projekt "Ist Tom Brady ein Betrüger?". Der Jux daran ist, Ace ist nicht einfach nur irgendein zehnjähriger Schüler, der den Profi nicht leiden kann. Der Grundschüler steht sinnbildlich für die mehrheitliche Meinung der Sportfans in den USA. Kein Team wird mehr gehasst als die New England Patriots. Mittlerweile ist daraus fast schon eine Art Religion entstanden. Nur woran liegt das?

Hater level: 100. ***UPDATE: He won "honorable mention" at the science fair and is moving on to district....

Gepostet von Christopher Davis am Donnerstag, 17. Januar 2019

New England Patriots: Neid und Erfolg

Von Michael Schuhmacher bis zum FC Bayern München – die New England Patriots haben mit einem Dilemma zu kämpfen, das jeder Serien-Sieger kennt: Die meisten Fans sind es leid, immer nur dieselben gewinnen zu sehen. Allein in den vergangenen 18 Jahren standen die Patriots neunmal im Super Bowl. Fünfmal gewannen sie die Meisterschaft. Nur die Pittsburg Steelers holten einen Titel mehr. Diese Dominanz geht vielen Sportfans auf die Nerven. Sie wollen endlich mal andere gewinnen sehen. Hinzu kommt ein gewisser Neidfaktor.

Erfolg auf umstrittene Art und Weise?

Aber da ist noch etwas anderes – und zwar der Vorwurf, den auch Ace Davis in seinem Schulprojekt erhebt: Tom Brady und New England schummeln, heißt es. Tatsächlich ist das nicht ganz unberechtigt. Da wäre zum einen die "Deflategate"-Kontroverse in der Playoff-Begegnung mit den Indianapolis Colts im Januar 2015. Die Patriots hatten bei ihrem deutlichen 45:7-Sieg mit manipulierten Bällen gespielt. Im Vorfeld der Partie hatten Mitarbeiter Luft aus elf der zwölf Spielbälle der Patriots gelassen. Der Vorteil: Weiche Bälle sind besser zu fangen.

Ein kluger Trick, natürlich nicht erlaubt, weswegen New England bestraft wurde. Die Patriots mussten eine Million Dollar Bußgeld zahlen, Tom Brady wurde zudem für vier Partien gesperrt – er habe laut NFL von der Manipulation gewusst. Und da gab es noch einen anderen Vorfall – das sogenannte "Spygate". Die Patriots hatten illegale Videoaufnahmen bei einem Training der New York Jets gemacht – und dabei Geheimsignale des Gegners entschlüsselt. Head-Coach Bill Belichick musste deshalb sogar eine halbe Million US-Dollar Strafe zahlen.

Tom Brady

Ohne Frage ist Tom Brady ein überragender Quarterback, wahrscheinlich ist er sogar der beste aller Zeiten. Allerdings ist er auch ein schlechter Verlierer. Kaum eine Entscheidung der Schiedsrichter gegen sein Team lässt er unkommentiert. Die Denver Broncos bezeichneten Brady deshalb sogar mal als "Heulsuse". Gegen jene "Deflategate"-Sperre zog er uneinsichtig monatelang vor Gericht.

Zu allem Überfluss geht vielen dieser Perfektionismus auf die Nerven: Seine wunderschöne Model-Frau Gisele Bündchen, sein enormer sportlicher Erfolg und der Fakt, dass er selbst mit Anfang 40 noch immer einer der besten Spieler der NFL ist. Brady scheint es wie Brad Pitt im Film "Der seltsame Fall des Benjamin Button" zu gehen. Er wird einfach nicht schlechter. Sagte vor einigen Jahren noch auf die Frage, wie lange er noch spielen will: "bis Anfang 40". Sagt er nun: "forever".

Und dann gibt es ja noch die Sache mit Donald Trump: Brady hatte nämlich mal eine Mütze mit dem Trump-Slogan "Make America Great Again" (MAGA) in seinem Spind hängen. Für viele Fans verkörpert der Quarterback deshalb das, was die Vereinigten Staaten der Zeit so spaltet: den weißen privilegierten Mann, der es in einer rassistischen Welt viel einfacher hat. "Nimm den 'MAGA'-Hut aus deinem Schrank", schimpfte der "Harry Potter"-Darsteller Daniel Radcliffe kürzlich. "Die ganze Welt ist gegen die Patriots, sorry!"

Es kommt also nicht von ungefähr, warum in der kommenden Nacht, wenn die New England Patriots in Atlanta auf die Los Angeles Rams treffen, die meisten Menschen letzteren die Daumen drücken.

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Quellen: The Telegraph / New York Post / Boston Globe / Spiegel Online / ESPN / Washington Post