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Ende einer Ära: In Kuba wird bald nichts mehr so sein, wie es war - und das ist auch gut so

In Havanna wird der Machtwechsel an der Staatsspitze vollzogen. Ein neuer Staatspräsident für Kuba wurde ernannt. Erstmals seit fast 60 Jahren wird er nicht mehr Castro heißen. In Kuba könnte sich nun schon bald alles ändern.

Graffito Kuba Castro

Castros Abtritt markiert eine Zäsur in Kubas Geschichte

schlägt ein neues Kapitel seiner Geschichte auf. Der 86-jährige ehemalige Guerillero, langjährige Verteidigungsminister und Armeechef Raúl Castro scheidet aus seinem Amt als Staatspräsident. Die scheinbar ewige Ära Castro geht damit zu Ende. Die vom Parlament gewählten Mitglieder des Staatsrats haben am Mittwoch aus ihrer Mitte einen Nachfolger bestimmt, der aber erst heute bekannt gegeben wird. Er entstammt erstmals nicht mehr der Generation der Revolution von 1959.

Als aussichtsreichster Kandidat für das Präsidentenamt galt Castros 57-jähriger erster Stellvertreter Miguel Díaz-Canel, Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei Kubas (PCC). Es ist der erste Generationswechsel an der kubanischen seit der Revolution. Der Revolutionsführer Fidel Castro, in Kuba als máximo líder bekannt, war von 1976 bis 2008 Staatschef.

Castros Abtritt markiert eine Zäsur in Kuba

Raúl Castro hatte 2006 die Amtsgeschäfte von seinem erkrankten und 2016 verstorbenen älteren Bruder Fidel Castro übernommen. 2008 wurde er dann formell zum Staatschef gewählt. Seitdem hat sich bereits einiges geändert in dem chaotischen -Staat - und genau diese Entwicklung dürfte nun dazu führen, dass jenes Kuba, wie wir es bisher kennen, schon bald nicht mehr gibt.

Castros Abtritt markiert eine Zäsur. Und bei aller berechtigten Nostalgie ist diese Zäsur als Chance zu begreifen - zumindest für die . Touristen feiern noch immer die abblätternden Häuserfassaden von Havanna und den Charme der spartanischen Provinzdörfer, die sich über die ganze Insel verteilen, sie lieben die Oldtimer und schmunzeln über das grotesk langsame Internet. Kuba ist immer eine romantische Reise in ein Land vor unserer Zeit.

Aber Fakt ist auch, dass das Monatseinkommen für Staatsbedienstete umgerechnet unter 30 Euro liegt. So wenig verdienen also auch Ärzte und Professoren. Anders gesagt: Wer nix mit Tourismus macht, hat auch nix in der Tasche. Ein System, das selbst Castro für nicht mehr tragbar hielt - freilich ohne etwas daran zu ändern. Zu groß erschien ihm wohl der Einschnitt, zu nagend war seine Angst vor dem daraus resultierenden Kontrollverlust.

Der neue Präsident wird diesen Mut aufbringen müssen. Unter Raùl Castro haben die Bürger von Kuba bereits an der Moderne und an der Freiheit schnuppern dürfen: Bis zu zwei Jahre dürfen sie sich inzwischen im Ausland aufhalten, ohne Besitz und Wohnsitz zu verlieren; 580.000 Kubaner, also zwölf Prozent der arbeitenden Bevölkerung, verdienen ihr Geld als selbstständige Unternehmer; seit 2013 gibt es im ganzen Land hunderte öffentliche WLAN-Netze (wenn auch mit sehr langsamem mobilen Datennetz, siehe oben); auch die Rückkehr zu einer einzigen Währung wurde von Castro angekündigt, aber noch nicht umgesetzt (nach wie vor gibt es zwei offizielle Zahlungsmittel: den Peso Cubano, mit dem inländische Waren und Dienstleistungen bezahlt werden, und den Peso Convertible, der einem Dollar entspricht und der für Importwaren verwendet wird).

Der Wandel könnte jetzt Fahrt aufnehmen

Diese Lebensumstände gilt es für die neuen Machthaber weiter zu verbessern. Die Wirtschaftsreform muss vorangetrieben werden und der entsprechende Niedergang, in dem sich das Land seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion dauerhaft befindet, endlich nachhaltig gebremst werden. Die Menschen in Kuba wollen endlich auch konsumieren. Auch wenn wir Nostalgie-Touris verdammt komisch gucken werden, wenn irgendwann der erste Starbucks in einer Altstadtruine von eröffnen wird.

Klar, der Wandel vollzieht sich bisher im Schneckentempo, aber er könnte nun Fahrt aufnehmen. Im Jahr 59 der Revolution scheint es Zeit, dass sich was dreht in Kuba. Das Ende der Castro-Ära könnte der erste Schritt in die Zukunft sein. Oder, langsam: zumindest der erste Schritt in die Gegenwart.

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