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Das rät ein Liebescoach: Beziehungspause: Wann sie sinnvoll ist und wo sie das Ende nur hinauszögert

Manchmal ist es eindeutig: Die Beziehung funktioniert nicht und eine Trennung ist die einzige Lösung. Einigen Paaren fällt diese Entscheidung aber schwer. Die Lösung: eine Beziehungspause. Aber zögern sie damit ein endgültiges Ende nur hinaus? NEON hat einen Beziehungscoach gefragt.

Von Sara Tavakoli

Frau und Mann schauen liegen mit dem Rücken zueinander gekehrt im Bett

Manchmal kann eine Beziehungspause viel frischen Wind in eine Beziehung bringen. 

Getty Images

Ich habe den Eindruck, dass sich in meinem Freundeskreis die Geister scheiden, wenn es um Beziehungspausen geht: Die einen sind der festen Überzeugung, dass eine Trennung auf Zeit völlig sinnlos ist. Dass sich die Partner eigentlich nur selbst ein bisschen veräppeln wollen und eine endgültige Trennung nur hinauszögern. Die anderen glauben, dass eine Beziehungspause eine ziemlich gute Möglichkeit ist, um sich über die eigenen Gefühle klar zu werden, in Ruhe über Probleme, Wünsche oder die gemeinsame Zukunft nachzudenken – und damit eine Trennung zu umgehen und die Beziehung zu retten. Ich will wissen, was ein Experte von Beziehungspausen hält und habe den Paarberater und Single-Coach Eric Hegmann zu dem Thema befragt.

Nach Fremdgehen können Beziehungspausen sinnvoll sein

Was sich im Gespräch mit ihm mit relativ schnell herausstellt: Weder die Befürworter noch die Gegner der Beziehungspause haben uneingeschränkt Recht. "Bei manchen vermeintlichen Trennungsgründen kann die Beziehungspause ein Mittel sein, das den Partnern hilft, wieder zu sich selbst zu finden", sagt der Experte. Bei Affären zum Beispiel sei die Distanz einer Pause durchaus hilfreich – der Betrogene könne sich darüber klar werden, ob er bereit sei, dem Partner zu verzeihen und wieder zu vertrauen. Und der Betrüger könne während der Pause entscheiden, mit wem er welche Beziehung führen möchte. "Distanz ist in einem solchen Fall also sogar anzuraten", sagt Eric Hegmann.  

Laut einer Umfrage der Partnerbörse Parship haben allerdings nur 12 Prozent derjenigen, die schon einmal eine Beziehungspause gemacht haben, die Auszeit gewagt, weil einer von beiden oder beide fremdgegangen sind. Bei weitaus mehr Befragten wurden als Gründe genannt, dass sich einer von beiden oder beide nicht mehr über die eigenen Gefühle im Klaren waren (29 Prozent) oder einfach nicht mehr glücklich waren (25 Prozent).

Wann macht eine Beziehungspause keinen Sinn?

Aber wenn die Bindung eigentlich schon nicht mehr existiert, ist es wenig sinnvoll, die Distanz in der Beziehung zu vergrößern, so der Beziehungscoach. "Verlorene Bindung lässt sich nicht durch Distanz, sondern durch Nähe überwinden", sagt er – auch wenn diese Nähe manchmal sehr schmerzhaft sein kann. Jedes Paar habe eine realistische Chance, die Beziehung zu retten, allerdings sei dafür zwingend notwendig, dass beide noch die Bindung suchen. "Wenn ein Partner die Beziehung innerlich bereits aufgegeben hat, macht eine Beziehungspause überhaupt keinen Sinn mehr und eine Trennung ist wohl die bessere Lösung", so der Experte.

On-Off-Beziehungen sind extrem belastend

Eric Hegmann rät daher Paaren, die zu ihm kommen und eine Beziehungspause verhandeln möchten, wirklich zu prüfen, ob eine Beziehungspause womöglich nur ein Vorwand ist, um nicht die Beziehung beenden zu müssen. "Vielleicht hofft auch einer insgeheim, dass eine Trennung in kleineren Schritten weniger schmerzhaft ist", sagt der Beziehungscoach. Am Ende würden aber gerade On-Off-Beziehungen die Partner stark belasten, krank machen und bei einigen sogar zu Depressionen und Belastungsstörungen führen, warnt er. "Ein klares Ende ermöglicht immer auch einen Neuanfang, der ja auch eine Chance zur Verbesserung birgt. Ein Neubeginn ist aber unmöglich, solange man noch mit dem Alten verbunden ist", sagt Eric Hegmann.

Regeln in einer Beziehungspause

Wenn eine Trennung dennoch nicht in Frage kommt und man sich in einer Partnerschaft für eine Beziehungspause entscheidet, empfiehlt der Beziehungscoach ein paar Regeln, die man für die Pause festlegen sollte. Die Beziehungspause müsse klar definiert werden und man sollte miteinander über folgende Fragen sprechen: Wie oft soll der Kontakt in der Pause sein? In welcher Form soll der Kontakt stattfinden? Wie sieht es während der Beziehungspause mit Kontakt zu anderen Personen aus? Haben die Partner in der Pause Dates mit anderen? Haben sie Sex mit anderen? Sind sie dabei transparent?

Manche Paare würden bereits während der Klärung dieser Fragen merken, ob es sich tatsächlich um eine Beziehungspause handelt, die Raum für Klarheit und Reflexion schaffen soll – oder ob es eine Flucht vor der schmerzlichen Realität ist, sagt der Experte.

Wie lang sollte eine Beziehungspause sein?

Auch bei der Länge einer Beziehungspause komme es auf die Gründe dafür an. Eric Hegmann sagt, dass vier bis sechs Wochen Pause vielleicht ein Mittelwert ist, der trotzdem individuell geprüft werden müsse. Die Beziehungspause dürfe jedenfalls nicht zu kurz sein, da es zwecklos ist, darauf zu hoffen, dass der Partner in wenigen Wochen sich und seine Verhaltensweisen vollständig verändern kann. Zu lang solle die Beziehungspause allerdings auch nicht sein, da eine Pause Distanz schafft, sagt er. "In jeder Beziehung geht es schließlich um Bindung, die bei einer zu lang anhaltenden Beziehungspause vielleicht dazu führt, dass die Partner ihr Bedürfnis nach Nähe bei jemand anderem befriedigen."

Beziehungspause: Das Ende einer Beziehung?

Laut der Umfrage von Parship führt eine Beziehungspause bei 81 Prozent der Befragten auf kurz oder lang zu einer endgültigen Trennung. Zögert eine Beziehungspause die Trennung also eigentlich nur hinaus? Bei manchen Beziehungen sei das sicherlich der Fall, so Eric Hegmann. Häufig seien die alten Trennungsgründe auch die neuen und generell sei Klarheit immer besser als ununterbrochenes Grübeln, das in Beziehungspausen noch weitergeht, sagt er. Daher empfiehlt der Experte in den meisten Fällen eher eine Paartherapie – "selbst, wenn aus der Paartherapie am Ende eine Trennungsbegleitung wird. Aber dann wissen die Partner, woran sie sind."