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Die NEON-Singles – Gemeinsam einsam Gute Nachrichten für Normalos – das macht Männer für Frauen attraktiv

Frau schaut Mann an
Frauen beobachten Männer genau – und wissen, worauf sie achten müssen
© Sjale / Getty Images
In unserer Kolumne "Gemeinsam einsam" schreiben die NEON-Singles über alle Tücken, die das ledige Leben so mit sich bringt. Heute schaut sich unser Autor eine Studie an, die den Männergeschmack von Frauen entschlüsseln soll.

Einmal saßen wir in einer bunt gemischten Runde von Männern und Frauen zusammen, als eine Freundin erzählte, dass sie heute im Supermarkt "zufällig" einem Bekannten begegnet sei, der sie anschließend in ein nettes Gespräch verwickelt hatte. Das sei "ganz lustig" gewesen, da sie diesem Bekannten bereits einmal zuvor "zufällig" begegnet sei. Die Männer in der Runde schauten sich wissend an, bis jemand der unbefangenen Freundin erklärte: "Du würdest dich wundern, wenn du wüsstest, was Männer für solche zufälligen Treffen tun."

Mit der Frage, wie man das Herz von Frauen – sei es nun von möglichst vielen oder einer ganz besonderen – erobert, verbringen Männern wohl mehr Zeit als viele Frauen glauben. Das hat nichts mit Stalking zu tun, eher damit, Gelegenheiten zu schaffen, um jemandem zumindest ein Stückchen näherzukommen. Dazu müsste man allerdings wissen, wie man bei den Mädels den besten Eindruck hinterlässt. Zu wirklichen Antworten gelangen allerdings die wenigsten. Schließlich ist und bleibt jeder Geschmack (und jedes Herz) individuell, Patentrezepte gibt es nicht.

Studie: Frauen wollen nette Männer – keine Muskelprotze

Dennoch können statistische Erhebungen zu diesem Thema wichtige Anhaltspunkte liefern. Deshalb hat die Psychologin Tanja Gerlach von der Universität Göttingen sich in einer Studie der Frage gewidmet, welche Eigenschaften Frauen bei Männern besonders attraktiv finden. In ihrem Forschungsprojekt befragte sie in Zusammenarbeit mit Experten des Unternehmens Clue, das eine App für den Menstruationszyklus anbietet, und dem Kondomhersteller Myone 68.000 Frauen in 180 Ländern. Dabei wurden nicht nur heterosexuelle Frauen befragt, es wurde also generell nach Attributen gesucht, die Frauen bei Partnern oder Partnerinnen anziehend finden. Die Ergebnisse ihrer Studie empfinde ich als Mann zumindest als ziemlich hilfreich – in mehrfacher Hinsicht. (Hier könnt ihr die Ergebnisse der Studie nachlesen.)

Die erste – und vielleicht auch schon wichtigste Erkenntnis: Charakter ist wichtiger als Aussehen. Mayors of the friendzone, es gibt Hoffnung! 88,9 Prozent antworteten auf die Frage nach der wichtigsten Charaktereigenschaft eines potenziellen Partners mit "Freundlichkeit". Dahinter folgten "Unterstützung" und "Intelligenz".

Beim Aussehen geht es vor allem um das Lächeln

Der Faktor "Aussehen" schaffte es nicht einmal in die Top fünf. Nun ist schon klar, dass es meist die Männer sind, die den äußeren Werten einen hohen Stellenwert beimessen. Aber die wissenschaftlich belegte These, dass man kein Muskelprotz sein muss, um die Frau seines Herzens zu überzeugen, macht doch Mut. Vor allem all denen, die sich oft ein bisschen zu nett für diese Welt fühlen.

"Freundlichkeit ist wie Schwerkraft – entscheidend, aber man merkt erst wie wichtig sie ist, wenn sie weg ist", sagt die Anthropologin Virginia J. Vitzthum von der Indiana University ganz treffend. Schade nur, dass sich dieses Ergebnis oft nicht so ganz in der Realität widerspiegelt. Es sollen sich schon Menschen einen Korb eingehandelt haben mit der Begründung, sie seien "zu wenig Arschloch".

Wenn wir aber schon über Äußerlichkeiten reden müssen, dann vor allem über das Lächeln. Das nämlich ist laut der Studie der Teil der äußeren Erscheinung, der bei Frauen den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt. Einen stärkeren Eindruck als Genitalien, betonen die Forscher. Tatsächlich präferierten die meisten Frauen einen "durchschnittlichen" Körperbau und keineswegs besonders muskulöse oder athletische Männer, wenn es um Partner für Langzeitbeziehungen ging.

Kinder – ja oder nein? Eine entscheidende Frage

Spannend auch: Vielen Frauen ist Familie besonders wichtig – und dass der Mann zumindest eine Vorstellung von seinen Plänen diesbezüglich hat. Der überwältigende Großteil der befragten Frauen war zwischen 18 und 30 Jahre alt, und 46 Prozent – unabhängig von der sexuellen Orientierung – gaben an, dass ihnen der generelle Kinderwunsch des Partners sehr wichtig sei. Sich also nicht erst mit Anfang 30 darüber Gedanken zu machen, auch wenn man als Mann dazu biologisch gesehen theoretisch die Freiheit hätte, könnte hilfreich sein.

Halten wir also fest: Zumindest wenn wir den Ergebnissen der Studie glauben, reicht Durchschnitt völlig aus. Oder wie man im Internet gern sagt: "Don't be an asshole." Dann braucht man noch etwas Glück – und der Partnerschaft steht nichts mehr im Weg. Für die Stinos (Stinknormalos) unter uns ist das doch eine sehr gute Nachricht.


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