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Louisa Dellert : Alltag als grüne Influencerin: "Ich dürfte eigentlich nichts mehr außer nackt sein"

Angefangen hat sie als Fitnessbloggerin, heute trifft sie Politiker wie Philipp Amthor, um über Klimapolitik zu diskutieren: Die 29-jährige Braunschweigerin spricht im Interview mit NEON über ihren Weg hin zur Influencerin – und warum sie für ihr Engagement immer wieder angefeindet wird.

Louisa Dellert steht für ihre Überzeugungen ein
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Arbeitest du hauptberuflich als Influencerin? 

Ich arbeite hauptberuflich als Influencerin. Im Moment funktioniert das ganz in Ordnung. Da ich ja vom Thema Fitness auf Nachhaltig und Umwelt und Politik gewechselt bin, ist es schwieriger geworden, damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, weil das ein sehr sensibles Thema ist.

Hinsichtlich PR-Samples und Werbung: Nach welchen Kriterien wählst du die Kampagnen aus, an denen du beteiligt sein möchtest? 

Louisa Dellert: Kooperationen wähle ich danach aus, ob sie ethisch für mich vertretbar sind oder ob ich die Produkte privat unterstützen oder kaufen würde. Ist das der Fall, gehe ich mit dem Unternehmen ins Gespräch. Unterhalte mich darüber, wie die Kampagne ablaufen soll. Wenn ich Samples nach Hause geschickt bekomme, die mir nicht gefallen, dann schreib ich das Unternehmen dementsprechend an und sage: Hey, ich möchte das zurückschicken, weil ich brauche das nicht. Es gibt auch viele Unternehmen, die wissen: „Lou fragt direkt nach, wenn sie etwas testen möchte. Wir schicken ihr nicht einfach unnötig irgendwelche Produkte raus.

Wieso brauchen wir mehr Authentizität, mehr Realität und Unperfektsein statt Oberflächlichkeit in den sozialen Netzwerken?

Louisa Dellert: Auf Instagram gibt es natürlich mega viele Accounts, die vermeintlich perfekte Bilder zeigen und sich immer von der besten Seite zeigen – was natürlich auch total in Ordnung ist. Es sollte aber auch frischen Wind geben und Accounts, die dementsprechend da auch mal zeigen, dass sie nach dem Essen einen aufgeblähten Bauch haben oder in der Sonne die Cellulite zu sehen ist, auf dem Po vielleicht. Oder auch mal zeigen, dass eine Hose nicht perfekt sitzt. Genau diese Dinge brauchen wir auf Instagram, damit wir immer wieder daran erinnert werden: „Okay alles klar, das ist zwar die Onlinewelt, die wir hier immer anklicken und herzen. Im Offlineleben sieht es anders aus und auch das ist in Ordnung."

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Schaut man sich dein Instagram-Profil an fällt auf, dass du eine ziemliche Entwicklung durchgemacht hast.

Louisa Dellert: Ich hab mich damals auf Instagram angemeldet, weil ich Motivation und Inspiration gesucht habe. Ich habe mich zu dick gefühlt und wollte abnehmen. So hat sich mein Account dann auch entwickelt. Ich habe viel Sport gemacht, wollte, dass man mein Sixpack sieht. Hab immer mehr abgenommen und war dann irgendwann in so einer Spirale drin, dass ich die reale Welt nicht mehr von der Instagram-Welt unterscheiden konnte.  Ich hatte dann irgendwann eine Herz-OP und habe danach erst festgestellt: Ah okay, es gibt Dinge im Leben, die sind viel wichtiger als ein Sixpack. Die Gesundheit. Dass wir überhaupt fühlen, essen, riechen, hören können. Dass wir überhaupt zwei gesunde Beine haben. All diese Dinge sind viel, viel wichtiger. Das habe ich erst im Nachhinein realisiert. Deswegen ist es mir so wichtig, diese Message auf Instagram weiterzutragen. 

Inwiefern setzt du dich mit dem Thema Klimapolitik auseinander und warum?

Louisa Dellert: Ich treffe mich seit circa einem halben Jahr immer mal wieder mit Politikerinnen und Politikern in Berlin, um über das Thema Klimapolitik zu sprechen. Nicht, weil ich mich mit dem Thema super gut auskenne, sondern weil ich mich eben nicht damit auskenne und dazu lernen will. Ich möchte erfahren, was die verschiedenen Parteien sagen und was sie zum Thema Klimapolitik beitragen können. Meine Follower versuche ich miteinzubinden, indem sie mir Fragen schicken können, die ich dann mit in den Bundestag nehme. Dort hake ich entsprechend nach und stelle das Ganze hinterher auf Instagram  online.

Wie gehst du mit Kritik von deinen Followern um?

Louisa Dellert: Inzwischen reagiere ich auf Kritik sehr offensiv. Das heißt, wenn ich etwas öffentlich unter einem Beitrag geschrieben bekomme, dann nehme ich das häufig als Beispiel und veröffentliche das, um zu zeigen: Hey, so sieht die Kritik aus, die ich bekomme. Manchmal schreibe ich darauf zurück. Meistens beachte ich das aber gar nicht mehr und lasse das gar nicht an mich heran – vor allem wenn es Beleidigungen sind.

Es gibt ja diesen Film von Eminem: "8 Mile". Da hat er ein Duell mit einem anderen Rapper und er rappt sich alles von der Seele. Alle Dinge, die er Scheiße gemacht hat. Alles Dinge, die er falsch gemacht hat. Und das wollte ich auch so machen. Im Sinne: Hey, das läuft bei mir nicht vermeintlich perfekt. Indem ich das ausgesprochen habe, kann man mich eigentlich gar nicht mehr so krass angreifen, weil ich zu dem stehe, was ich mache. Und auch zu den vermeintlichen Fehlern stehe. Es gibt Menschen, die das als Fehler ansehen, es gibt Menschen, für die ist das ganz menschlich. Das kommt natürlich auch wieder drauf an. Ich wollte damit zeigen: Okay, wenn man immer das sagt, was man fühlt, was man tut, und immer straight ehrlich ist, dann kann einen eigentlich niemand mehr ankacken. Dann macht man einfach sein Ding und macht das wofür man steht.  

Manche werfen dir auf Instagram Heuchelei vor.

Louisa Dellert: Viele Menschen im Internet erwarten von mir – weil ich über Themen wie Nachhaltig und Umweltschutz blogge – dass ich zu hundert Prozent perfekt bin und zu hundert Prozent verkörpere., was man sich darunter vorstellt. Leute erwarten, dass ich nicht mehr fliege. Als ich nach Kalifornien geflogen bin, habe ich einen mega Shitstorm bekommen. Die Leute haben sich bei mir beschwert und ich habe viele gemeine Nachrichten bekommen. Das war für mich zu viel. Ich brauchte Abstand und  Zeit, um zu reflektieren: Willst du das in Zukunft weiter machen? Was willst du eigentlich und was willst du nicht? Da ich generell schon wirklich wenig fliege und bei den paar Flügen, die ich mache, so krass angefeindet werde, muss ich erst einmal schauen, wie ich damit umgehe.

Wenn du dich mit dem Thema Klimapolitik auseinandersetzt, dann darfst du kein Ei mehr essen, dann darfst du nicht mehr fliegen, dann darfst du kein Auto haben. Dann dürfte ich eigentlich gar nichts mehr außer nackt sein. Da ist es dann bei mir schon so, dass es mir relativ nah geht und ich daran zu knabbern habe und ein bisschen intensiver lernen muss, damit vernünftig umzugehen, damit mir das Ganze noch Spaß macht.

Was ist das schönste Feedback, was du je von einem Follower bekommen hast? 

Louisa Dellert: Ich bekomme eigentlich jeden Tag mega schönes Feedback von meinen Lesern und Leserinnen. Ein richtig schönes war mal, dass mir ein Mädchen geschrieben hat, dass ich so etwas wie eine digitale Schwester bin. Und dass sie sich mit diesem Weg, den ich gegangen bin, total identifizieren kann und auch mit mir gegangen ist. Das war total schön. Ich bin aber auch total froh, wenn ich konstruktive Nachrichten bekomme. Da lerne ich auch oft dazu.

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