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Gleichberechtigung Revolte der Spitzenfrauen: "Wir fordern Einfluss, Macht und Sichtbarkeit"

Katja Kraus, Janina Kugel, Maria furtwängler, Nora Bossong, Jutta allmendinger
Maria Furtwängler, Janina Kugel, Katja Kraus, Nora Bossong und Jutta Allmendinger beim Termin in Berlin
© Bernd von Jutrczenka/ / Picture Alliance
Ein Bündnis von prominenten Frauen aus  Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur fordert mehr Gleichstellung in Unternehmen. Ihre Botschaft: Wir brauchen die Quote, jetzt.

Es ist eine ungewöhnliche Allianz prominenter  Frauen, die heute an die Öffentlichkeit getreten sind. Sie wollen mehr Gleichberechtigung und fordern gesetzlich vorgeschriebene Frauenquoten für Unternehmen: Die Schauspielerin Maria Furtwängler, die Sozialforscherin Jutta Allmendinger, die Managerin und Ex-Fußballnationalspielerin Katja Kraus, die Schriftstellerin Nora Bossong, die Aufsichtsrätin und Ex-Siemens-Personalvorständin Janina Kugel. 

"Es geht um ein 'Jetzt reicht’s!'. Jetzt müssen sich die Dinge ändern", sagt Kugel anlässlich der Aktion dem stern. "Wir fordern Einfluss, Macht und Sichtbarkeit." Schauspielerin Furtwängler sagt: "Wir finden es immer noch selbstverständlich, durchschnittliche Männer in hohen Positionen zu sehen, statt zu fordern, dass sie außergewöhnlich guten Frauen Platz machen."

Die Bundesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, die Gleichstellung voranzutreiben. Derzeit liegt ein Gesetzesentwurf zur Abstimmung im Kabinett.  Demnach sollen mehr Unternehmen als bislang zu 30 Prozent Frauen im Aufsichtsrat verpflichtet werden und  24  Unternehmen, die dem Staat gehören, wie zum Beispiel die Deutsche Bahn, müssten 50 Prozent der Posten in Vorstand und Aufsichtsrat mit Frauen besetzen.

Die Frauenquote hat viele Gegner 

Die Widerstände gegen das Gesetz sind groß, nicht nur in CDU und CSU. Vergangene Woche wurde ein Brief der Bahn an mehrere Ministerien öffentlich, in dem drei Bahn-Vorstände vor "erheblichen negativen Auswirkungen" warnten. Sie befürchten wie viele Gegner der Quote einen Fachkräftemangel. Andere Kritiker befürchten hohe Bürokratiekosten und argumentieren, dass die Qualifikation, nicht das Geschlecht über eine Berufung entscheiden sollte. 

Die Argumentation, es gebe nicht genügend qualifizierte Frauen, sei nicht mehr haltbar, sagt Sozialforscherin Allmendinger. "In Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Sport gibt es gut ausgebildete, exzellente Frauen, die gerne Verantwortung übernehmen. Die Pipeline ist voll." Es brauche diverse Teams, damit die deutschen Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich arbeiten könnten. Aus Sicht des Bündnisses fehlt der Wille, etwas an den bestehenden Machtstrukturen zu ändern.  Männer beförderten meist Männer. "Wir haben 20 Jahre gewartet. 20 Jahre Selbstverpflichtung der Unternehmen und Politik haben zu wenig Fortschritt geführt", sagt Kugel. 

Influencer unterstützen mit #IchWill

Das Frauennetzwerk befürchtet, dass der aktuelle Gesetzesentwurf unter die Räder kommen könnte und will Druck erzeugen. Kurz zuvor hatten sich,  initiiert  von ihnen,  unter dem Hashtag #IchWill im Netz prominente Influencer wie Marie Nasemann und Louisa Dellert mit einem gemeinsamen Video zu Wort gemeldet und auch die Quote gefordert. Furtwängler sagt: "Der Gesetzesvorschlag muss im Parlament diskutiert werden.  Und ich möchte Männer wie  Bahn-Vorstand Ronald  Pofalla, die sich dem Vorhaben versperren, mit einer Frage konfrontieren: Wo ist  eigentlich  Ihr Problem?"

Beim Thema Gleichstellung machen die Führungsetagen deutscher Unternehmen laut einer aktuellen Studie der schwedischen Allbright-Stiftung Rückschritte. Zum ersten Mal seit Jahren sank der Frauenanteil. Er liegt in den 30 Dax-Konzernen bei 12,8 Prozent. Anfang September saßen 23 Managerinnen im Vorstand, vor einem Jahr waren es noch 29.

Das Frauennetzwerk spricht sich für Quoten in allen Gesellschaftsbereichen aus. Die Corona-Krise habe gezeigt, wie wenig verankert die Gleichstellung von Mann und Frau in der Gesellschaft noch sei. Frauen seien meist für Kinder, Pflege und Homeschooling zuständig.  "Diese Themen kamen aber im Krisenmanagement an allerletzter Stelle. In den Expertenrunden saßen überwiegend Männer", sagt Furtwängler. Deswegen sieht das Bündnis die Diskussion um das Führungskräftegesetz auch nicht als Elite-Thema . In diesen Positionen werde über die ganze Arbeitnehmerschaft bestimmt, sagt Furtwängler. "Es ist entscheidend, dass der Blick von oben auf die Welt nicht nur ein männlicher ist."   


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