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Louisa Dellert "Vor ein paar Jahren hat mich Feminismus noch total genervt"


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Die Influencerin Louisa Dellert diskutiert mit ihren Followern regelmäßig über Politik. Beim Thema Quote stößt sie auf zwei gespaltene Lager. Sie selbst kennt beide Seiten. Ein Protokoll.

"Vor ein paar Jahren noch hat mich das Thema Feminismus total angekotzt. Ich konnte nicht verstehen, warum die da immer so einen Aufstand machen. Warum diese Frauen so energisch aufklären und mir sagen, dass ich gendern müsse. Ich dachte: Wir sind doch eh alle gleich! Im Nachhinein weiß ich: Ich war genervt davon, weil es mich einfach nicht betroffen hat. Weil ich damals lieber GZSZ anstatt die "Tagesschau" geguckt habe. Feminismus war für mich ganz weit weg. Erst als ich selbst in meinem Berufsleben Erfahrungen mit Benachteiligungen gemacht habe, ist mir meine Ignoranz aufgefallen. 

Als Politik- und Nachhaltigkeits-Influencerin bin ich oft die einzige Frau auf Panels. Mir ist es schon passiert, dass mich die Männer nicht einmal vorher begrüßt haben. Die bleiben unter sich und interessieren sich null dafür, was ich als Frau zu sagen habe. Letztens war ich eingeladen und es war immerhin noch eine andere Frau da. Aber ich war die jüngste und die einzige Influencerin und das sind zwei schwierige Faktoren. Wenn du als Influencerin über Politik sprichst, wirst du oft nicht ernst genommen. Der Moderator wusste zwar, wer ich bin und was ich mache, hat mich aber innerhalb des Gespräches mehrfach falsch als Beauty- und Fitness-Influencerin betitelt. Bei der Jungen Union war ich mal auf einem Panel mit Philipp Amthor, im Publikum nur Männer. Als es um das Thema Klima ging, haben die angefangen, laut über mich hinwegzusprechen, reinzurufen. So etwas macht mich echt sauer, ich hab die dann aufgefordert, nach vorne zu kommen, wenn sie etwas zu sagen haben. Dass ich nicht ernst genommen werde für meine Expertise, passiert mir immer wieder. 

"Männer entscheiden Dinge für ganze Branchen, in denen auch Frauen tätig sind"

Ich bekomme häufig Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen – und zwar fast ausschließlich von Männern. Das zeigt, dass man als Frau, die sich zu gesellschaftspolitischen Themen äußert, nochmal krasseren emotionaleren Widerstand bekommt, als vielleicht ein Mann. Gerade deshalb finde ich es wichtig, Gleichberechtigung zu thematisieren.

Für das Thema Frauenquote haben wir uns in einer Gruppe zusammengetan und den #IchWill ins Leben gerufen, weil sich endlich etwas ändern muss in deutschen Vorständen. Sonst entscheiden da weiter Männer für ganze Branchen, in denen auch Frauen tätig sind. Mir ist es total wichtig zu sagen, dass es toll ist, wenn du eine Quotenfrau bist. Denn damit legst du einen Baustein, damit es Frauen nach dir einfacher haben. Wir müssen jetzt ein bisschen kämpfen und zusammenhalten. Männernetzwerke gibt es zigfach, aber es nicht oft so, dass ein Mann eine Frau anruft und um Hilfe bittet. Deshalb ist Netzwerken unter Frauen super wichtig. Es ist auch total schön, ich tausche mich zum Beispiel gern mit Jennifer Weist oder Aminata Belli aus.   

In meiner Community merke ich, dass Viele beim Thema Frauenquote zwiegespalten sind. Deshalb ist so eine Kampagne wie #IchWill wichtig, damit ein Gespräch angestoßen wird. Generell war das Feedback total geil, und es ist auch sehr konstruktiv abgelaufen. Die, die dagegen waren, konnten mir aber auch kein anderes Instrument nennen, wodurch man Gleichstellung im Berufsleben hinbekommt. Ohne gesetzliche Quote hat es bis jetzt nicht geklappt, das sehen wir schwarz auf weiß, die Zahlen sind da. Deshalb brauchen wir jetzt die Quote als Instrument. Wenn sich dann immer noch nichts tut, kann man ja nochmal neu nachdenken."


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