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Studie zu Sexualbildung: Setzen, Syphilis: Warum Schüler im Saarland besser aufgeklärt sind als in Niedersachsen

Inhalte aus den 1980er Jahren und große Unterschiede zwischen den Bundesländern: Sexualkunde ist an deutschen Schulen nicht zeitgemäß, zeigt eine aktuelle Studie. Der Mangel an Aufklärung könnte langfristig zum Problem werden.

Personen mit Banane

Kondom und Banane: Sexualbildung ist an deutschen Schulen immer noch ein Thema von gestern

Getty Images

Ein Kurzfilm über die Pubertät und Nahaufnahmen einer Geburt, dazu Kondome und Bananen – so oder so ähnlich sah wahrscheinlich die Sexualerziehung bei vielen Schülern in den letzten Jahren aus. Obwohl Jugendliche, nicht zuletzt durch Social Media, deutlich früher Kontakt mit Sexualität haben, wird das Thema an deutschen Schulen scheinbar immer noch unzureichend behandelt. Das lässt zumindest die Studie des Digital-Health-Unternehmens "Fernarzt.com" vermuten. Der Report hat die Lehrpläne aller 16 Bundesländer zum Thema sexuell übertragbare Krankheiten untersucht.

Weniger Aids, mehr Syphilis

Das Ergebnis: Die Inhalte stammen teilweise aus den 1980er Jahren und nur sieben der 16 Bundesländer haben überhaupt einen eigenen Rahmenlehrplan oder Richtlinien für die Sexualerziehung. Ganz vorne rangiert das Saarland (was sagst du jetzt, Jan Böhmermann!?), Schlusslicht ist Niedersachsen, mit gerade einmal drei von 13 möglichen Punkten. Im Report wurde beispielsweise untersucht, inwieweit das Thema Sexualbildung im Lehrplan für Biologie auftaucht und wie konkret das Thema Sexualerziehung zur Sprache kommt.  

Infografik

Das Thema sexuell übertragbare Krankheiten wird in den meisten deutschen Schulen kaum behandelt. Zudem sind die Inhalte rund am Sexualbildung oft veraltet.

Während die Ansteckungsraten von HIV und Aids in Deutschland kontinuierlich zurückgehen, steigt die Zahl anderer übertragbarer Krankheiten seit Jahren stark an. So hat sich die Zahl der bestätigten Syphilis-Infektionen seit 2010 mehr als verdoppelt – Deutschland zählt damit zu den Spitzenreitern in Europa. Besonders Männer im Alter von 25 bis 34 Jahren infizieren sich besonders häufig mit sexuell übertragbaren Krankheiten. Und auch bei Chlamydien, eine übertragbare Bakterienart, steigt die Ansteckungsquote. Als Grund für Anstieg vermuten Experten unter anderem den Rückgang der Nutzung von Kondomen, aber auch immer besser werdende Testverfahren.

Kasse soll Kondome und Pille bezahlen

Aufgrund der beunruhigenden Zahlen hat die Bundesregierung bereits 2016 die "BIS 2030: Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen" verabschiedet. Angekommen bei der Zielgruppe ist das aber offenbar nicht. Denn nur Prävention und Wissen rund um die Krankheiten kann ihre Ausbreitung verhindern. Daher ist es umso schlimmer, dass Sexualerziehung laut den Ergebnissen der "Fernarzt"-Studie im Jahr 2019 an Schulen immer noch ein absolutes Orchideenthema ist: So nutzen zum Beispiel Schleswig-Holstein oder Bayern im Lehrplan Richtlinien zur Aids-Prävention, die teilweise aus den 1980er Jahren stammen.

Ein fatales Problem, denn Geschlechtskrankheiten bleiben oft unbehandelt, weil Jugendliche die Symptome nicht erkennen. Chlamydien, die zu Unfruchtbarkeit bei Frauen führen können, spielen zum Beispiel in den meisten der kulturellen Lehrpläne gar keine Rolle. Das Wort kommt insgesamt nur 16 Mal vor – und das überhaupt nur in den Plänen im Saarland und in Bayern. Die Macher der Studie fordern daher, nicht nur das Thema Schwangerschaftsverhütung, sondern auch die Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten umfassender in den Lehrplan zu übernehmen. Zudem sollen nach Ansicht der Experten die Kosten nicht nur die Kosten für die Anti-Babypille, sondern auch für Kondome bis zum 21. Lebensjahr von der Krankenkasse übernommen werden.

lau