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#NEONDamenwahl

5 Fragen an junge Feministen: Teresa Bücker: "Fortschritt wäre, wenn alle Väter mehrere Monate Elternzeit nehmen"

Am 19. Januar vor 100 Jahren durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen. Wir nutzen diesen Anlass, um mit jungen Feministen und Feministinnen zu sprechen und sie zu fragen: Warum brauchen wir immer noch Feminismus? Wo hakt es noch? Und wo läuft es gut? Heute antwortet Teresa Bücker, Chefredakteurin von Edition F.

Teresa Bücker Edition F NEON-Damenwahl Feminismus

Teresa Bücker ist seit 2017 Chefredakteurin des feministischen Online-Magazins "Edition F"

"Femininja": So bezeichnet sich Teresa Bücker auf ihrem Twitter-Account. Als @fraeulein_tessa wurde die 34-Jährige im Netz bekannt – und gilt heute als eine DER Feministinnen der aktuellen Generation. Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015/16 in Köln initiierte sie mit anderen Aktivistinnen die Kampagne "#ausnahmslos" gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Seit 2014 arbeitet Teresa Bücker beim feministischen Online-Magazin "Edition F" und ist dort seit 2017 Chefredakteurin. Wenn sie schreibt, dann vor allem über die aktuellen Herausforderungen des Feminismus, gesellschaftliche Entwicklungen und das Mutter-Sein.

1. 100 Jahre Frauenwahlrecht: Warum braucht es immer noch Feminist*innen?
Feministin zu sein ist zum einen ein Wert – ich glaube daran, dass alle Menschen gleich viel wert sind und daher alle gerechte Chancen bekommen sollten und nicht aufgrund ihres Geschlechts oder anderer Merkmale diskriminiert werden dürfen. Zum anderen ist die Benachteiligung von Frauen aber schlicht durch Daten nachweisbar und unstrittig. Man braucht dazu aber auch nicht einmal Feministin sein, das Grundgesetz sieht die Gleichberechtigung von Frauen und Männern vor – die Bundesregierung ist demnach verpflichtet, Gesetze zu erlassen, die zum Beispiel dafür sorgen, dass Frauen in ihren Berufen gute Gehälter bekommen und sie nicht später – und das ist aktuell die Zukunft – eklatant häufiger arm sein werden, wenn sie alt sind. Sehr arm.

Dass in Deutschland Gleichberechtigung erreicht sei, wie es sehr oft heißt, ist also völliger Quatsch. Im Feminismus geht es mittlerweile aber auch um viel mehr, als das Verhältnis von Frauen und Männern. Der so genannte intersektionale Feminismus beschäftigt sich damit, wie Mehrfachdiskriminierung wirkt. Also zum Beispiel damit, dass zugewanderte Frauen oder Women of Colour noch einmal deutlich weniger in den gleichen Jobs verdienen, als weiße Frauen, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und die Rechte für zum Beispiel trans* oder intersexuelle Menschen noch immer nicht gut genug sind, dass gleichgeschlechtliche Paare noch immer nicht die gleichen Rechte haben wie Hetero-Paare oder auch mit der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. All diese komplexen, teils krassen strukturellen Formen von Diskrimierung werden uns leider noch locker ein paar Jahrzehnte beschäftigen – leider.

Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät, feministisch aktiv zu werden. Und: alle profitieren davon. Denn auch Männer sind negativ von Stereotypen betroffen. Je mehr wir uns dagegen wehren, desto seltener werden Menschen in Schubladen gesteckt. Das mag schließlich niemand.

2. Wofür brennst du besonders – und warum?
Man kann auf jedes Thema eine feministische Perspektive entwickeln – sie alle sind wichtig. Ich denke jedoch, dass die wichtigsten Themen, die viele Lösungen für andere Bereiche nach sich ziehen und auch schlicht damit stark in Verbindung stehen, Armut und Gewalt sind. Da müssen wir ansetzen. Jedes Mädchen, jede Frau, hat das Recht auf ein Leben frei von Gewalt und die Zahlen dazu, wie viele Frauen im Laufe ihres Lebens Opfer von Gewalt werden, sind einfach bedrückend. Wir alle kennen Frauen, ob wir es gerade wissen oder nicht, die Gewalterfahrungen gemacht haben – und die Täter stammen meistens aus ihrem Umfeld, oft ist es sogar der eigene Partner.

Gerade als Frauen sollten wir zudem begreifen, dass unser Wohlstand auf dem Rücken anderer Frauen ausgetragen wird: Näherinnen, die für einen Hungerlohn unsere Kleidung nähen, Putzkräfte, die unsere Wohnung reinigen, damit wir arbeiten können usw. Wenn Feminismus also globale Solidarität mit anderen Frauen und anderen Menschen bedeutet, müssen wir uns gegen jede Form der Ausbeutung stellen und gegen Armut kämpfen.

3. Was läuft gut? Was braucht noch Veränderung?
#metoo war sicherlich ein Erfolg. Es hat gewirkt wie ein große globale Bildungskampagne, bei der viele Menschen das erste Mal gemerkt haben, wie krass das Problem sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt eigentlich ist. Dass es keine Einzelfälle sind, sondern überall stattfindet. Und das Wichtigste: Wir haben danach über Lösungen gesprochen, wie man das verändern kann und einige davon sind auf dem Weg. In Deutschland wurde zum Beispiel im vergangenen Jahr die Istanbul-Konvention ratifiziert, auf die viele verschiedene Maßnahmen folgen müssen, um Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu bekämpfen. Dazu zählt zum Beispiel, dass diese Themen schon an Schulen behandelt werden müssen.

Zudem wird der Diskurs rund um Gleichberechtigung in der Berufswelt immer lauter. Ich denke, dass wir in den nächsten Jahren ein Gesetz für transparente Löhne bekommen werden und auch die Regelungen bezüglich Equal-Pay sich noch einmal verschärfen werden. Die Wirtschaft lernt es nicht von allein, machen wir uns da bitte nichts vor. Und in Bezug auf Familien machen wir erst Fortschritte, wenn Kinder und alleinerziehnend zu sein das Armutsrisiko nicht mehr erhöht und endlich 100 Prozent der Väter mehrere Monate Elternzeit nehmen. Weit über die Hälfte der Väter nimmt keinen einzigen Monat Elternzeit – wie kann so etwas 2019 sein?

4. Welchen Satz kannst du nicht mehr hören?
Stellt euch vor, dass würde eurer Tochter passieren.

5. Wer sind deine Vorbilder?

Alle Feminist*innen. Es gibt so viele davon, ob nun schon gestorben oder noch ganz jung. Jede Person, die sich engagiert, ist wichtig, alle inspirieren mich ganz unterschiedlich und ich kann von ihnen lernen. Feminismus funktioniert nur mit Arbeitsteilung, jede*r kann das machen, was sie am besten kann und wofür sie gerade Zeit hat. Seitdem ich selbst ein Kind habe, kann ich mich weniger engagieren als vorher – und das ist okay. Wenn jede Person sich nur ein bisschen für etwas einsetzt,  können wir ganz viel verändern.

NEON-Reihe #sexbewusst: Aufregender Sex – und wie eine Rosine dazu beiträgt
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.