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Gender-Gap: Das können wir in Sachen Gleichberechtigung von Island lernen

Island liegt seit neun Jahren in Folge auf Platz eins des Gender Gap Reports. Aber woran liegt das? Diese Gesetze sorgen in Island für mehr Gleichberechtigung.

Mann und Frau

Beim Thema Gleichberechtigung haben wir noch einen weiten Weg zu gehen

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Gleichberechtigung ist grundlegend für das wirtschaftliche und soziale Wachstum einer Gesellschaft. Ein Statement, das vollkommen logisch ist, oder? Wird nur das Potential der Hälfte aller Einwohner eines Landes genutzt, kann diese Gesellschaft nicht gedeihen. Was für mich und dich auf der Hand liegt, ist in vielen Regionen unserer Erde noch tief im Boden vergraben. Und auch hier bei uns im Erste-Welt-Land Deutschland verdienen Frauen zum Beispiel durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer. Damit landet Deutschland beim Global Gender Gap Report des World Economic Forums, der zuletzt 2017 erhoben wurde, auf Platz zwölf. Aber nicht nur der Gehaltsunterschied spielt für diese Platzierung eine Rolle. Andere Indikatoren sind Zugang zu Bildung, Gesundheit und Lebenserwartung und politische Beteiligung.

Auf den letzten Plätzen landen der Iran, Tschad, Syrien, Pakistan und Jemen. Alles Länder, in denen interne Konflikte und Kriege den Weg zur Gleichberechtigung erschwert haben. Im Jemen lässt sich zusätzlich zur Letztplatzierung feststellen, dass sich die Lage für Frauen in fast allen Analysepunkten verschlechtert hat. Kleines Beispiel: Frauen dürfen hier ihr Zuhause nicht ohne das Einverständnis ihres Ehemannes verlassen. Allein die Sterblichkeitsrate hat sich um ein Minimum verbessert.

In Island lässt es sich als Frau am Besten leben

Dagegen behält Island zum neunten Mal in Folge die Führungsposition. Seit 2006 konnten sie die beispielsweise die Lücke der Gleichstellung der Geschlechter um zehn Prozent schließen und sind damit nur noch zehn Prozent von totaler Gleichberechtigung entfernt. Was macht den Inselstaat im Norden also anders? Das Gesetz.

In diesen Punkten können wir uns noch etwas abschauen:

1. Arbeit

Führungspositionen müssen zu 40 Prozent von Frauen besetzt sein. Außerdem müssen Unternehmen mit 25 oder mehr Mitarbeitern ein Programm zur Absicherung der Gleichberechtigung einführen, das alle drei Jahre überprüft wird. In Deutschland gilt ein ähnliches Konzept erst für Unternehmen mit 500 Mitarbeitern oder mehr.

2. Bildung

Island ist das Land mit den meisten studierenden Frauen. Vielleicht, weil Gleichberechtigung von Kindheit an praktiziert wird. Artikel 23 des Gleichberechtigungsgesetzes schreibt vor, dass Gleichberechtigung Teil des Lehrplanes ist. Vom Kindergarten bis zur Uni.

3. Elternzeit

Ein Grund für die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern ist unter anderem der Fakt, dass Frauen Kinder gebären. So hart das klingt, diese biologische Tatsache lässt sich nicht ändern und führt dazu, dass Gehälter auseinanderklaffen. Bekommt eine Frau ein Kind fällt sie zumindest kurzeitig im Berufsleben aus und hat deshalb oft nicht die gleichen Aufstiegschancen wie ihre männlichen Kollegen. Von Frauen zu verlangen, keine Kinder mehr zu bekommen ist dabei natürlich nicht der richtige Ansatz, was man allerdings tun kann, ist die Elternzeit Männern so schmackhaft zu machen wie nur möglich.

Das schafft Island. Fast 97 Prozent der Väter gehen in Elternzeit, und das ist nicht überraschend: Die neun Monate Elternzeit (eine Verlängerung auf zwölf Monate ist geplant) ist unterteilt in drei für die Mutter, drei für den Vater reservierte, nicht übertragbare Monate und drei Monate, die frei aufgeteilt werden können (2013 nahmen 20% der Väter einen Teil der frei aufteilbaren Monate in Anspruch). Sie müssen also quasi in Elternzeit gehen. Dabei bleibt die Möglichkeit der Kombination. Beispielsweise kann die Elternzeit auch mit Teilzeitarbeit verbunden werden, oder eine Woche frei nehmen, die darauf folgende Woche arbeiten und dann wieder frei nehmen. Solange Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich einigen, ist fast jede Kombination machbar. Währenddessen bekommen Eltern 80 Prozent ihres Durchschnittseinkommens bezahlt, in Deutschland sind es 67 Prozent.

Gesetzlich festgelegt ist nur ein zweiwöchiger Mutterschaftsurlaub direkt nach der Geburt, einen zwingenden Mutterschutz vor der Geburt gibt es nicht. Zusätzlich hat der Vater auch ein Recht auf 14 Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub, in Deutschland ist das nur unbezahlt möglich. 

Aber auch für Island war der Weg zur annähernden Gleichberechtigung lang - und ist auch immer noch nicht beendet. Das World Economic Forum geht davon aus, dass es noch 217 Jahre dauert bis Männer und Frauen auf der ganzen Welt gleiche Gehalts- und Arbeitschancen haben.