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Riesen-Chauvi Mann antwortet auf Gillette-Werbung – das zeugt nur von seiner Hinterwäldlermentalität

Riesen-Chauvi: Mann antwortet auf Gillette-Werbung – das zeugt nur von seiner Hinterwäldlermentalität
Der Rasierklingenhersteller Gillette  hat einen Imagefilm veröffentlicht, der dem Unternehmen nun auf die Füße fällt. Der Film beginnt mit der Frage: "Ist das das Beste, was Männer sein können?“ - eine Anspielung auf den Slogan der Firma. Es folgen Szenen mit prügelnden Jungs, #Metoo-Referenzen und grapschenden Männern. Der Film schließt mit dem Aufruf, dass Männer andere Männer in die Verantwortung nehmen sollen. 
Gillette kann eine Neuerung im Markenimage brauchen. Der neue Rasierer der Procter-Gamble-Marke kam in den USA nicht so gut an und war auf einigen Plattformen Grund für Spott. Für die Kampagne gewann Gillette die Regisseurin Kim Gehring, Macherin der Sport England Kampagne "This girl can". Das Problem des neuen Werbespots: Viele der Zuschauer, die meisten Männer, fühlen sich belehrt. Unter dem Video auf Youtube machen Tausende Nutzer ihrem Ärger darüber Luft. Auf Twitter polarisiert das Video stärker. Aber auch hier gibt es Kritik am propagierten Männerbild.
"Die Leute, die die Gillette-Werbung gemacht haben, scheinen zu glauben, dass der Durchschnittsmann einfach zuschaut, wenn sich Kinder verprügeln. Haben die Gillette-Leute eigentlich je einen Mann kennengelernt?"
"An alle Männer da draußen, die vorhaben zu vergewaltigen und zu plündern. Bitte denkt daran, was euch Gillette gelehrt hat, ihr gewalttätigen, ekelhaften Schweine. Ihr könnt euch bessern. Tauscht einfach die Machete gegen einen Gelato.  Danke Gillette!"
"Da Gillette nun alle Männer zutiefst beleidigt hat - wie wäre es mit einem Boykott?"
Weniger Nutzer können dem Clip auch etwas abgewinnen.
"Es ist eine einfache und wichtige Botschaft von Gillette. Die vielen Nörgler zeigen, warum wir sie brauchen."
"Verdammt, Gillette, das habt ihr sehr gut gemacht."
Wieder andere nehmen es mit Humor:
"Ich bin heute aufgewacht und habe meinen nicht-existenten Bart rasiert. Dann habe ich mir meinen Rasierer angesehen, ein Gillette. Tränen laufen über mein Gesicht, es wird rot. Faust durch die Wand. Meine toxische Maskulinität kann nicht damit umgehen. Ich verliere den Verstand. Das ist der schlimmste Tag meines Lebens. Ich bin nun ein neuer Mann."
Einige Kunden dürfte Gillette nach diesem Clip verloren haben.
Dabei sind Themen wie Mobbing, sexuelle Gewalt und Verantwortung durchaus wichtig - für alle Geschlechter.
Die Reaktionen zeigen: Es braucht darüber einen offenen Austausch. Mit einer platten Marken-Botschaft lösen wir das nicht.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Videos wurde Kim Gehring fälschlicherweise als Regisseur bezeichnet.
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Nachdem Gillette sich in einem neuen Werbespot gegen Mansplaining, sexuelle Übergriffigkeit und toxische Maskulinität aussprach, sah Graham Allen keinen anderen Ausweg, als mit seinen Kindern und einer Menge Waffen in einem Feld zu posieren. Können wir nicht so stehenlassen.

Seit Gillette vor nicht allzu langer Zeit einen neuen Werbespot veröffentlichte, ist in den sozialen Medien eine Diskussion zum Thema "toxische Männlichkeit" hochgekocht. Während viele den Rasiererhersteller für den Clip loben, in dem Themen wie Mansplaining und sexuelle Übergriffigkeit angesprochen werden, scheint es einige Menschen – beziehungsweise, sprechen wir es einfach mal aus: Männer – zu geben, die sich davon auf die Füße getreten fühlen.

Werbung solle ihnen nicht vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben, die Werbung sei ein Beispiel für "toxischen Feminismus", und wer diesen Clip feiere, habe noch nie in seinem Leben einen Mann getroffen. Äääähhh, oder: Wer das behauptet, trägt permanent einen Sandkübel mit sich herum, um den Kopf dauerhaft darin vergraben zu können. 

Bei Facebook ist nun eine weitere "Antwort" auf den Gillette-Clip viral gegangen, die einfach so viele schlimme Dinge miteinander vereint, dass man gar nicht so richtig weiß, wo man anfangen soll. Das Bild, das Graham Allen, ein professioneller Social-Media-Pöbler mit über zwei Millionen Facebook-Abonnenten, teilt, zeigt ihn mit seinen drei Kindern. Sie stehen in einem hübschen Blumenfeld (das einem schon fast Leid tun kann, weil es für diese Zwecke missbraucht wird) und halten große Schusswaffen in der Hand. Nur der Vater und die Söhne wohlgemerkt. Darüber schreibt er: "Wir üben unsere toxische Maskulinität. Hey Gillette, seid ihr jetzt beleidigt? Ich werde meine Kinder so großziehen, wie ich es für richtig halte."

Du hast ein Problem mit der Gillette-Werbung, Graham? Ich hab ein Problem mit dir.

Und weil das Gillette-Social-Media-Team zur Zeit vermutlich ziemlich viel zu tun hat und mir schon wieder die Galle hochkocht, was wirklich ungesund für die Speiseröhre ist, antworte ich Graham kurzerhand einfach selbst:

Lieber Graham,

ich möchte dich bitten, mir einen Gefallen zu tun und dir den Clip nochmal anzuschauen. Ich warte so lange.Fertig? Sehr schön. Dann kann es ja losgehen, ich diskutiere nämlich wirklich ungern mit uninformierten Menschen. Und anders lässt sich die Tatsache, dass du original NULL verstanden hast, worum es in der Werbung geht, nicht erklären.

via GIPHY

Lass uns zunächst eine Sache klarstellen: Nein, wir sind nicht beleidigt. Wir sind wütend. Beleidigt wären wir vielleicht, wenn du uns ohne zu fragen, den Kaiserhappen vom Teller klauen würdest. Oder meinetwegen sogar, wenn du völlig grundlos unsere neue Lieblingshose beleidigen würdest. Aber die Tatsache, dass du es dir in aller Ernsthaftigkeit rausnimmst, so dämliche Fragen wie: "Wenn Abtreibung kein Mord ist, wie kommt es dann, dass der Mord an einer schwangeren Frau als Doppelmord bestraft wird?" zu stellen, ist kein Grund beleidigt zu sein, sondern ein Grund, dich ein chauvinistisches Arschloch zu nennen.

Glaubst du, deine Hinterwäldlermentalität macht dich interessant? Bist du wirklich zu dämlich, um zu merken, dass, WENN hier irgendwer beleidigt ist, nicht wir das sind? Der einzige Grund, aus dem du dir von der Gillette-Werbung auf die Füße getreten fühlst, ist doch der, dass DU das Problem bist. Ernsthaft: WHO HURT YOU? 

In einem deiner Videos sagst du, jeder Mensch, der pro legale Abtreibung ist, gehört von den eigenen Eltern geohrfeigt. Ich hab grad mal meine Mama gefragt und auch, wenn sie so ganz generell gegen das Ausüben von Gewalt ist, würde sie nur für dich eine Ausnahme machen.

Und zu guter Letzt: Bitte gewöhne dir in Zukunft an, deine Kinder nicht für deinen dumpfen, populistischen, waffenverherrlichenden, sexistischen Mist zu instrumentalisieren. Die wissen nicht, was sie da tun und sind jetzt unfreiwillig zu Gesichtern von etwas geworden, was du ganz offensichtlich einfach nicht verstanden hast. Oder nicht verstehen willst. Ist mir auch egal. Auf jeden Fall können deine zuckersüßen Kinder nichts dafür, dass sie dich als Vater bekommen haben. 

Mit wahnsinnig unfreundlichen Grüßen,

Jule.

P.S. Nur um dich zu ärgern, Graham, werde ich jetzt hier Informationen zum bundesweiten Aktionstag des Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung verlinken. Der ist nämlich am Samstag den 26. Januar 2019. Und ich und die anderen toxischen Feministen und Feministinnen werden da sein. 

P.P.S. Solltest du deine Gillette-Rasierer wegwerfen wollen, schick sie doch bitte mir. Die Dinger sind teuer.


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