HOME
Meinung

Schießerei in Jacksonville: Warum die Shooter nicht schuld sind

Computerspiele können süchtig machen. Die drei Todesopfer von Jacksonville gehen aber auf das Gewissen von Donald Trump. Nur der unkontrollierte Waffenbesitz machte diese Tat möglich - wie so oft.

Von Johannes Zimmermann

Kann zur gefährlichen Sucht werden: Wer stundenlang vor dem Computer sitzt und auch sonst nur von seinem Computerspiel redet, sollte dringend etwas ändern.

Kann zur gefährlichen Sucht werden: Wer stundenlang vor dem Computer sitzt und auch sonst nur von seinem Computerspiel redet, sollte dringend etwas ändern.

Wenn es um geht, bei denen geprügelt, geschossen und gemordet wird, ist sich die Elternschaft meist einig: "Das schadet unseren Kindern“, heißt es oft. Und fällt den Eltern zuhause das erste Spiel mit FSK18-Plakette in die Hände, gibt es zumindest eine Bemerkung dazu, eher eine Diskussion, bei der die Kinder nur die Augen verdrehen. Tatsächlich ist sich die Wissenschaft uneins, welche Auswirkungen Shooter wirklich auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen haben.

Schießerei nach Spiel-Niederlage

Was sollen wir also aus dem Vorfall in Jacksonville (Florida) lernen? Dort war ein Spieler nach einem Videospiel-Turnier offenbar so stark emotionalisiert, dass er um sich geschossen und dabei zwei Menschen getötet und elf weitere verletzt hat. Anschließend hat er auch sich selbst erschossen. Zuvor hatte der Mann das Turnier eines Football-Videospiels verloren. Ein Spiel mit viel Spannung und Emotion, fast so wie bei jedem Spiel – aber gänzlich ohne fliegende Fäuste und ohne Waffen.

Ob die Niederlage im Turnier der Auslöser für die Schüsse war, ist zwar nicht erwiesen. Der Vorfall zeigt trotzdem, dass nicht nur Ego- einen schlechten Ruf haben sollten. Computerspiele können uns süchtig machen, können uns rund um die Uhr beschäftigen, uns den Schlaf rauben und manchmal verrückt machen. Wer behauptet, es sei entspannend, zu zocken, der versteht seinen Körper falsch.

Vielleicht können Spiele uns sogar zu Mördern machen. Aber dazu braucht es keine Gewalt in den Spielen – es genügt eine angeschlagene psychische Gesundheit. Mein Appell an alle Eltern: Achtet viel mehr darauf, ob eure das Computerspiel als Spiel verstehen oder ob es sie geradezu einnimmt und rund um die Uhr beschäftigt. Das ist viel entscheidender als das Genre. Ob Ponyhof oder Ego-Shooter: Kinder müssen trennen können zwischen der Fiktion auf ihrem Bildschirm und dem wirklichen Leben.

Der moralische Absturz der Bundeswehr

Vor diesem Hintergrund ist die bereits viel diskutierte Kampagne der Bundeswehr noch angreifbarer geworden. Die Nachwuchswerbung verwischt die Grenze zwischen Realität und Fiktion ganz bewusst. Mit dem Slogan "Multiplayer at its best“ wollte die Bundeswehr auf Kuschelkurs mit den Messebesuchern der Gamescom gehen und sie für eine militärische Karriere begeistern. Die Kampagne schlug allerdings über alle moralischen Stränge. Ein Spiel, bei dem mehrere User gegeneinander spielen, mit einem realen Feldgefecht zu vergleichen ist respektlos gegenüber jedem Rekruten, der je mit scharfem Gewehr einem Menschen gegenüber getreten ist.  Und der dann nicht nur um Punkte auf seinem Spielerkonto gespielt hat, sondern seine Niederlage mit dem Leben hätte bezahlen müssen. Solche Aktionen ziehen den Ruf der Gaming-Szene in den Dreck.

Doch wer Videospiele verteufelt, wird damit nichts verändern. Um Verbrechen wie der Schießerei in vorzubeugen, brauchen die USA endlich schärfere Waffengesetze. Der Widerstand gegen Trumps Waffenpolitik hat sich in den vergangenen Monaten vielerorts gezeigt. Es wird allerhöchste Zeit, Waffen zu verbieten. Dann hätte der Schütze im Fall des Videospiel-Turniers keine Waffe gehabt. Er hätte möglicherweise einen Fernseher in seiner Wut zerschlagen, aber nicht um sich schießen und zwei Menschen töten können.

Pokemon Go Opa mit elf Smartphones