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Boateng, Hummels, Müller: Danke, ihr drei Weltmeister! Wir holen die Würdigung nach, die Löw verpasst hat

Joachim Löw wird künftig auf die Dienste von Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller verzichten. Fans diskutieren, ob der Umgang mit den drei Weltmeistern angebracht ist. Fest steht: Der deutsche Fußball hat dem Trio viel zu verdanken.

Von Joachim Löw ausgebootet: Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller

Ehemalige Wortführer: Die Ära von Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller (v. l. n. r.) im DFB-Trikot ist vorbei

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Spätestens jetzt sollten Bundestrainer Joachim Löw die Nachwirkungen der epochalen WM-Pleite des vergangenen Jahres bewusst werden: Den meisten Fußball-Fans kann er es nicht mehr recht machen. Denn viele von denen, die kürzlich noch lauthals nach jungen Spielern geschrien haben, beschweren sich jetzt über den mangelnden Stil bei der Ausbootung des Weltmeister-Trios Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller.

Dass ein Großteil der Fans mit der Art und Weise, wie Löw den verdienten Spielern seine Entscheidung mitteilte, nicht einverstanden ist, ist Beleg dafür, dass in der öffentlichen Wahrnehmung des Bundestrainers längst gilt: Wie er's macht, macht er's falsch.

Joachim Löw: Geht man so mit Weltmeistern um?

Unabhängig davon, dass es für eine solche Nachricht aus Sicht der Betroffenen nie einen guten Zeitpunkt gibt, hat er es den Spielern diesmal – im Gegensatz zu vergleichbaren Situationen in der Vergangenheit – persönlich mitgeteilt, Boateng schreibt bei Instagram gar von einem "aufrichtigen Gespräch". Trotzdem ist die Stimmung eine andere: "So geht man nicht mit Weltmeistern um!", bringt es mein stern-Kollege Finn Rütten auf den Punkt.

Boateng, Hummels und Müller würden nicht ausreichend gewürdigt, so der Tenor –und darüber zumindest kann es keine zwei Meinungen geben. Also übernehmen wir an dieser Stelle kurzerhand den Job der DFB-Oberen, erinnern uns an eine einzigartige Ära, die spätestens seit gestern endgültig vorüber ist, und bedanken uns bei drei Stützen der Weltmeistermannschaft von 2014, die jede für sich ihren Platz in der Hall of Fame des deutschen Fußballs sicher hat.

Danke, Jerome Boateng!

Sein Start im Nationaltrikot hätte kaum unglücklicher verlaufen können: Am 10. Oktober 2009 sah der damalige HSV-Profi beim entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Moskau gegen Russland (1:0) in der 69. Minute die Gelb-Rote Karte, der erste Platzverweis für einen Debütanten im DFB-Dress. Anschließend ging es für Boateng unter Löw aber vor allem aufwärts: Er verdrängte Holger Badstuber als Außenverteidiger während der WM 2010 in Südafrika und gehörte in den kommenden Jahren wechselweise außen oder als Innenverteidiger zum Stamm des Teams. Den Beweis, warum er zu den großen Spielern der deutschen Länderspielgeschichte gehört, erbrachte Boateng spätestens am 13. Juli 2014 in Rio de Janeiro: Im WM-Finale gegen Argentinien war er der beste Spieler auf dem Platz.

Danke, Mats Hummels!

Hummels debütierte im Mai 2010 gegen Malta, für die WM in Südafrika wurde er allerdings noch nicht berücksichtigt. Auch in den folgenden Jahren war sein Standing beim Bundestrainer nicht immer stabil, auch wenn er bei der EM 2012 alle fünf Partien über 90 Minuten absolvierte und zu den besten Spielern des Teams zählte. Endgültig zur Legende wurde der damalige BVB-Profi bei der WM 2014 in Brasilien, wo er nicht nur als Stammspieler mitwirkte, sondern auch im ersten Spiel gegen Portugal das 2:0 (Endstand 4:0) und im Viertelfinale den 1:0-Siegtreffer gegen Frankreich, jeweils per Kopf, erzielte.

Danke, Thomas Müller!

"Müller spielt immer", lautete die zur Phrase totzitierte Losung des früheren Bayern-Trainers Louis van Gaal. In der Nationalmannschaft galt seit Müllers Einstand im März 2010 im Freundschaftsspiel gegen Argentinien vor allem bei großen Turnieren: Wenn Müller spielt, gewinnt Deutschland immer. Nicht nur dass der junge Bayer seinerzeit sowohl 2010 als auch 2014 bei den WM-Endturnieren jeweils fünf Treffer erzielte: Es sollte auch nie etwas Gutes verheißen, wenn Müller nicht auf dem Platz stand. 2010 wurde er wegen einer Gelbsperre im WM-Halbfinale gegen Spanien (0:1) schmerzlich vermisst, 2012 setzte Löw ihn im Halbfinale gegen Italien (1:2) auf die Bank. Erst 2014 spielte Müller das komplette Turnier durch. Und Deutschland wurde Weltmeister.

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