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Louis C.K.: US-Komiker macht sich über Opfer von Amoklauf lustig – und kassiert Shitstorm

Der US-Komiker Louis C.K. hat einen Witz über die Opfer des Schulmassakers von Parkland gemacht. Viele fragen sich: Geht das zu weit? Nur muss die Frage in seinem Fall eine ganz andere sein.

US-Komiker Louis C.K.

US-Komiker Louis C.K.

Picture Alliance

Der 9. November 2017. Ein Tag, den Comedy-Star Louis C.K. wahrscheinlich nie vergessen wird. Er ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere, verkauft regelmäßig den ehrwürdigen Madison Square Garden in New York aus, seine Serie, in der er sich selbst verkörpert, wird von Kritikern gelobt und ist mit dem Emmy ausgezeichnet worden – und dann veröffentlicht die "New York Times" einen Artikel. Darin werfen ihm fünf Frauen vor, sie sexuell belästigt zu haben: Er habe seinen Penis rausgeholt und vor ihnen masturbiert.

Nur einen Tag später gesteht er in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der "Huffington Post" die Anschuldigungen. Er drückt sein Bedauern aus und zieht sich zunächst aus der Öffentlichkeit zurück: "Ich hatte in meiner langen Karriere das Glück, immer das zu sagen, was ich wollte. Nun ist es an der Zeit, sich zurückzuhalten und erst einmal zuzuhören."

Es dauert neun Monate, bis sich der Komiker erstmals wieder auf eine Bühne traut. Ohne jegliche Ankündigung tritt er Ende August im legendären New Yorker Comedy Cellar auf. Und jetzt, nur wenige Monate später, gibt es erneute Vorwürfe – nicht wegen angeblicher sexueller Belästigung, sondern wegen "victim blaming".

Us-Komiker Louis C.K. nerven die Opfer des Amoklaufs von Parkland

Es geht um einen 50-minütigen-Mitschnitt eines Auftritts, der gerade in den US-Medien wild diskutiert wird. Louis C.K. soll, so steht es zumindest auf Youtube, am 16. Dezember 2018 im Governor’s Comedy Club, einem Stand-up-Comedy-Club in New York, aufgetreten sein. Bei seinem Auftritt macht er sich über die heutige Jugend, speziell die Opfer des Schulmassakers von Parkland, lustig: "Die treten vor den Kongress. Was zur Hölle? Du bist jung. Du solltest dich ausleben – nicht im Anzug da stehen und sagen: 'Ich bin hier, um ...'  Ach, f*** dich. Du bist nicht interessant, weil du auf eine Schule gegangen bist, wo Kinder erschossen wurden. Warum muss ich dir zuhören? Du wurdest nicht erschossen. Du hast ein dickes Kind vor dich geschubst – und jetzt muss ich dir beim Reden zuhören?"

Beim Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland im US-Bundestaat Florida wurden 17 Schülerinnen und Lehrkräfte getötet und weitere 17 verletzt. Anschließend hatten einige Opfer härtere Waffengesetze gefordert. Dazu gehörte auch die junge Schülerin Aalayah Eastmond. Sie musste mitansehen, wie zwei ihrer Klassenkameraden vor ihren Augen getötet wurden. Die Schülerin überlebte nur, weil sie sich unter der Leiche ihres verstorbenen Klassenkameraden versteckte. Dementsprechend reagiert sie auch auf diesen vermeintlichen Witz: "Hey Louis CK, da Sie sich hinter verschlossenen Türen gern über mich und andere Parkland-Überlebende lustig machen, wollte ich Ihnen gerne mitteilen, dass ich gerne mit Ihnen spreche, wenn Sie es wollen. Nur bitte versuchen Sie dabei, ihr bestes Stück in der Hose zu behalten, ok?", schreibt sie bei Twitter.

Auch der Vater eines Opfers griff den Komiker bei Twitter an: "Meine Tochter wurde beim Schulmassaker von Parkland getötet. Mein Sohn rettete sich vor den Kugeln. Warum kommst du also nicht einmal zu mir nach Hause – und probierst deine neuen erbärmlichen Witze aus?"

Was darf Comedy?

Der 51-Jährige ist für seinen provokanten Humor bekannt. Genau deshalb war er über Jahre so beliebt und erfolgreich. Des Öfteren bewegte er sich in der Vergangenheit am Rande des Erlaubten, wie 2015 in einer Ausgabe der populären TV-Sendung "Saturday Night Live", als er einen Witz über Pädophile machte: "Es gibt kein schlimmeres Leben als das eines verurteilten Kinderschänders. Trotzdem gibt es Menschen, die es machen. Aber wenn wir es mal so betrachten: Es muss doch ziemlich gut sein – also aus ihrer Sicht. Ich meine, sie riskieren so viel. Das gibt ihnen einen Kick."

Bei solchen vermeintlichen Witzen stellt sich die Frage: Geht das zu weit? Möglicherweise. Es kommt darauf an, wie man künstlerische Freiheit definiert. Hört diese bei Witzen über Opfer des Schulmassakers von Parkland auf – oder gehört das dazu? Im Fall von Louis C.K. kommt aber noch eine ganz andere Frage hinzu: Darf es für Männer – und Frauen –, die einmal in einen #MeToo-Skandal verwickelt waren, eine zweite Chance in der Öffentlichkeit geben?

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Quellen: Youtube / New York Times / Huffington Post / Buzzfeed