Die Polizei in Dortmund sprach von "massiven Ausschreitungen", die Beamten in den anderen Städte berichteten ebenfalls von aggressiver Stimmung bei Teilen der Demonstranten. In Bremen, Kiel, Leipzig und andernorts kam es demnach entlang prokurdischer Aufzüge zu Konflikten und körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Passanten. Einsatzkräften mussten auch deshalb mehrmals einschreiten.
In Dortmund versammelten sich 4000 Menschen, in Stuttgart rund 2200, in Bremen schätzungsweise 1600 und in Hannover mindestens 1600. In Kiel waren es 1500. Meist gab zunächst friedliche Proteste, bevor die Stimmung bei anschließenden Demonstrationen oder während der Abwanderungsbewegung teils eskalierte. In Dortmund randalierten laut Polizei Demonstranten und beschädigten Fenster von Imbissen. Dort wurden zudem sieben Beamte durch eine Böllerexplosion verletzt.
Hintergrund der Proteste ist die angespannte Situation in Syrien. Dort begann die syrische Armee vor rund zwei Wochen, eine kurdisch dominierte Miliz namens Demokratische Kräfte Syriens aus kurdisch dominierten Gebieten zu vertreiben. Es wurden mehrfach Waffenruhen verkündet, die aber nicht hielten. Traditionell gibt es außerdem massive Spannungen zwischen Kurden und Türken. Aktuell unterstützt die türkische Regierung auch die Offensive der syrischen Armee.
In Hannover löste die Polizei nach eigenen Angaben eine Demonstration auf, nachdem sich Teilnehmer vermummt und mehrere hundert Menschen versucht hatten, eine Absperrung zu durchbrechen. Ein Polizeireiter wurde mit einer Fahnenstange angegriffen, konnte die Attacke aber abwehren. Es gab zwei Festnahmen, die Polizei wandte "körperliche Zwangsmaßnahmen" an. In Stuttgart setzte die Polizei auch Reizgas an.
In Kiel besetzten nach einem zunächst störungsfreien Versammlung etwa hundert Menschen eine Fußgängerbrücke, den Beamten zufolge durchbrachen zudem "größere Personengruppen" Absperrungen der Polizei. Vor einem Lokal kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Beobachtern. Einige Einsatzkräfte mussten sich dort zwischendurch zurückziehen, es wurde mit Möbeln geworfen. Mehrere Menschen erlitten Gesichtsverletzungen. In Kiel wurde außerdem ein Kiosk attackiert.
Die Polizei in Dortmund richtete nach den Ausschreitungen vom Abend eine Ermittlungskommission ein, die unter anderem Videoaufzeichnungen auswerten sollte. Polizeipräsident Gregor Lange bezeichnete Angriffe gewaltbereiter Demonstranten als "vollkommen inakzeptabel". Es habe sich um "einzelne Personen oder Gruppen" gehandelt, betonte er aber. Als Reaktion werde die Polizei bei zukünftigen Versammlungen nun mehr Kräfte einsetzen. Für Freitag war schon eine Demonstration angemeldet.
In Bremen gab es laut Polizei gewalttätige Auseinandersetzungen, weil sich Demonstranten von Passanten provoziert fühlten. Protestierende verfolgten vermeintliche Provokateure in den nahen Hauptbahnhof, was Einsatzkräfte "durch Absperrungen und den Einsatz unmittelbaren Zwangs" verhinderten. In der Hansestadt wie in den anderen Städten laufen jetzt Ermittlungen unter anderem wegen Landfriedensbruchs.
Auch in Trier gab es Konflikte bei einer prokurdischen Demonstration, an der rund 400 Menschen teilnahmen. Nach einem Böllerwurf auf den Aufzug griffen mehrere Demonstranten den vermeintlichen Verursacher an, der 24-jährige Syrer wurde leicht verletzt. Beamte griffen ein.
In Leipzig gab es bei einem Aufzug mit etwa 750 Teilnehmern ebenfalls Übergriffe. Die örtliche Polizei sprach von "mehreren Straftaten wie Sachbeschädigung, Körperverletzung und Landfriedensbruch" gegen Menschen, die nicht zur Demonstration gehörten. Details nannte sie nicht. Ein Polizist wurde während des Einsatzgeschehens verletzt.
Weitere Vorfälle wurden etwa aus Lüneburg und Heilbronn gemeldet. In Lüneburg kam es laut Polizei zu einem Handgemenge von Demonstranten mit einem 29-jährigen Passanten. Er erlitt leichte Kopfverletzungen. In Heilbronn gab es ebenfalls Konflikte mit Passanten, die Polizei musste einschreiten. Ein Beamter wurde bei einer Festnahme verletzt.