Die Verteidigung hatte es für „unangemessen“ erklärt, einen Termin für den Prozess festzulegen, solange Dutertes Gesundheitszustand nicht überprüft worden sei. Der frühere Staatschef sei geistig nicht mehr hinreichend in der Lage, dem Geschehen zu folgen, hatte das Verteidigungsteam argumentiert.
Es gilt als unwahrscheinlich, dass Duterte persönlich vor dem Gericht in den Niederlanden erscheinen wird. Bei seinem ersten Auftritt nach seiner Festnahme 2025 war er per Videoleitung zugeschaltet gewesen. Dabei wirkte er verwirrt und müde, seine Stimme war kaum zu hören.
Duterte ist in drei Punkten angeklagt. Die Anklage wirft ihm vor, im Rahmen des sogenannten Kriegs gegen den Drogenhandel in mindestens 76 Morde verwickelt gewesen zu sein. Die Anhörungen hatten im Februar begonnen. Duterte beteuerte seine Unschuld. Er ist der erste ehemalige Staatschef aus Asien, dem vor dem IStGH der Prozess gemacht werden soll. Die Anklage hat angekündigt, bis zu 70 Zeugen aufzurufen.
In seiner Amtszeit als Präsident hatte Duterte den Drogen den Kampf angesagt. Einsatzkräfte töteten damals tausende mutmaßliche Drogenhändler und Drogensüchtige. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen lagen gegen viele Opfer gar keine Anschuldigungen vor, insbesondere Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten wurden demnach ins Visier genommen.
Der IStGH beantragte 2021 Ermittlungen. Im März 2025 wurde Duterte in der philippinischen Hauptstadt Manila festgenommen und in die Niederlande gebracht. Die Philippinen hatten dem IStGH auf Dutertes Anweisung hin 2019 den Rücken gekehrt; das Haager Gericht entschied allerdings, dass es für die Ahndung von Verbrechen bis zum Jahr 2019 weiterhin zuständig sei.
Die katholische Kirche und zivilgesellschaftliche Gruppen in dem Land riefen derweil eine Wahrheitskommission ins Leben, um eine „glaubwürdige öffentliche Dokumentation“ des sogenannten Kriegs gegen den Drogenhandel zu erstellen. Das fünfköpfige Gremium unter Leitung eines ehemaligen IStGH-Richters werde voraussichtlich Ende Juli mit öffentlichen Anhörungen beginnen, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung.
Der Schwerpunkt solle auf der „Dokumentation von Zeugenaussagen von Überlebenden, der Empfehlung von Maßnahmen zur Rechenschaftspflicht und der Ermittlung institutioneller Reformen zur Verhinderung künftiger Gewalt“ liegen, fügte die Kommission hinzu.
„Unser Ziel ist es, die Opfer ihre Geschichte erzählen zu lassen. Unser Ziel ist es, die Wahrheit herauszufinden“, erklärte der Vorsitzende der Kommission, Raul Pangalangan, vor Journalisten.