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Mindestens 55 Tote bei Flutkatastrophe in der Türkei

Schwer betroffen ist die Provinz Kastamonu
Schwer betroffen ist die Provinz Kastamonu
© © 2021 AFP
Angesichts von Überschwemmungen im Norden und Waldbränden im Süden der Türkei reißen die negativen Nachrichten aus dem Land nicht ab.

Angesichts von Überschwemmungen im Norden und Waldbränden im Süden der Türkei reißen die negativen Nachrichten aus dem Land nicht ab. Die Zahl der Todesopfer durch die Flutkatastrophe in der Scharzmeer-Region stieg am Samstag auf 55. Beim Absturz eines russischen Löschflugzeugs bei einem Einsatz gegen einen der vielen Waldbrände an der türkischen Südküste kamen alle acht Insassen ums Leben.

Besonders schwer von der Flutkatastrophe betroffen war das Dorf Babacay in der nördlichen Provinz Sinop, wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Dort seien 40 Häuser sowie beide ins Dorf führende Brücken zerstört worden.

Die Katastrophenschutzbehörde Afad teilte mit, ihre Einsatzteams durchkämmten auf der Suche nach weiteren Opfern die Trümmer Dutzender eingestürzter Häuser an der Schwarzmeerküste. Bislang seien 55 Todesopfer gefunden und neun Verletzte ins Krankenhaus gebracht worden.

Die Überschwemmungen wurden durch starke Regenfälle in der Nacht zum Mittwoch ausgelöst, während sich die Türkei gerade erst von schweren Waldbränden im Süden des Landes erholte, durch die acht Menschen ums Leben gekommen waren. Staatschef Recep Tayyip Erdogan besuchte am Freitag die Hochwasser-Gebiete und nahm an der Beisetzung von Opfern teil.

Einige der Bewohner warfen den örtlichen Behörden vor, nicht rechtzeitig vor der Gefahr durch die heftigen Regenfälle gewarnt zu haben. Außerdem wurde Kritik an der Bebauung von flutgefährdeten Gebieten laut.

In Bozkurt in der Provinz Kastamonu stürzte ein achtstöckiges Gebäude am Ufer des Ezine-Flusses ein. Die Regierung wies Mutmaßungen zurück, das Unglück sei auf einen Staudamm an dem Fluss zurückzuführen. Medien hatten berichtet, möglicherweise sei ein Rückhaltebecken des Damms gebrochen.

In den gebirgigen Schwarzmeer-Regionen der Türkei kommt es in den Sommermonaten häufig zu heftigen Niederschlägen, die Hochwasser und Schlammlawinen auslösen. Viele Experten warnen allerdings, dass die Häufigkeit und das Ausmaß solcher Naturkatastrophen als Folge des globalen Klimawandels zunimmt.

Angesichts der jüngsten Naturkatastrophen in der Türkei wächst der Druck auf Erdogan, mehr zu unternehmen, um die klimaschädlichen Treibhausgasemission zu reduzieren. Die Türkei gehört zu den wenigen Staaten, die das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 nicht ratifiziert haben.

Auch die heftigen Waldbrände im Süden der Türkei bringen Experten mit der Erderwärmung in Zusammenhang. In der Nähe der Stadt Adana stürzte am Samstag ein russisches Löschflugzeug vom Typ Beriew-200 ab, das laut türkischem Verteidigungsministerium im Einsatz gegen einen Waldbrand in der Region Kahramanmaras war. Die fünf russischen Soldaten und drei Türken an Bord starben.

Ein türkisches Luftüberwachungsflugzeug und ein Hubschrauber wurden zur Unglücksstelle entsandt. Auf Fernsehbildern war eine große Rauchsäule über bergigem Gebiet zu sehen.

Der russische Staatschef Wladimir Putin übermittelte seinem türkischen Kollegen Erdogan seine Anteilnahme und erklärte, der "Schmerz dieses Verlustes eint uns". Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu erklärte: "Anteilnahme an unsere Nation und das russische Volk. Dieses heldenhafte Opfer wird nicht vergessen werden."

Weil es in der Türkei an Löschflugzeugen fehlt, hatte das Land andere Staaten um Hilfe bitten müssen, um die etwa hundert Waldbrände in der Region zu löschen.

AFP

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