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Nach japanischer Atom-Katastrophe EU-Gipfel einigt sich auf Akw-Stresstests in Europa


Angesichts des Atomunfalls in Japan hat sich der EU-Gipfel auf eine umfassende Untersuchung der Sicherheit der europäischen Kernkraftwerke verständigt.

Die Staaten der Europäischen Union (EU) wollen als Folge der Nuklearkatastrophe in Japan die Sicherheit ihrer Kernkraftwerke testen. Die Meiler sollen in den kommenden Monaten durch sogenannte Stresstests überprüft werden, wie EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Freitag in Brüssel ankündigte. "Das ist ein wichtiger und aus meiner Sicht notwendiger Schritt", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Europa wolle die "höchsten Standards für nukleare Sicherheit", sagte Van Rompuy. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kündigte an, die Kommission werde "klare und gemeinsame Kriterien" für die Tests aufstellen und vorschlagen, alle 143 Atomkraftwerke in der Europäischen Union zu prüfen. Die Rolle der Kommission sei es, "die Glaubwürdigkeit dieser Übung sicherzustellen". Als mögliche Szenarien für einen schweren Reaktorunfall in Europa gelten etwa Überschwemmungen, Erdbeben, schwere Stromausfälle oder Terrorangriffe und Flugzeugabstürze.

Die Europäische Union reagiert mit den Tests auf die Nuklearkatastrophe in Japan: Seit dem verheerenden Erdbeben und einem nachfolgenden Tsunami vor zwei Wochen sind in der Atomanlage Fukushima mehrere Reaktoren außer Kontrolle. Radioaktive Strahlung wurde in Lebensmitteln sowie mehreren Teilen des Landes gemessen. Doch den EU-Ländern reicht es nicht, nur die europäischen Meiler auf den Prüfstand zu stellen. Sie fordern auch Nachbarstaaten sowie die restliche Welt auf, die Sicherheit ihrer Atomanlagen in vergleichbaren Stresstests zu überprüfen.

"Die Lehre aus Japan muss sein: einheitliche Stresstests in Europa", sagte Bundeskanzlerin Merkel am Ende des zweitägigen Gipfels in Brüssel. Bei den Stresstests sollen nach ihren Worten schärfere Kriterien gelten als bei bisherigen Routineuntersuchungen auf nationaler Ebene: "Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Mit diesen Tests werde eine "neue qualitative Stufe" der Sicherheit erreicht, sagte Merkel, die als Folge der Vorfälle in Japan die von ihrer Regierung beschlossene Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke für drei Monate ausgesetzt hatte.

Die EU-Kommission soll nun die Kriterien für die Tests mit der Europäischen Atomsicherheitsregulierungsgruppe (ENSREG) festgelegen. Die Überprüfungen selbst werden von den nationalen Behörden vorgenommen, die dann ihre Ergebnisse an die Kommission melden. In einem Bericht sollen die Experten Brüssels dann die nationalen Ergebnisse bewerten, die bis zum Jahresende vorliegen sollen. Geplant ist, dass die Erkenntnisse der Überprüfungen veröffentlicht werden.

Noch stehen die Regeln für die Überprüfungen nicht fest. Ein Kommissionsvertreter sagte jedoch, die Folge könnte sein, dass Anlagen mit Mängeln vom Netz genommen werden müssten. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, dessen Land die meisten Atommeiler in Europa hat, kündigte seinerseits an, Kraftwerke zu schließen, wenn sie bei dem Test durchfielen.

AFP AFP

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