VG-Wort Pixel

PORTRÄT: Paul Ryan - der Mann für Haushaltskürzungen


Im Kongress kämpft Paul Ryan seit Jahren gegen einen ausufernden Staat, an der Seite von Mitt Romney will der Nachwuchsstar der US-Republikaner seine Mission nun ins Weiße Haus tragen.

Im Kongress kämpft Paul Ryan seit Jahren gegen einen ausufernden Staat, an der Seite von Mitt Romney will der Nachwuchsstar der US-Republikaner seine Mission nun ins Weiße Haus tragen. Der ambitionierte Abgeordnete aus dem Bundesstaat Wisconsin ist der Kopf hinter der Haushaltspolitik seiner Partei. Dem 42-jährigen Berufspolitiker wird eine große Zukunft bei den Republikanern vorausgesagt - selbst wenn es für einen Sieg gegen Präsident Barack Obama nicht reichen sollte.

Mit der Entscheidung für den fiskalpolitischen Falken Ryan hat Romney den scharfen Kontrast seiner Botschaft zur Politik Obamas unterstrichen. Der frühere Fondsmanager wirft dem Präsidenten vor, den USA einen "Sozialismus nach europäischem Vorbild" aufzwingen zu wollen.

Anders als Romney, der erst 2003 als Gouverneur von Massachusetts in der Politik eine gestaltende Rolle übernahm und seine Vergangenheit als Geschäftsmann rühmt, ist Ryan ein Geschöpf Washingtons. Mit nur 28 Jahren wurde er 1998 in das Repräsentantenhaus gewählt, zuvor hatte er bereits als Mitarbeiter im Kongress und für eine konservative Denkfabrik in Washington gearbeitet. Das Online-Magazin "Politico" schrieb, Ryans Erfahrung in der Privatwirtschaft beschränke sich weitgehend auf Schüler- und Studentenjobs als Burgerbrater bei McDonald's sowie als Fitnesstrainer.

Ryan stammt aus Janesville im Südosten von Wisconsin, noch heute lebt er dort mit seiner Frau und seinen drei Kindern. Der Sohn eines irischstämmigen Bauunternehmers wuchs in behüteten katholischen Verhältnissen auf, doch im Sommer 1986 musste er einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten: Der damals 16-Jährige fand seinen Vater tot im Bett, gestorben an einem Herzinfarkt. "Ich wurde wirklich schnell erwachsen", sagte Ryan der Zeitschrift "New Yorker".

Der Jugendliche widmete sich nach dem Tod des Vaters mit größerem Ernst der Schule. In seiner Freizeit las er die Werke der libertären Philosophin Ayn Rand sowie der Ökonomen Friedrich von Hayek und Ludwig von Mises - jene Denker, auf deren Ideen die wirtschaftsliberalen Positionen vieler Republikaner heute fußen. Den Uniabschluss machte Ryan in Wirtschaft und Politik an der Miami University im Bundestaat Ohio, dann begann sein steiler Aufstieg in Washington.

Mit Anfang 40 sei er nun "der womöglich einflussreichste Politikstratege in der republikanischen Partei", urteilte die "New York Times". Seit Jahren verficht der Chef des Haushaltsausschusses im Repräsentantenhaus die Rezepte der Republikaner gegen hohe Schulden und das maue Wirtschaftswachstum: weniger Staat, niedrigere Steuern, radikale Reformen des Sozialsystems. Neben seiner Besessenheit mit Zahlen ist Ryan im Kongress vor allem für das knallharte Fitnessprogramm bekannt, das er jeden Morgen durchzieht. Manchmal leitet er sogar ein Training für andere Abgeordnete.

Mit dem Vizekandidaten Ryan ist Romney aber auch ein Risiko eingegangen. Der Budgetplan, den der Haushaltsexperte im März durch das Repräsentantenhaus brachte, sieht Kürzungen von mehr als fünf Billionen Dollar über das kommende Jahrzehnt vor. Ryan passt in das Schreckensszenario, das Obamas Wahlkämpfer verbreiten: Unter einem Präsidenten Romney drohe sozialer Kahlschlag.

In einem langen Artikel befasste sich das Magazin der "New York Times" Mitte Oktober mit einem möglichen Vizepräsidenten Ryan. Dort wird der Abgeordnete zitiert, dass er sich vorstelle, im Weißen Haus für ein breites Aufgabenfeld in der Haushalts- und Wirtschaftspolitik zuständig zu sein. Im Kampf gegen die Staatsverschuldung könne er so etwas werden, was Vizepräsident Dick Cheney unter George W. Bush im Kampf gegen Terrorismus war. "Es ist eine Rolle, in der man seine Expertise nimmt und einen Mehrwert schafft", sagt Ryan. Sein Mehrwert sei die Erfahrung im Kongress und in den Budgetverhandlungen.

AFP AFP

Mehr zum Thema


Das könnte sie auch interessieren


Wissenscommunity


Newsticker