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Skepsis nimmt zu Namhafte Republikaner wollen Donald Trump nicht als Präsidentschaftskandidaten

Donald Trump halb versteckt hinter einer US-Flagge
Donald Trump: Eine wachsende Zahl Republikaner sprechen sich dafür aus, einen anderen Präsidentschaftskandidaten zu nominieren.
© Pete Marovich / DPA
Der Rückhalt für Donald Trump in der republikanischen Partei bröckelt. Immer mehr namhafte Republikaner sind dagegen, dass der Ex-Präsident 2024 erneut als Kandidat der Konservativen nominiert wird.

Die wegweisenden Midterms sind nur noch ein paar Tage entfernt. Schon bald danach, so erwarten es politische Beobachter:innen in Washington, werden sich die Lager für die Präsidentschaftswahl 2024 formieren. Womöglich wird auch Donald Trump dann das tun, womit er schon seit geraumer Zeit kokettiert: seine erneute Kandidatur fürs Weiße Haus verkünden. Dass die republikanische Partei den Ex-Präsidenten auch nominiert ist damit allerdings keineswegs gesagt. Im Gegenteil: Namhafte Stimmen, die sich gegen eine Nominierung Trumps aussprechen, mehren sich unter den Konservativen.

Am klarsten brachte es zuletzt Joe O'Dea auf CNN zum Ausdruck. O'Dea kandidiert bei den Midterms in Colorado und hat in dem demokratisch dominierten Bundesstaat damit gepunktet, dass er sich von Trump distanzierte. "Ich denke nicht, dass Donald Trump noch einmal kandidieren sollte", sagte er klipp und klar. "Ich werde aktiv gegen Donald Trump werben und dafür sorgen, dass wir jetzt vier oder fünf wirklich großartige Republikaner haben. Ron DeSantis, Nikki Haley, Tim Scott, sie könnten acht Jahre lang kandidieren und dienen."

Donald Trump – "es könnte jemand anderen geben"

Mit seiner Haltung ist der Mann aus Colorado alles andere als allein. Selbst Mitch McConnell, einflussreicher Strippenzieher in Washington und Minderheitsführer der Grand Old Party (GOP) im Senat, hat ein eindeutiges Bekenntnis zu Trump vermieden. Er sehe "ein dicht bevölkertes Feld" an Kandidaten für 2024 stellte er vor wenigen Wochen lediglich fest. McConnell ist bekannt dafür, sich durch ungefähre Äußerungen alle Türen offen zu halten.

Dass Liz Cheney, die als Vize-Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zum Sturm aufs Kapitol Trump für den mutmaßlichen Umsturzversuch zur Rechenschaft ziehen will, den früheren Chef im Weißen Haus nicht unterstützen würde, liegt seit geraumer Zeit offen zu Tage. Klar gegen Trump ausgesprochen haben sich inzwischen aber auch der frühere Republikaner-Sprecher im Repräsentantenhaus, Paul Ryan, Jeb Bush, der Ex-Gouverneur von Florida, und Trumps ehemaliger Vize-Präsident Mike Pence. Pence, einst unerschütterlich an der Seite Trumps, hatte sich geweigert, widerrechtlich das Wahlergebnis von 2020 zu kippen, und war von seinem früheren Chef dafür scharf angegriffen worden. Pence ließ sich unlängst mit den Worten zitieren: "Nun, es könnte jemand anderen geben, den ich mehr bevorzugen würde." Dabei konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Ryan: Bis 2024 Trumps Unwählbarkeit spürbar

Angesichts einer Vielzahl an Klagen, Ermittlungen und Untersuchungen gegen Trump glaubt Ex-Speaker Ryan, dass Trump 2024 schlicht kein guter Kandidat wäre. "Ich denke, bis dahin wird Trumps Unwählbarkeit spürbar sein", so Ryan. "Wir alle wissen, dass er verlieren wird. Oder lassen Sie es mich so sagen: Wir alle wissen, dass er das Weiße Haus mit größerer Wahrscheinlichkeit verlieren wird als jeder andere Präsidentschaftskandidat auf unserer Seite des Ganges. Warum sollten wir uns also darauf einlassen?" Tatsächlich besagten Umfrage zuletzt, dass Präsident Joe Biden, der trotz seines hohen Alters noch einmal kandidieren möchte, gute Chancen gegen Trump hätte – gegen ein anderen Kandidaten, allen voran der hoch gehandelte Ron DeSantis, dagegen kaum.

Darauf hob zuletzt auch Jeb Bush, Bruder des Ex-Präsidenten George W. Bush, bei CNN ab: Er glaube, dass es im Land eine Sehnsucht nach einer neuen, jüngeren Führungsgeneration gebe. Und er glaube, dass es ebenso eine Sehnsucht gebe nach Kandidaten, die sich mit der Gestaltung der Zukunft befassten statt sich an Missständen der Vergangenheit abzuarbeiten. Damit spielt der frühere Gouverneur darauf an, dass sich Trump immer noch mit der falschen Behauptung der gestohlenen Wahl befasse oder gar weiter gegen Hillary Clinton wettert, seine Gegenkandidatin von 2016.

Cheney hält Spaltung der GOP für möglich

"Einige Leute mögen Trump und andere mögen Trump nicht", gab unlängst der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, zu Bedenken. "Er ist die dominanteste Einzelfigur in der Partei. Das ist Fakt." Und er ist zweifellos eine maßgebliche Stimme der Republikaner – anders als seine namhaften Kritiker, die derzeit nicht in der ersten Reihe der GOP stehen. Doch Pence, Ryan und Co. finden innerhalb der Partei immer noch durchaus Gehör, heißt es. Hinzu kommt die Entwicklung in den Umfragen, in denen vor allem Ron DeSantis im Vergleich mit Trump immer besser dasteht. Laut einer Ipsos-Umfrage für den Sender ABC vom vergangenen Sonntag sehen 72 Prozent der konservativen Wähler den Gouverneur von Florida als den Mann, der den künftigen Weg der Republikaner gestalten kann und sollte. 64 Prozent trauen (auch) Trump diese Rolle zu – nur knapp vor dem Hardliner Ted Cruz aus Texas, der es auf 63 Prozent bringt.

Wie weitreichend die Folgen einer Nominierung für die republikanische Partei sein könnten, deutete Liz Cheney jetzt an. Die älteste Tochter des früheren Vize-Präsidenten Dick Cheney, die nach eigenem Bekunden "alles tun will, um Trump aus dem Weißen Haus rauszuhalten", hält eine Spaltung der Partei für denkbar. In der renommierten NBC News-Sendung "Meet the Press" sagte die 56-Jährige, entweder entferne sich die Partei von dem Punkt, an dem sie sich jetzt befinde ("ein gefährlicher und vergifteter Ort"), oder sie werde sich spalten "und es wird eine neue konservative Partei geben, die aufsteigt".

Quellen: The Hill, NBC News, Ipsos, Yahoo, CNN

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