Die Leiterin der australischen Aufsichtsbehörde für Sicherheit im Internet, Julie Inman Grant, erklärte, die genannten Onlinedienste hätten zwar einige erste Schritte unternommen. Es gebe jedoch Grund zur Annahme, "dass manche nicht genug tun, um das australische Recht einzuhalten". Mögliche Verstöße umfassten unter anderem "unzureichende Maßnahmen, um zu verhindern, dass neue Accounts für Unter-16-Jährige erstellt werden".
Ein "substantieller Anteil der australischen Kinder" scrolle immer noch durch schädliche Inhalte der Online-Plattformen. "Infolgedessen gehen wir nun zu einer Durchsetzungsstrategie über", erklärte die Leiterin der Aufsichtsbehörde. Dass sich die "mächtigen" Tech-Konzerne gegen das Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige sträuben, war laut Inman Grant zu erwarten gewesen.
Die Reform mache schließlich "20 Jahre verfestigter Social-Media-Praktiken rückgängig", erklärte Inman Grant. "Nachhaltiger, generationenübergreifender Wandel braucht Zeit, aber diese Plattformen haben die Fähigkeit, sich schon heute daran zu halten, und wir erwarten eindeutig, dass Unternehmen, die in Australien tätig sind, unsere Sicherheitsgesetze einhalten."
Die australische Kommunikationsministerin Anika Wells betonte, dass das neue Schutzgesetz mitnichten gescheitert sei. Vielmehr scheiterten die Tech-Konzerne daran, "sich an die Gesetze zu halten", und dies werde bei diesen milliardenschweren Konzernen nicht hingenommen.
Meta, der Mutterkonzern von Facebook und Instagram, erklärte, die Altersüberprüfung von Nutzern sei "eine Herausforderung für die gesamte Branche". Der Konzern investiere aber weiterhin in die Identifizierung und Löschung von Konten australischer Nutzer unter 16 Jahren.
Snapchat versicherte in einer Erklärung, sich vollständig an das Verbot gebunden zu fühlen und für dessen Umsetzung "angemessene Schritte" zu ergreifen. Bislang seien 450.000 australische Nutzerkonten gesperrt worden. Tiktok wollte sich nicht äußern, die Videoplattform Youtube ließ eine Anfrage zunächst unbeantwortet.
In Australien waren im Dezember strenge Regeln für die Nutzung von Online-Netzwerken durch Heranwachsende in Kraft getreten. Mehr als fünf Millionen Nutzerkonten von Minderjährigen wurden seitdem laut der Aufsichtsbehörde gelöscht.
Die Internet-Unternehmen sind laut dem neuen Gesetz verpflichtet zu überprüfen, dass ihre Nutzerinnen und Nutzer mindestens 16 Jahre alt sind. Bei Verstößen drohen ihnen Strafzahlungen von umgerechnet bis zu 28 Millionen Euro. Über konkrete Strafzahlungen soll allerdings erst Mitte des Jahres entschieden werden.
Die weltweit erste Einführung eines derartigen Gesetzes erregte international viel Aufmerksamkeit. Auch Länder wie Malaysia, Neuseeland oder europäische Staaten wie Frankreich prüfen nun ähnliche Einschränkungen für Heranwachsende, um sie vor einer Dauerflut aus oftmals gewaltsamen oder diskriminierenden Inhalten zu schützen. In Deutschland arbeitet derzeit eine von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eingesetzte Expertenkommission an konkreten Handlungsempfehlungen zum "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt". Die Ergebnisse sollen im Sommer vorliegen.
In Indonesien war am Wochenende ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren in Kraft getreten. Kommunikationsministerin Meutya Hafid teilte am Montagabend mit, dass sie wegen Nichteinhaltung des Gesetzes Vorladungen an Meta, Google und Threads verschicke. In einer Videobotschaft auf Instagram warf sie Google und Meta vor, "von Anfang an" gegen das Jugendschutzgesetz gewesen zu sein.
Tiktok und Roblox bezeichnete die Ministerin als Onlinedienste, die das Gesetz noch nicht vollständig umsetzten, aber Fortschritte machten. An sie würden schriftliche Warnungen versandt.
In Indonesien leben gut 284 Millionen Menschen, darunter etwa 70 Millionen Kinder unter 16 Jahren. Onlinedienste werden in dem südostasiatischen Land sehr rege genutzt, Ministerin Hafid sprach von einer "Scrolling-Zeit von sieben bis acht Stunden täglich".