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Blog der Woche: Wer ist eigentlich – Catherine Hug

Jeden zweiten Mittwoch stellen wir an dieser Stelle ab sofort in unserer Rubrik "Wer ist eigentlich" interessante Menschen vor.

Foto: Fabian Zapatka

Catherine Hug ist Bloggerin, Texterin und Mutter. Ihr Blog hyggelig schreibt sie bereits seit 2008 und schreibt über Design, Upcycling und DIY für Kinder und Erwachsene.

Dein Blog hyggelig schreibst du bereits seit 2008. Was hat dich so lange bei der Stange gehalten? Und denkst du schon an´s aufhören?
Die vielen spannenden Menschen und Dinge, die ich in den letzten 6 Jahren über Hyggelig kennen gelernt habe, empfinde ich als große Bereicherung für mein Leben. Würde ich einfach aufhören, würde mir etwas Wichtiges fehlen.

Du bist selbständige Texterin, schreibst dein Blog und bist Mutter. Kriegst du das alles unter einen Hut?
Einerseits habe ich durch meine Tochter gelernt, strukturierter und effizienter zu arbeiten und andererseits hat sie ja auch noch einen Vater, der sich in gleichem Maße um sie kümmert. Dass ich selbständig bin, bedeutet für mich ein großes Maß an Autonomie und Selbstbestimmung, die ich gerade als Mutter sehr genieße. Wenn sie mich braucht, nehme ich mir die Zeit. Und indirekt sorgt sie auch dafür, dass ich mein eigenes Gleichgewicht nicht aus den Augen verliere. Denn wenn ich gestresst bin, tut ihr das ja auch nicht gut.

Bist du zufrieden mit deinem Leben? Was würdest du anders machen, würdest du überhaupt etwas anders machen?
Ich bin für den Moment genau da, wo ich sein möchte. Nur der Tag könnte manchmal mehr Stunden haben.

Was empfiehlst du Müttern, die mit ihrem Leben nicht so ganz zufrieden sind?
Loslassen. Sich weniger vergleichen. Statt zu hadern einfach machen. Es kommt sowieso immer anders.

Wenn du mal genervt bist, wohin ziehst du dich zurück?
Das kommt darauf an…Bei dicker Luft und kleineren Trotzattacken zu Hause hilft Musik aufdrehen und zu zweit durch die Wohnung tanzen.
Gegen den Knoten im Kopf am Schreibtisch liegt meine Yogamatte bereit. Und wenn es nur ein Kopfstand zwischen zwei Texten ist.
Und wenn ich morgens schon eine Runde gelaufen bin, stehen die Chancen gut, dass ich mich gar nicht erst nerven lasse.

In deinem Blog geht es hauptsächlich um Design und Upcycling. Welche Projekte fordern dich, wie und wo findest du deine Ideen und warum bist du eigentlich nicht Innenarchitekt geworden?
Ich mag Projekte, die Sinn machen. Die mehr können, als gut auszusehen. Die Ideen kommen meist durch die Dinge selbst, also das Ausgangsmaterial. So hat mein grüner Esstisch förmlich danach geschrien, auch als Indoor-Tischtennisplatte genutzt zu werden. Und unseren alten Wohnwagen hatte in meinem Kopf bereits komplett umgebaut, tapeziert und gestrichen, kurz nachdem ich ihn im Netz entdeckt hatte.
Ich gehe immer von dem aus, was ich habe und versuche daraus, etwas Neues oder Besseres zu schaffen. Das entspricht auch meiner allgemeinen Grundeinstellung zum Leben: es ist alles schon da und man es nur richtig einsetzen – oder (in Hinsicht auf meine Projekte) umfunktionieren oder neu lackieren, damit es Sinn macht.

Warum ich nicht Innenarchitekt geworden bin? Vielleicht war das sowas wie ein Blind Spot, weil die Beschäftigung mit dem Thema Wohnen für mich immer so selbstverständlich war, das ich nicht auf die Idee gekommen bin, dass man das beruflich machen könnte? Aber ehrlich gesagt, denke ich lieber darüber was, was als Nächstes kommt und nicht, warum etwas nicht passiert ist.

Gibt es einen Bereich in deinem Leben, in dem Design überhaupt keine Rolle spielt?
Nein.

Du nähst, baust und tapezierst. Was kannst du gar nicht?
Alles eine Frage des Perfektionsanspruches. Viele Dinge können Andere deutlich besser als ich, so wie Stricken oder Tischlern. Aber mir geht es mehr um die Idee und um das „einfach mal Machen“ als um ein perfektes Ergebnis. Ich habe aber auch schon riesige Krater in Wände gebohrt, haufenweise Sägeblätter ruiniert oder total schiefe Konstruktionen oder Nähergebnisse direkt nach dem Schaffensprozess in die Tonne befördert.

Deine Tochter ist fast sieben. Bastelt sie schon ordentlich mit und bringt eigene Wünsche und Ideen mit ein?
„Wünsche“ ist sehr vorsichtig ausgedrückt! Sie malt, bastelt, knüpft, näht und probiert auch sonst mit Allem herum, was ihr zur Verfügung steht. Manchmal macht sie das komplett allein für sich und präsentiert dann hinterher stolz ihre Ergebnisse. Seit sie eine eigene Nähmaschine besitzt, kommt sie mit sehr konkreten Ideen und schon ausgewählten Stoffresten zu mir. Und dann näht sie unter Anleitung so viel wie möglich allein.

Wer entscheidet über die Inneneinrichtung im Kinderzimmer? Du, deine Tochter oder ihr beide gemeinsam?
Wir beide gemeinsam. Früher habe ich mich stärker durchgesetzt, aber eigentlich wollte sie schon immer alles selbst entscheiden. Jetzt gibt sie die grundsätzliche Richtung vor und ich mache konkrete Vorschläge was die Umsetzung anbelangt – die manchmal gnadenlos abgeschmettert werden. Das Ergebnis hat bisher aber immer uns beiden gefallen.

Was wäre, wenn deine Tochter lieber rosa Bärchen mit Glitzer im Zimmer hätte? Nehmen oder ausreden?
Das wäre eine Herausforderung. Zum Glück hat sie ein Händchen für Dinge, mit denen ich mich auch anfreunden kann oder ich wenigstens aus meiner eigenen Kindheit nachvollziehen kann. Aber wenn sie nur das und nix anderes will, würde ich versuchen, das Ganze gemeinsam mit ihr so mit einem Augenzwinkern zu gestalten, dass es trotz der rosa Bärchen und Glitzer irgendwie noch richtig gut aussieht.

Was war deine größte Designsünde?
Wahrscheinlich der wunderschöne alte Küchentisch mit Schublade, den ich im Keller meiner Eltern gefunden habe. Ich habe ihn mit 14 zu meinem Schreibtisch auserkoren und ihn bei einer „Verschönerungsaktion“ in einem schwarz-weißen Kuhfleckenmuster lackiert.

Und was ist dein absolutes Lieblingsstück (in deiner Wohnung oder generell).
Ich habe zwei: George und Hugo. George ist eine dreibeinige Stehleuchte von Tobias Grau. Sie begleitet mich schon eine ganze Weile und bekommt bei jedem Umzug eine Sonderbehandlung von mir. Außerdem ist da noch Hugo, ein Wohnwagen, Baujahr 1976, den ich vor zwei Jahren renoviert und auf Vordermann gebracht habe. Jetzt steht er in der Nähe von Berlin an einem See und dient uns als Wochenendflucht.

Welche(s) Projekt(e) steht/en auf deiner Agenda?
Wir sind vor ein paar Wochen in eine neue Wohnung gezogen und dementsprechend lang ist die Liste…
Meine Tochter wünscht sich wieder eine Schaukel im Flur, aber die Altbauwände boykottieren das. Dann liegt hier noch eine wunderschöne altmodische Blümchentapete, die an eine Wand in ihrem Zimmer soll. Für die Küche habe ich auch noch einige Pläne. Die eine oder andere Wand werde ich noch streichen, eine Bank aus Paletten oder altem Holz für den Balkon bauen und und und…

Und wen sollen wir als nächstes Interviewen?
Jemand, den ich noch nicht kenne!

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