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Eskalierter Streit: Dieser E-Mail-Verlauf zwischen Eltern ist "Gott des Gemetzels" par excellence - ein Protokoll

Zweitklässler werden von den Eltern des "Opfers" zu Mobbern stilisiert und der Streit schwappt bis zur Schulleitung hoch. Über einen E-Mail-Verkehr zwischen Eltern, der nicht wenig an den Film "Gott des Gemetzels" erinnert. Ein Protokoll.

Von Andrea Müller

Wenn Kinder sich zoffen, geht es gerne mal zwischen den Eltern noch deutlich heißer her (Symbolbild)

Wenn Kinder sich zoffen, geht es gerne mal zwischen den Eltern noch deutlich heißer her (Symbolbild)

Vor Kurzem erreichte mich eine Mail von Johanna B., Elternsprecherin und von Max aus der Klasse meines Sohnes Ben. Es ging um Ben, der angeblich ihren Sohn mobbt.


Liebe Andrea! (Ich)

liebe Evita! (Mutter von David)

lieber Tim! (Bens Vater)

Max kam gerade bitter weinend aus der Schule, weil Eure Söhne seinen Ranzen über den Zaun geworfen haben! Max hatte den Ranzen auf dem Weg nach Hause auf dem Schulhof abgestellt, weil er schnell nochmal die Kletterwand hoch wollte. Dann haben David und Ben seinen Ranzen genommen und über den Zaun geworfen. Sein Vater ist gerade mit Max unterwegs, um den Ranzen aus Nachbars Garten zu bergen..."


Will gerade loslachen, registriere ab nächster Zeile: Es gibt nichts zu lachen!


"Dies ist für uns kein Streich mehr! Wir sind eigentlich keine großen Fans von Einmischung, denn nur so können die Kinder lernen, mit umzugehen..."


...klar, das merkt man...


"Aber das können wir so nicht stehen lassen! Max ist in der Klasse aufgrund seiner Körpergröße häufig Opfer! Und was er sonst noch so erzählt, klingt auch nicht gerade nach einer Pausenhofidylle unter Zweitklässlern. Da geht es um Mutproben, die komischerweise nur Max machen muss, und absurde Tauschgeschäfte."


(Tatsächlich wollten die Jungs Bens Fußballkarten gegen Max' Roller tauschen - konnte ich knapp verhindern.)


"Dies im Hinterkopf werden wir die Lehrerinnen informieren und sie bitten, das Thema im Klassenrat zu besprechen...“

Beste Grüße

Johanna und Michael


Alleine bei "beste Grüße", in Wirklichkeit Synonym für "Sie können mich mal", bekomme ich nervösen Schluckauf. Bens Vater bittet mich, ihm das Mandat zu überlassen. Tim hält sich als Jurist für diplomatischer als mich und streitet gerne mit distinguierten Eltern. Evita (Mutter von David, dem zweiten Mobber) und ich schweigen in cc.


Liebe Johanna,

wenn es so gewesen sein sollte, tut es mir selbstverständlich leid, ich werde mit Ben darüber sprechen. Allerdings scheint mir Max auch nicht gerade ein Unschuldslamm zu sein, wovon ich mich durchaus auch schon persönlich beeindruckend überzeugen konnte! Ich werde die Diskussion mit Interesse verfolgen

Herzliche Grüße,

Tim


Frage mich, warum Tim seinen "Bätsch-Max-ist-Selber-Blöd"-Reflex noch mit herzlichen Grüßen versieht. Zynismus? Sitze als Mobber-Mutter jedoch im Beiboot des Mobber-Vaters - halte besser den Rand.


Mail von Johanna:


Hallo Tim,

danke für Deine postwendende Antwort. Wir möchten jedoch immer noch wissen, warum Ben und David gemeinsam Max' Ranzen über den Zaun geworfen haben. Diese Frage konnten die Jungs selbst bedauerlicherweise nicht beantworten. Die Unschuldslamm-Diskussion tut hier nichts zur Sache, kein Kind ist immer artig und frei von Makeln.

Wir vertrauen darauf, dass Eltern hier an unserer Schule

(es muss gesagt sein, wir sind hier in den Elbvororten, nicht in der sozialen Problemzone!) Rangeleien/Meinungsverschiedenheiten ihrer Kinder mit Augenmaß beurteilen. Für uns ist dieser Fall jetzt eingetreten.

Beste Grüße,

Johanna und Michael


(Einschub: Der Begriff "Augenmaß" wird vor Gericht häufig verwendet und heißt soviel wie: Man trifft Ermessensentscheidungen mithilfe von gesundem Menschenverstand und stellt sie in die richtige Verhältnismäßigkeit.

Die Aufforderung, mit Augenmaß zu urteilen, unterstellt der Gegenseite (also uns) fehlende Sachlichkeit. Fragt sich: Wer ist hier überhaupt noch sachlich, wo es um unsere wertvollsten Schätze geht, diese schnuckeligen, süßen, kleinen Zuckerpuppen! Tim?)


Mail von Tim:


Hallo Johanna,

Ben hat mir gegenüber die Situation wie folgt beschrieben: Max musste nach seiner und Davids Kenntnis eigentlich nach Hause und ihnen war es insofern recht, als dass sie die von Max benutzte Kletterwand selbst bespielen wollten. Als Max dann doch nicht nach Hause gegangen ist, hätten sie ihm aus Spaß angedroht, seinen Ranzen über den Zaun zu werfen, wenn er nicht ginge. Eskaliert sei es, nachdem Max sie aufgefordert hätte, dies dann halt zu tun.

So hat es sich offenbar auf diese Weise hochgeschaukelt, wobei ich Ben unmissverständlich erklärt habe, dass man so etwas nicht tut und Konflikte nicht auf diese Weise lösen kann. Er hat das auch sofort eingesehen und will sich morgen bei Max entschuldigen. Wenn er das gegenüber dem vor Ort agierenden Vater nicht erklären konnte, mag das vielleicht auch an der Ansprache des Vaters gelegen haben, die David und Ben wohl ein wenig befremdet, oder anders ausgerückt, ein wenig "Angst" eingejagt hat.

Insofern wäre es sicher hilfreich, wenn das "Augenmaßprinzip" auch bei der Täterbefragung Anwendung fände. Ich denke, damit könnte es erstmal sein Bewenden haben, stehe aber natürlich gerne für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Herzliche Grüße

Tim M.


L.O.L. Ich, einerseits froh, dass ich Täter- und nicht Opfer-Mutter bin, frage mich: Sollten wir als Mobber-Eltern nicht etwas kleinlauter sein? Ihnen offensichtlicher Recht geben? Johanna leitet ihrem Gatten Michael Tims Mail, Betreffzeile: "Tims unverfrorene Rechtfertigung" weiter. Diesmal antwortet Michael B., ein busy Immo-Hai, persönlich:


Hallo Tim,

ich habe nun heute direkt mit Ben gesprochen.

Er hat tatsächlich keinerlei Anstalten gemacht, auf eine einfache (und berechtigte) Frage, warum er und David den Schulranzen von Max über den Zaun geworfen haben, zu antworten. Nachdem seine Mutter (autsch, er meint mich, die Tätermutter) zufällig ins Gespräch eintrat, begann er, die Verantwortung für die Tat auf David abzuschieben – eine armselige Vorstellung!

Eine einfache Entschuldigung hätte in diesem Moment ja ausgereicht, aber meiner Meinung nach ist Ben weit von einer solchen Einsicht entfernt.

Ben und David haben sich in der Vergangenheit schon öfter Max als Opfer ausgesucht. Der heutige Vorfall – am ersten Tag nach den Ferien – zeigt, wie dringlich es nun ist, eine Lösung für die existenten Zustände zu finden.

Deine Email vermittelt aber nicht den Eindruck, dass Du an einer Lösung interessiert bist, im Gegenteil! Nicht einmal die Tat als solche konnte von Dir klar benannt werden.

Fakt ist: Heute ist Max (wieder einmal) Opfer von Mobbing geworden!

Die Jungs haben sich weder gestritten, noch ist eine Situation eskaliert. Nichts hat sich hochgeschaukelt. Sondern Ben und David haben Max schlicht und einfach gemobbt!

Die Relativierung / Verharmlosung des Vorfalls durch Deine Email ist furchtbar. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich Deine Unterstützung habe, das Mobbingproblem zu lösen.

Vielleicht sollten wir einmal gemeinsam mit den Lehrerinnen sprechen. In jedem Fall kann es so nicht sein Bewenden haben, auch eine einstudierte Entschuldigung am morgigen Tag kann nicht ersetzen, dass auch die Eltern des mobbenden Kindes Einsicht zeigen und unterstützend eingreifen.

Beste Grüße

Michael B.


Ups, war das eine testosterongetränkte Herausforderung zum Duell? Komm, du Unhold eines Mobbervaters, triff mich im Morgengrauen auf dem kleinen Elbhang, damit ich mein eigen Fleisch und Blut unter Einsatz meines Lebens rächen kann. Die Väter von Max und Ben, Michael B. und Tim M,  kennen sich (noch) nicht persönlich. Sie wissen auch nicht, dass ihre Söhne häufig auf dem Schulhof raufen und hinterher wieder Seite an Seite auf dem Klettergerüst hocken und Fußballkärtchen (gegen Roller...) tauschen.

Die Herausforderung nimmt Tim selbstredend an. Was Michael B. bis dato nicht wusste: Er und Tim B. sind nicht per Du.


Email von Tim: 


Sehr geehrter Herr B.,

vielen Dank für Ihre interessante Email, die mir dabei geholfen hat, die Dinge weiter ein wenig einzuordnen und Sie jedenfalls der Schriftlage nach auch einmal kennenzulernen.

Wesentlich erscheint mir über das bereits Ausgetauschte hinaus, dass es sich bei den Beteiligten um 8-jährige Kinder handelt und nicht, wie man Ihrer Tonart entnehmen könnte, um marodierende Banden, die sich ihre "Opfer" suchen. Dieses Grundverständnis lassen Ihre teils herablassenden, häufig distanzlosen und merkwürdig aufgeregten Zeilen nicht erkennen. Vielleicht war es ja auch schon ein wenig spät.

(Interpretation zwischen den Zeilen: Schluck! Und das aus meinem Boot...)

Formulierungen über Bens "armselige Vorstellung", die durch nichts gestützte Behauptung einer "einstudierten Entschuldigung", der an mich gerichtete Vorwurf einer Verharmlosung/Relativierung des Vorfalls sowie der inflationäre und nicht weiter belegte Gebrauch des Wort "Mobbings" ("wieder einmal"!) in diesem Zusammenhang lassen doch aufhorchen und machen nicht gerade Lust, den Vorfall gemeinsam aufzuarbeiten.

Insofern habe ich auch weiter erhebliche Zweifel, dass das gestrige "Gespräch" mit Ben und David in adäquater Weise von Ihnen geführt wurde.

So wie ich mir in Zukunft abwertende Äußerungen über Ben verbitte, so werde auch ich mich auch über Max, der ein schützenswertes Kind ist wie alle andern auch, nicht weiter äußern. Aber vielleicht würde es ihm auch helfen, wenn er zuhause nicht als "Opfer" stigmatisiert würde, sei es in der Klasse, in der GBS oder beim Hockey.

Vertrauen Sie ruhig darauf, dass wir den Vorfall mit Ben ausführlich besprochen haben und dass weder David noch Ben gegenüber Max schlechte Gedanken hegen oder ihm schaden wollen. Es tut Ben tatsächlich leid und es wäre schön, wenn Sie das nicht als billig abtäten. Wir sind auch gerne bereit, mit den Lehrerinnen darüber ein Gespräch zu führen. Zu diesem Zweck habe ich den Emailaustausch bereits an die Schulleitung weitergeleitet. Sie werden Verständnis dafür haben, dass wir nach der nächtlichen Email gegenwärtig kein Interesse haben, dies mit Ihrer persönlichen Beteiligung zu tun.

Sollten Sie willens sein, in einem moderaten Ton mit uns die Angelegenheit zu besprechen, sind wir - wie bereits erwähnt - dazu jederzeit bereit.

Manchmal hilft es übrigens auch, nicht sofort zu antworten, sondern der alten Bundeswehrregel folgend eine Nacht darüber zu schlafen.

Im Vertrauen darauf, dass sich alles im Positiven auflösen wird verbleibe ich

mit herzlichen Grüßen

Tim M.


Vier Tage später: Die ganze Stadt wartet auf die Fortsetzung. Aber schade, die Väter haben den Vorgang ohne weitere Eskalationen ad acta gelegt.

Sieben Tage später: Mutter eine Mitschülers fragt mich, ob sie Ben mit ihrem Sohn und Max mit in den Tierpark nehmen kann. Johanna B. (mir bis dato nur vom Sehen von Schulfesten bekannt) würde abends alle Jungs wieder zurückbringen. Klar, kann sie.

Frage mich jedoch, wie ich als Täter-Mutter der Opfer-Mutter gegenübertreten soll.

Als Johanna B. vor mir steht, sagen wir ein paarmal ach und huch und peinlich, aber was will man machen. Dann hebt die Opfer-Mutter ihre Hand zum Abklatschen, mit den Worten: "Testosteron!"

Ich, Täter-Mutter, bin extrem erleichtert.

Apropos Testosteron - unlängst kam eine Meldung von der Klassenlehrerin: Max und Ben haben während des Mathe-Unterrichts einen orangefarbenen Penis auf die Tafel gezeichnet.

Gemeinsam.

Im Video: "Exklusiver Einblick: Das geht wirklich in den geheimen Whatsapp-Chats von Schülern ab"

Themen in diesem Artikel
Dachüberstand beim Gerätehaus und Mindestabstand Grenze zum Nachbarn
Ich wohne in Baden-Württemberg und plane auf meinem Grundstück einen alten Schuppen durch ein neues Gerätehaus (kein Aufenthaltsraum, keine Feuerstätte im Gebäude!) mit den Grundmaßen 3,50 m x 2,50 m und Firsthöhe von 2,21 m zu ersetzen. Da die neue Anlage etwa 60 cm in einer Geländestufe aufgestellt wird, ist die Wand gegenüber dem Nachbarn tatsächlich nur ca. 1,6 m gegenüber der OK des Gartens hoch. Es soll eine verfahrensfreie Umsetzung in einer Grenzbebauung durchgeführt werden. Auf dem Nachbargrundstück ist eine ca. 3m hohe Thuja Hecke, die geringfügig über die Grenze herüber ragt. Nun hat das geplante Gerätehaus einen umlaufenden Dachüberstand von ca. 20 cm, sodaß die Außenmasse des Fundaments etwa 20 cm von der Grundstücksgrenze entfernt ist. Damit ist sichergestellt, dass der Dachüberstand nicht mit dem Nachbargruzdstück überlappt. Wie sieht es nun entsprechend der LBO Baden-Würtenberg mit der Regelung zum Mindestabstand gegenüber der Grenze des Nachbarn aus? Ich sehe 3 Möglichkeiten: a) es gilt als Grenzbebauung. Die überhängende Thuja-Hecke stört mich nicht. b) es müssen 50 cm Mindestabstand eingehalten werden. c) der Überstand am Gerätehaus an der Grenze zum Nachbarn muss entfernt werden, damit der Aufbau als Grenzbebauung anerkannt wird. PS: Zusammen mit der Länge der Garage des Nachbarn wird eine Grenzbebauung von 9m nicht überschritten. Mit der Bitte um eine Rückmeldung, sodaß ich meinen Plan vernünftig abschließen kann. mfg
Buchtitel gesucht. Die Rückkehr ...
Der Titel des zweiten Bandes lautet "Die Rückkehr des <xyz>" Autor ist ein irischer Schriftsteller. Es geht um einen Mönch mit einem Sprachfehler. Als das Kloster von Dämonen angegriffen wird, kann er die Abwehr-Gebete, wegen seines Sprachfehlers, nicht so deutlich sprechen, wie seine Mönchsbrüder und der Geist einer Hexe geht deshalb auf ihn über. Seine Mönchsbrüder wollen ihn, um zumindest seine Seele zu retten, nun auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Mit dem Geist der Hexe und etwas Flug-Salbe gelingt ihm aber die Flucht, auf einem Besen durch die Luft reitend. Zufällig belauscht er das Gespräch einer Frau, in die er sich verliebt hat und von der er sich ebenfalls geliebt fühlt. Dabei findet er heraus, dass sie ihn nicht als Mann liebt, sondern dass sie ihn für einen solchen Trottel hält, dass er ohne ihre mütterliche Fürsorge nicht lebenstüchtig sei und dass sie sich deshalb verantwortlich fühlt ihn mit ihrer Mutterliebe zu umsorgen. Tief verletzt hängt er seine Versuche, ein guter Mensch zu sein an den Nagel, will nun böse werden und schließt zu diesem Zweck einen Packt mit dem Teufel. Um den Packt zu besiegeln muss er ein mit Blut unterschriebenes Pergament mit dem Vertragstext verschlucken. Bei der anschließenden Überfahrt nach Frankreich wird er jedoch seekrank und kotzt sich seine Seele aus dem Leib. Dabei geht auch das Pergament mit dem Teufelspackt mit über Bord. Dadurch ist er an den Packt mit dem Teufel nicht mehr gebunden, plant aber weiterhin, mit Hilfe des Teufels ein böser Mensch zu werden. Dabei stellt er sich aber jedesmal so dusselig an, dass immer etwas Gutes dabei heraus kommt. Trotz der tiefen Verletzung durch die Frau, die er liebt, kann er sie doch nicht vergessen und schmachtet ihr auch weiterhin nach. Bei einem Hexenmeister lernt er einen Liebestrank zu brauen. Was er dann auch tut. Der Trank muss sehr lange ziehen. Während also der Trank auch während einer Abwesenheit weiter zieht, dringt eine Kuh in die Höhle ein, in der der Trank gebraut wird und säuft den Trank aus. Als der Mönch in die Höhle zurück kehrt, verliebt sich die Kuh augenblicklich in ihn und weicht ihm von da an nicht mehr von der Seite. Wie heißt der Mönch, der Held dieser Geschichte, und auch titel-gebend ist. Und wer ist der irische Autor?