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Rechtsbeistand: Keine Panik: Was tun, wenn einem während der Schwangerschaft gekündigt wird?

Während der Schwangerschaft flattert eine Kündigung ins Haus? Für viele werdende Mütter eine absolute Horrorvorstellung. Sandra Runge ist Rechtsanwältin und bei Nido die Frau für alle Fälle und erklärt, was in diesem Fall zu tun ist.

Von Sandra Runge

Schwangere Frau hält sich den Bauch

Die Schwangerschaft ist eine aufregende Zeit – aber Sorge um den Job sollte nicht dazu beitragen. 

Unsplash

Als Fachanwältin für Arbeitsrecht bin ich verpflichtet, mich jedes Jahr mindestens 15 Stunden fortzubilden. Ende letzten Jahres saß ich also mal wieder in einer dieser hoch spannenden Veranstaltungen. Freitag 8.00 bis 19.30 Uhr, Samstag 8.00 bis 13.15 Uhr. Da helfen Schokoriegel und Sinalco-Cola, die in den Pausen auf den Stehtischen bereitgestellt werden, auch nicht weiter.

Während der Pause wurde ich Zeugin eines Gesprächs zwischen zwei Anwälten. Ich hatte die beiden schon länger beobachtet. Meine Oma hätte sie als "Lackaffen" bezeichnet, meine Single-Freundin Sarah als "undateable": Der eine trug eine schleimige Sebastian-Kurz-Frisur, einen um die Schultern gelegten Kaschmirpullover und grunzte beim Lachen. Der andere glänzte mit goldener Hipsterbrille, Solariumteint und gebleachten Zähnen.

Jedenfalls sagte der eine Typ zum anderen: "O Mann, jetzt ist die auch noch schwanger. Damit ist die Kündigung, die wir letzte Woche ausgesprochen haben, für die Katz." Darauf der andere: "Anfängerfehler! Du musst den Mandanten immer erklären, dass man Frauen im gebärfähigen Alter nur befristet einstellt. Sonst wird man die nie wieder los."

Kündigung während der Schwangerschaft? Schutzklage!

Ich spülte den spontan aufkommenden Würgereiz mit einem großen Schluck lauwarmer Cola herunter und überlegte, welchen Denkzettel ich den beiden wohl verpassen könnte. Während der Referent, ein Landesarbeitsgerichtspräsident a. D., irgendwas Langweiliges zur Tarifeinheit nuschelte, begann ich ein gedankliches Beratungsgespräch mit der mir unbekannten Schwangeren, in der Hoffnung, dass es per Telepathie übertragen würde: "Also, meine Liebe, auch wenn es meganervig ist, während der Schwangerschaft zum Arbeitsgericht zu rennen – du musst jetzt Kündigungsschutzklage einreichen. Wenn du das nicht innerhalb von drei Wochen nach Zugang tust, wird die Kündigung wirksam." Mein Blick wanderte zu den Arschloch-Anwälten. Die beiden trugen sich gerade mit ihren Montblanc-Füllern in die Teilnehmerliste ein. Ich streckte mich unauffällig, um einen Blick auf die Liste zu erhaschen. Aha, letzte Seite Mitte, untereinander.

"Und falls du die Schwangerschaft deinem Arbeitgeber noch nicht mitgeteilt hast, musst du das jetzt tun, und zwar innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung", ergänzte ich. Sie: "Das kann doch alles nicht wahr sein, man darf einer Schwangeren doch nicht kündigen, oder?" Ich: "Doch. Niemand kann einen Arbeitgeber daran hindern, eine Kündigung auszusprechen. Sei froh, dass du einen unbefristeten Arbeitsvertrag hast. Es soll ja Arbeitgeber geben, die junge Frauen systematisch befristet einstellen, weil dann trotz Schwangerschaft das Arbeitsverhältnis endet. Da hilft auch keine Klage weiter." Darauf meine Schwangere: "Aber das ist Diskriminierung!" "Richtig", sagte ich, "sogar mit Anspruch auf Schadensersatz, aber wie willst du das beweisen?" Sie streichelte ihren Bauch und schüttelte den Kopf.

Eigentlich sollte es auch ein Vaterschutzgesetz

Ich setzte noch eins drauf: "Und denk mal an die Väter. Die haben überhaupt keinen Schutz, während ihr Nachwuchs im Bauch heranwächst. Eigentlich sollte es auch ein Vaterschutzgesetz geben, das Männer in dieser Lebensphase vor Kündigungen schützt."

Mein Tischnachbar reichte mir den Teilnehmerzettel und riss mich damit aus meinen Gedanken. Aha, da waren sie, die Lackaffen. Ich schrieb mir die Namen in mein Notizbuch. Die Welt ist klein und Berlin ein Dorf. Wartet nur ab, bis ich eine eurer gebärfähigen Frauen vor dem Arbeitsgericht vertrete. Dann wird euch das Kündigen, Befristen, Lachen und Grunzen schnell vergehen.

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