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USA: Nicht klug genug? Sozialamt nimmt Paar beide Kinder weg

Ein Sozialamt in den USA hat einem Elternpaar beide Söhne weggenommen. Die Begründung: Der IQ von Mutter und Vater sei zu niedrig. Dagegen setzen die beiden sich zur Wehr.

Kinder Sozialamt

Die Entscheidung, Kinder aus einer Familie zu nehmen, ist oft eine Gratwanderung

Wie weit darf staatliche Fürsorge gehen? Einer der schwierigsten Fälle für das Eingreifen von Behörden tritt ein, wenn ihren Eltern weggenommen werden - eine gravierende Maßnahme des Staates gegenüber seinem mündigen Bürger. In den meisten Fällen ist dieser Eingriff sicherlich berechtigt, weil die Lage der Kinder eindeutig katastrophal ist - doch was ist, wenn es keine Misshandlungen gibt und der Nachwuchs nicht verwahrlost. Wenn der einzige Grund, die Kinder aus der Familie zu nehmen, der IQ der Eltern ist?

Genau so ein Fall sorgt in den USA für Diskussionen. Dort kämpfen in dem kleinen Städtchen Redmond in Oregon Amy Fabbrini, 31, und ihre Lebenspartner Eric Ziegler, 38, seit fast vier Jahren um ihre beiden Söhne. Das  der Stadt hat beide Kinder kurz nach ihrer Geburt aus der Familie genommen. Der Grund ist der niedrige Intelligenzquotient der Eltern. Fabbrini verfügt über einen IQ von 72, der Vater sogar nur über 66 Punkte. Normal sind 90 bis 110. Damit gilt der Vater als leicht geistig behindert. Die Behörden behaupten, dass die beiden mit ihren beschränkten geistigen Fähigkeiten nicht in der Lage seien, sich angemessen um die Söhne zu kümmern.

Sie wusste nicht, dass sie schwanger ist

Die Geschichte begann kurz nach der Geburt des ersten Sohnes, Christopher, vor knapp vier Jahren. Die Behörden erhielten einen anonymen Hinweis, dass das Paar nicht in der Lage sei, Kinder großzuziehen. Vermutlich kam der Hinweis von Fabbrinis Vater, der bis heute an seinem Urteil festhält, dass seine Tochter nicht klug genug für für eine solche Aufgabe sei. "Meine Tochter kann das nicht", sagte er der Zeitung "The Oregionian".

Dem Sozialamt erzählte Amy Fabbrini nach der Geburt von Christopher, sie habe gar nicht gewusst habe, dass sie schwanger sei - bis die Wehen einsetzten. So steht es in einem Bericht des Sozialamtes, von dem die Nachrichtenseite Rawstory.com berichtet. Bestätigt sind die Aussagen nicht. Fabbrini, heißt es, hielt die Wehen für Nierenschmerzen. Sie hat sich auch nicht untersuchen lassen während der Schwangerschaft. Das Kind kam im damaligen Haus ihres Freundes Zieglers zur Welt, später, im Krankenhaus, stellten die Ärzte fest, dass alle gesund sind. Christopher wog über 3300 Gramm. Fabbrini hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Zwillinge, die jetzt beim Vater leben. Das Sorgerecht hat die Mutter ebenfalls verloren. 

Vater Eric Ziegler soll von der Schwangerschaft seiner Freundin ebenfalls nichts gewusst haben. Er wird in dem Bericht als "geistig zurückgeblieben" beschrieben. Er gehe keiner Arbeit nach und bekomme Unterstützung vom Sozialamt. Ziegler hatte früher einen Job als Teppichverleger, Fabbrini arbeitete in einem Supermarkt. Beide sollen angeblich einen Highschool-Abschluss haben. Fabbrini und Ziegler machten ihren Fall selbst öffentlich, indem sie die Gerichtsunterlagen an lokale Medien weitergaben.

Senator von Oregeon setzt sich für sie ein

Das Paar lebt in dem Haus ihres Vaters mit viel Platz. Im Februar dieses Jahres kam der zweite Sohn zur Welt, Hunter. Wieder nahmen die Behörden das Kind aus der Familie. Beide Kinder, Christopher und Hunter, leben jetzt in einem Heim und sollen zur Adoption freigegeben werde.

Während der zweiten Schwangerschaft hat das Paar versucht zu beweisen, dass sie gute Eltern zu sein können. "Wir haben alles getan, was das Sozialamt von uns verlangt hat", zitieren US-Medien die Mutter. Sie hätte mit ihrem Freund eine Fortbildung für Kindererziehung, gesunde Ernährung und auch einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Das Kinderzimmer sei eingerichtet gewesen. Dem Intelligenztest hätten sich beide freiwillig unterzogen - doch das Sozialamt blieb hart.  

Manche halten die beiden für Opfer strenger Behörden, die weit über das Ziel hinausschießen. Eine Tante und eine Mitarbeiterin des Sozialamtes, die die Besuche der Eltern bei ihren Kindern begleitete, unterstützen das Paar im Kampf um die Söhne. Die beiden seien sehr wohl in der Lage, sich um den Nachwuchs zu kümmern. "Die Fähigkeit, seine Kinder zu erziehen, hängt nicht vom IQ der Eltern ab", sagt auch Susan Yuan von der Universität von Vermont, wie die Welt berichtet. "Das ist ein Mythos. Auch intelligente Paare mit einem IQ von über 150 können sehr schlechte Eltern sein." Solange die Werte über 50 liegen, gebe es keine Probleme, behauptet sie. Auch die Politik hat den Fall entdeckt. Der republikanische Senator von Oregeon setzt sich für das Paar ein. 

Die Entscheidung liegt beim Gericht. In wenigen Monaten wird es ein Urteil fällen.

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