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Frust statt Lust: Wo ist der Sex? Teil 1: "Auf die Schnelle"

Am Anfang war er einfach da. Und oft. Und schön. ohhh, ja! Nach dem ersten Kind wird der schönste Spaß der Welt aber zum raren Moment - und zum Problem. Fünf Eltern sprechen gnadenlos über die Ebbe in der Kiste.

Von Julia Meyer-Hermann

Männer haben doch immer Bock. Oder? Nee, so mancher kann die Bilder vom dicken Bauch und der Geburt nicht verdrängen. 

Männer haben doch immer Bock. Oder? Nee, so mancher kann die Bilder vom dicken Bauch und der Geburt nicht verdrängen. 

Nur auf die Schnelle 

Anne, 42, Architektin, und Claus, 40, Bühnenbildner, aus Hannover sind seit sieben Jahren ein Paar und haben zwei : die fünfjährige Franziska und den zweijährigen Hanno. Die beiden hatten auch vor den Kindern abends oder nachts wenig Lust auf Sex, sondern eher morgens vor der Arbeit und am Wochenende mittags oder nachmittags. Durch die Kinder ist ihr „Sex-Zeitfenster“ verloren gegangen.


Anne: Früher fing der Tag bei uns oft mit Sex an, weißt du noch?

Claus: Klar weiß ich das noch. Es gab keinen besseren Start in den Morgen. Du siehst leicht verschlafen besonders sexy aus.

Anne: Ich vermisse das. Wir haben schon seit Ewigkeiten morgens keinen Sex mehr gehabt. Wir schlafen eigentlich überhaupt nicht mehr miteinander – zu keiner Tageszeit. Abends waren wir schon immer eher lustlos, vor allem du hast dann keinen Bock mehr. Und tagsüber sind wir inzwischen zu eingespannt. Spätestens morgens um halb sieben ist ja eines der Kinder wach und will etwas. Erinnerst du dich noch, wann das letzte Mal war?

Claus: Vielleicht vor einem Monat?

Anne: Mir fällt es wieder ein: vor etwa zwei Monaten, an dem Sonntag, an dem wir morgens zusammen schwimmen waren. Franziska war davon so platt, dass sie zusammen mit Hanno Mittagsschlaf gemacht hat.

Claus: Richtig. Und wir haben sie schlafen lassen, obwohl wir wussten, dass die Abendplanung dadurch durcheinanderkommt. Weil das einer der seltenen Momente war, in denen wir zwei in absoluter Ruhe einen Cappuccino trinken konnten. Du sahst noch ein bisschen verwuschelt vom Schwimmen aus, ich fand dich wunderschön. Und dann haben wir auf dem Küchensofa gevögelt. Ungeplant und völlig selbstverständlich.


Anne: Wir hatten schnellen Sex, weil wir ja nicht wussten, ob nicht bald eines der Kinder in die Küche getapert kommt.

Claus: Aber wir haben uns danach gut gefühlt, oder? Ich weiß, dass du nicht gekommen bist. Und du weißt, dass ich mich dann immer frage, ob dieser Zackzack-Verkehr dir überhaupt Spaß macht.

Anne: Es muss nicht immer lange dauern, und ich muss auch nicht immer kommen. Ich hatte schon nach dem ersten Kuss Lust auf dich, und ich war auch einfach angetörnt davon, dass du so scharf auf mich warst. Das bezweifle ich nämlich inzwischen ganz schön oft.

Claus: Das ist doch Blödsinn und stresst mich, ehrlich gesagt. Du tust so, als ob es nur an mir läge, dass wir kaum noch miteinander schlafen. Der Abend ist nicht meine Zeit, das stimmt. Aber das war früher nie ein Problem, weil du auch gerne Aufwachsex hattest. Und der Mittagssex am war überhaupt das Beste.

Anne: Ich bin abends eher in Kuschelstimmung, genau wie du. Aber ich würde mich vermutlich dazu aufraffen, noch mit dir zu schlafen …

Claus: „Aufraffen“ klingt ja wohl grausam in dem Zusammenhang!

Anne: Entschuldige. Aber manchmal braucht es doch eine kleine Überwindung, um aus einem bestimmten Rhythmus rauszukommen, oder? Mir reicht es einfach nicht, dass wir hastig übereinander herfallen, wenn wir tagsüber zufällig kinderfrei haben. Das passiert nämlich nur alle Jubeljahre.  

Dieser Text ist in der Ausgabe 11/2016 von Nido erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen.


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