"Softair"-Waffen Albtraum der Polizei


Für Jugendliche sind "Softair"-Waffen, täuschend echte Nachbauten scharfer Pistolen, ein faszinierendes Spielzeug. Doch Polizeistreifen brauchen starke Nerven - aus dem Spiel kann schnell tödlicher Ernst werden.

Der Albtraum vieler Polizisten ist es, im Einsatz einen Unschuldigen zu erschießen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nach Meinung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in den vergangenen Monaten dramatisch gestiegen. Täuschend echte Nachbauten scharfer Pistolen und Maschinenpistolen sind seit der Novelle des Waffenrechts selbst für Kinder frei erhältlich. Gerade für heranwachsende Jungen sind die so genannten Softair-Waffen zu Preisen ab 20 Euro ein ebenso faszinierendes wie lebensgefährliches Spielzeug.

Heikle Begegnungen zwischen Polizei und Schützen

Nach GdP-Angaben ist es bereits zu zahlreichen heiklen Begegnungen zwischen Polizeistreifen und Softair-Schützen gekommen. Mit Verve dringt Gewerkschaftschef Konrad Freiberg auf eine Änderung der Gesetzeslage. Er will nicht auf das erste Opfer warten: "Wenn der erste Jugendliche erschossen wurde, weil unsere Kolleginnen und Kollegen von einer ernsthaften Bedrohung ausgehen mussten, ist das Geschrei groß."

Fast so weit war es zum Beispiel kurz vor Weihnachten im nordhessischen Korbach, als zwei 15-Jährige mit einer MP und dem Bundeswehr-Sturmgewehr G-36 herumhantierten. Nur dem besonnenen Vorgehen eines Polizisten mit SEK-Erfahrung sei die glückliche Entwaffnung der Nachwuchs-Kämpfer zu verdanken gewesen. Nur wenige Tage später stürmte ein großes Polizei-Aufgebot in Hannover ein leer stehendes Bürogebäude, in dem fünf vermummte Jugendliche Häuserkrieg spielten.

"Wenn die Kollegen starke Nerven haben und die Leute ansprechen können, geht es wahrscheinlich glimpflich aus", sagt der Frankfurter Polizeisprecher Jürgen Linker. Ganz anders sehe die Sache aus, wenn jemand mit einer Softair-Waffe in der Nähe einer Bank hantiert, so dass die Beamten auf einen Überfall schließen müssten. Hält dann noch der Verdächtige die Waffe in die falsche Richtung, könnte es schnell krachen. In Hessens Kriminalitäts-Metropole ist bislang aber noch kein Beinahe-Unfall bekannt.

Gefährlich an den Softair-Waffen ist nicht allein ihr Aussehen, das auch manchem Bankräuber schon nützlich war. Obwohl sie mit einem deutlich schwächeren Druck als herkömmliche Luftgewehre arbeiten, können ihre Plastik-Kugeln durchaus Verletzungen hervorrufen. Im Wald beim Odenwald-Örtchen Beerfelden trug ein 18-Jähriger im Oktober 2004 eine ernste Augenverletzung davon.

"Imitate bergen tödliches Risiko"

Aus dem Spiel könne schnell bitterer Ernst werden, warnt auch die Sprecherin des Bundeskriminalamtes, Anke Spriestersbach. "Die Imitate bergen ein tödliches Risiko." Dass man die in den teureren Ausführungen sogar aus Metall gefertigten Nachbauten frei verwenden darf, liegt laut BKA an der Europäischen Spielzeugverordnung. Diese lässt eine "Schussenergie" von bis zu 0,5 Joule für waffenscheinfreies "Spielzeug" zu. Durchaus genug, um damit ein ambitioniertes Kriegsspiel auszutragen.

"Mit den Erbsenpistolen aus meiner Kindheit hat das nichts mehr zu tun", schimpft der hessische GdP-Vorsitzende Jörg Bruchmüller. "Unglaublich, dass der Gesetzgeber so etwas mitgemacht hat." Bruchmüller fordert ein kategorisches Verbot der Nachbauten. Ob es dazu kommen wird, ist gerade Thema zwischen BKA, Innenministerium und Justizministerium. Auch aus den Ländern hat die GdP nach eigenen Angaben bereits positive Rückmeldungen auf ihren Vorstoß erhalten.

Christian Ebner/DPA DPA

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