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"Weltbild"-Aufsichtsrat: Rücktritt nach Porno-Skandal

Ein schlüpfriger Skandal belastet die katholische Kirche: Der "Weltbild"-Verlag, an dem die Bistümer mitverdienen, vertreibt unter anderem erotische Literatur. Nun trat der Aufsichtsrat zurück.

Wer eine Vorliebe für erotische Literatur hat, wurde bisher beim "Weltbild"-Verlag bestens bedient. 2500 Titel sollen dort laut Branchendienst "buchreport" über das Internet bestellbar gewesen sein. Titel wie "Schlampen-Internat", "Vögelbar" oder "Sag Luder zu mir". Welches Frauenbild in diesen Büchern vermittelt wird, ist die eine Frage. Viel wichtiger jedoch: Das Augsburger Medienhaus gehört zu hundert Prozent der katholischen Kirche.

Nun hat der Medienkonzern auf den Skandal reagiert, den das Fachmagazin bereits im Oktober aufgedeckt hatte und den engagierte Katholiken schon seit mehreren Jahren anprangern. Online ist inzwischen kein Zugriff auf die Sex-Literatur mehr möglich, und nun ist auch der Aufsichtsratsvorsitzende des Verlags, Klaus Donaubauer, zurückgetreten. "Wir sind heute durch ein hochoffizielles Schreiben von dem Rücktritt informiert worden", sagte Markus Kremser, Sprecher des Bistums Augsburg, am Donnerstag. Die Diözese gehört wie andere katholische Bistümer zu den 14 Gesellschaftern des Verlagshauses. Donaubauer ist auch Finanzdirektor der Diözese.

Umsatz mit Pornos und Esoterik

Papst Benedikt XVI. hatte sich bereits Anfang November in die Porno-Diskussion eingeschaltet und die katholischen deutschen Bischöfe aufgefordert, entschiedener als bisher gegen Pornografie vorzugehen. Es sei an der Zeit, Prostitution und auch die "Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken", so der Papst. Der Heilige Stuhl werde darauf achten, "dass der notwendige Einsatz gegenüber diesen Missständen seitens der katholischen Kirche in Deutschland vielfach entschiedener und deutlicher erfolgt". In den vergangenen Wochen hatte sich der katholische "Weltbild"-Verlag noch gegen den Vorwurf zur Wehr gesetzt in seinem Internet-Sortiment mit Pornos, aber auch Gewaltverherrlichung, Esoterik und Satanismus Geld zu verdienen. Der Verlag wies dies zurück und erklärte, keine Pornografie anzubieten. Schlagzeilen wie "Katholische Kirche macht mit Pornos ein Vermögen" seien "schlichtweg unwahr und diffamierend". Der Verlag verwies zudem darauf, dass die über das Stichwort "Erotik" im Internet zu findenden Bücher im Jahr 2011 nur einen Anteil von weniger als 0,017 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt hätten.

Der Rücktritt Donaubauers dürfte nicht die einzige Folge der Diskussion um das Erotik-Angebot sein. Er könne "sicher nur als eine erste persönliche Konsequenz verstanden werden", hieß es in einer Mitteilung der Diözese Augsburg. "Auf der Sitzung des Ständigen Rates der deutschen Bischöfe Anfang nächster Woche müssen dazu weitere konkrete Schritte beraten werden, die der Komplexität der Unternehmensgruppe 'Weltbild' angemessen sind."

Das Unternehmen aus Augsburg hat zuletzt einen Jahresumsatz von rund 1,7 Milliarden Euro ausgewiesen. Im Onlinebuchhandel ist das Verlagshaus "Weltbild" die Nummer zwei nach Amazon.

kmi/DPA/AFP/DPA

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