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60 Jahre Unicef: Geschlagen, diskriminiert und getötet

Seit 60 Jahren kämpft das Kinderhilfswerk Unicef gegen Elend und Qualen, denn Kindheit ist nicht überall schön. Und so prangert die Organisation auch im neuen Jahresbericht Diskriminierung und Gewalt gegen Kinder - und Mädchen - an.

Für Millionen Mädchen und Frauen weltweit sind laut Unicef Gewalt und massive Diskriminierung bittere Realität. Als Mädchen geboren zu werden, komme in vielen Ländern Asiens und Afrikas sogar einem Todesurteil gleich. In China und Indien werden nach Schätzungen jährlich eine Million weiblicher Föten gezielt abgetrieben. Jede Minute stirbt eine Frau an Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt - mehr als eine halbe Million im Jahr. Das kritisiert Unicef in seinem Jahresbericht, der in Berlin vorgestellt werden soll, genau 60 Jahre nach Gründung des UN-Kinderhilfswerks.

Rund 14 Millionen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren bekommen pro Jahr ein Kind, viele von ihnen wurden vorher zwangsverheiratet. "Wo die Menschenrechte von Frauen mit Füßen getreten werden, leiden immer auch Kinder", betonte die UN-Organisation. "Die weibliche Hälfte der Menschheit wird bis heute in allen Regionen der Welt benachteiligt", hieß es in dem Bericht "Zur Situation der Kinder in der Welt 2007".

Die "doppelte Dividende"

Eine Stärkung der Frauen gehöre "zu den vordringlichsten Aufgaben, vor denen die Welt gegenwärtig steht", betonte Unicef Deutschland (Köln). Diese Stärkung sei eine "doppelte Dividende", da Frauen mit mehr Bildung und Unabhängigkeit sich auch für eine bessere Entwicklung von Kindern einsetzten. Tatsächlich werde ihnen aber oft bei grundlegenden Entscheidung wie Arztbesuch des Kindes oder Geburtsvorsorge jede Mitsprache verweigert.

Mehr als 115 Millionen Kinder im Grundschulalter gehen laut Kinderhilfswerk nicht zur Schule, die Chancen der Mädchen auf Bildung sind dabei schlechter als die der Jungen. Von weltweit 771 Millionen Menschen, die nicht lesen und schreiben können, sind zwei Drittel Frauen.

Weltweit leben laut Unicef zudem 130 Millionen Frauen und Mädchen mit verstümmelten Genitalien, jeden Tag kommen 8000 Opfer hinzu. Vor allem in afrikanischen Ländern, im Nahen Osten und Teilen Südostasiens werde diese grausame Tradition weiter praktiziert. Frauenhandel sei ein weltweites Geschäft.

Ehrenmorde - eine brutale Form der Gewalt

Als besonders brutale Form der Gewalt prangerte Unicef so genannte Ehrenmorde in mindestens 14 Ländern an, darunter Jordanien, Pakistan, Türkei, aber auch in Italien, Großbritannien und Schweden. In Indien würden junge Frauen bei lebendigem Leib verbrannt, in Bangladesch jährlich hunderte Frauen durch Säureattacken schwer verletzt und entstellt. Dramatisch sei zudem die Entwicklung bei der Aids- Epidemie, die immer mehr Frauen und Mädchen treffe.

Bei Unicef kämpfen 7000 Mitarbeiter und zehntausende ehrenamtliche Helfer in 160 Ländern um das Überleben, den Schutz und die Entwicklung von Kindern. Dafür hatte Unicef 1965 den Friedensnobelpreis erhalten.

DPA / DPA
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