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Schwangere starb nach Totgeburt Abtreibungsverbot: Erneut Proteste in Polen – Staatsanwaltschaft ermittelt

Abtreibungsverbot: Demonstrantin zündet Kerze an
Um gegen das Abtreibungsverbot zu protestieren, zündeten Menschen vor der PiS-Zentrale Kerzen an. Auf den Schildern steht: "Sie haben Blut an Ihren Händen".
© Krzysztof Zatycki / Picture Alliance
Die Proteste gegen das Abtreibungsverbot in Polen flammen erneut auf, nachdem am Dienstag eine Schwangere mutmaßlich an den Folgen einer nicht beendeten Schwangerschaft starb. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt nun.

In Polen haben erneut Gegnerinnen und Gegner des strengen Abtreibungsgesetzes protestiert. Auslöser war der Tod einer 37-Jährigen. Die Frau war mit Zwillingen schwanger und verstarb mutmaßlich an den Folgen einer Blutvergiftung, nachdem ein Fötus im Mutterleib verendet war. Ein Schwangerschaftsabbruch war wegen des de facto Abtreibungsverbot in Polen nicht möglich. Die Familie des Opfers klagte in einem Facebook-Post, die polnische Regierung habe "Blut an ihren Händen". stern berichtete

Zum Gedenken an Agnieszka T. legten Demonstranten in der Innenstadt von Warschau Kränze nieder und zündeten Kerzen an. Marta Lempart, Organisatorin des Protests sagte polnischen Medien: "Wieder ist ein Mensch gestorben, weil die notwendige medizinische Behandlung nicht rechtzeitig durchgeführt wurde. Wir werden weiter protestieren, damit niemand mehr in diesem Land deshalb sterben muss."

Abtreibungsverbot: Frauenstreik ruft dazu auf, Regierungsbüros zu besetzen

Die Bewegung "Ogólnopolski Strajk Kobiet", zu deutsch "Landesweiter Frauenstreik", ruft Menschen im ganzen Land dazu auf, Büros der regierenden PiS-Partei zu besetzen und Straßensperren zu errichten. 

Im Fall von Agnieszka T. hat nun auch die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Die Abteilung für medizinische Kunstfehler ermittele gegen die drei Kliniken, in denen die Schwangere behandelt worden war. 

Die Schwester von T. erhebt auf Facebook schwere Vorwürfe gegen die behandelnden Ärzte. Diese hätten sich aus Angst vor dem strengen Abtreibungsgesetz geweigert, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen, um das Leben der Mutter zu retten.

Ärzte blieben nach Tod des Fötus eine Woche lang untätig

Demnach sei T. im ersten Trimester mit Zwillingen schwanger gewesen und Ende Dezember wegen Bauschmerzen und Erbrechen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Am 23. Dezember hätten die Mediziner das Absterben eines der Föten festgestellt, ihn aber nicht entfernt. Eine Woche später verstarb auch der zweite Fötus im Mutterleib. Nach der Entfernung sei T. an einer Blutvergiftung erkrankt. Ihr gesundheitlicher Zustand habe sich seitdem stetig verschlechtert, bis sie am 25. Januar verstarb. 

Das Krankenhaus, in dem T. verstarb erklärte hierzu: "Nach dem Tod des ersten Kindes am 23. Dezember wurde eine abwartende Haltung eingenommen, um eine Chance zu haben, das zweite Kind zu retten." Dies sei trotz der Bemühungen der Ärzte aber nicht gelungen. Nach dem Absterben des zweiten Fötus habe man entschieden, die Schwangerschaft zu beenden.

Der Fall von T. ist nicht der erste seiner Art und erinnert an das Schicksal einer Frau aus Pszczyna. Die 30-Jährige Schwangere verstarb im vergangenen November ebenfalls an einer Sepsis, nachdem Ärzte darauf warteten, dass ein geschädigter Fötus im Mutterleib von alleine abstirbt. 

Quellen: FacebookWyborcza.pl, mit Material von DPA


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