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Ägypten: Ex-Geiseln litten unter 60 Grad Hitze

Die vor gut eineinhalb Wochen entführten Touristen sind aus Ägypten wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Die deutsche Gruppe landete in Berlin. In Italien berichteten die Ex-Geiseln, welche Strapazen sie ertragen mussten: Hitze und rationierte Lebensmittel, wenig Wasser.

Die nach zehntägiger Geiselhaft freigekommenen deutschen Ägypten-Touristen sind wieder in Deutschland. Die fünf deutschen Urlauber sowie eine rumänische Touristin landeten am Dienstagmorgen an Bord einer Lufthansa-Sondermaschine in Berlin und wurden dort von ihren Angehörigen empfangen. Der Leiter des Krisenstabes im Auswärtigen Amt, Staatssekretär Reinhard Silberberg, sowie Innen-Staatssekretär August Hanning und Verteidigungs-Staatssekretär Rüdiger Wolf begrüßten die Heimkehrer auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel am Fuße der Gangway.

An Bord der Sondermaschine kehrten auch Spezialkräfte der Elitepolizei GSG 9 und der Bundeswehr sowie Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes aus Ägypten zurück. Deutschland hatte die Hilfe der Spezialkräfte in der Geiselkrise angeboten, sie kamen nach Angaben der Bundesregierung aber nicht zum Einsatz.

Die deutschen Urlauber waren zusammen mit fünf Italienern, einer Rumänin und acht ägyptischen Begleitern am 19. September während einer Wüstensafari in Ägypten zwischen der Oase Dachla und der Hochebene Al-Gilf al-Kabir verschleppt und in den Sudan gebracht worden. Am Montag kamen sie im sudanesisch-ägyptischen Grenzgebiet frei und wurden nach Kairo geflogen.

Über die Umstände der Freilassung gibt es widersprüchliche Darstellungen. Nach ägyptischen Angaben gab es eine Kommandoaktion, bei der die Hälfte der Entführer getötet wurde. Nach sudanesischen Angaben und deutschen Medienberichten hatten die Entführer ihre Geiseln in der Wüste laufenlassen, als sie Anzeichen für eine gewaltsame Befreiung bemerkt hätten. Lösegeld sei nicht gezahlt worden.

Auch die fünf Italiener, die zu der entführten Gruppe gehörten, sind in ihre Heimat zurückgekehrt. In ihrer Heimatstadt Turin haben sie die Verschleppung in der Wüste als "sehr hart" bezeichnet. "Es gab einen Punkt, da dachten wir, das wäre das Ende für uns", schilderten die befreiten Geiseln. Wasser und Lebensmittel seien stets rationiert gewesen, zudem hätten die Temperaturen tagsüber bei rund 60 Grad gelegen. Eine 52-Jährige sagte: "Die Entführer haben uns nie geschlagen, aber mit uns Frauen waren sie sehr streng. Wir mussten die ganze Zeit unser Gesicht bedecken und den Blick in Richtung Boden gesenkt halten."

Die Entführer hätten die Geiseln gezwungen, sich unter den Jeeps zu verstecken. Besonders lobten die Italiener das Verhalten der ebenfalls entführten ägyptischen Reiseführer, die immer für die Touristen da gewesen seien. Die Kidnapper hätten mit der Verschleppung Lösegeld erpressen wollen, hieß es weiter.

Die schlimmsten Momente hätten die Geiseln am vergangenen Samstag und Sonntag durchlebt. Eine 70-jährige Italienerin sagte: "Es kamen keine neuen Nachrichten und da wussten wir, dass die Verhandlungen ins Stocken geraten waren. Dies ist eine Erfahrung, die ich niemandem wünsche."

AP/DPA / AP / DPA