HOME

Attentat in Marrakesch: Selbstmordanschlag erinnert an Attentate in Casablanca

Der Terroranschlag von Marrakesch erinnert an die Anschläge in Casablanca vor fast acht Jahren. Die marrokanischen Behörden gingen seitdem drastisch gegen Islamismus im Land vor.

Der Terroranschlag in der marokkanischen Stadt Marrakesch weckt Erinnerungen an den 16. Mai 2003. Damals starben bei fünf Selbstmordanschlägen in der marokkanischen Hafenstadt Casablanca mindestens 45 Menschen. Unter den Toten waren auch 12 der aus Marokko stammenden Attentäter. Die Anschläge gelten als die bislang blutigsten in der Geschichte des nordafrikanischen Königreichs. Seitdem hat es in dem Land keinen Terroranschlag mit mehr als zehn Toten gegeben.

Die meisten Opfer der Anschläge in Casablanca waren Marokkaner, es starben aber auch vier Spanier, drei Franzosen und ein Italiener. Einige der Selbstmordattentäter gehörten der in Marokko verbotenen islamistischen Gruppierung "Assirat al Moustaqim" (Der rechte Weg) an.

Nach den Anschlägen von Casablanca haben die marokkanischen Sicherheitskräfte ihren Kampf gegen den Islamismus drastisch verschärft. Mehrere Terrorzellen wurden zerschlagen, tausende Verdächtige festgenommen, hunderte verurteilt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft den marokkanischen Behörden Willkür und Folter vor.

Der Weltsicherheitsrat hat unterdessen den gestrigen Anschlag auf ein Café "aufs Schärfste" verurteilt. In einer Presseerklärung sprachen die 15 Ratsmitglieder den Angehörigen der Opfer dieser "schrecklichen Tat" ihr Mitgefühl aus. "Jede Form von Terrorismus ist kriminell und nicht zu rechtfertigen", heißt es in der in der Nacht zum Freitag in New York verbreiteten Erklärung. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich "entsetzt" von dem Anschlag.

Wie ein Sprecher mitteilte, wies Ban den Einsatz "wahlloser Gewalt gegen unschuldige Zivilisten" scharf zurück. "Kein politisches Ziel rechtfertigt solch eine abscheuliche Tat oder wird durch sie bedient", erklärte der UN-Generalsekretär. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, die Tat "darf keinesfalls dazu führen, dass der eingeleitete Reformprozess in Marokko unterminiert wird."

Bei dem Anschlag waren am Donnerstag nach Angaben der marokkanischen Behörden 14 Menschen "unterschiedlicher Nationalitäten" getötet worden. Rettungskräfte gaben die Zahl der Toten sogar mit 18 an. Unter den Todesopfern seien auch elf ausländische Besucher.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Es wird aber spekuliert, dass die Gruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI), ein nordafrikanischer Ableger des Terrornetzes von Osama bin Laden, hinter dem Blutbad stecken könnte.

Die Terroristen schlugen zur Mittagszeit zu, als das am zentralen Jamaa el-Fna-Platz gelegene Café besonders gut besucht war. Der Platz zählt zum Unesco-Weltkulturerbe und ist mit seinen Gauklern und Händlern die wichtigste Sehenswürdigkeit in der marokkanischen Wüstenstadt. Das örtliche Fernsehen berichtete, ein Selbstmordattentäter sei in die Küche des Lokals eingedrungen und habe sich neben den Gasflaschen für den Herd in die Luft gesprengt. Dies habe die Wucht der Detonation noch vergrößert.

DPA / DPA