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Australien: "Dann war die Isi weg"

Die Nachricht ging um die Welt: Eine Deutsche überlebt den Terroranschlag auf Bali und wird Tage später in Australien von einem Krokodil getötet. Jetzt sprach ihre Schwester über die Todesnacht.

Die Wasseroberfläche ist glatt wie Öl. Plötzlich ein Schlag an ihrem Schienbein, wie ein Peitschenhieb. "Und dann war die Isi weg." Valerie von Jordans Stimme bebt. Erst jetzt, Monate später, kann die 21-jährige Studentin mit dem stern über diese Nacht am Sandy Creek Billabong sprechen. Über jene warme Vollmondnacht im vergangenen Oktober in Australien, als sie mit ihrer Schwester Isabel noch einmal schwimmen war. Als Isabels blonder Schopf lautlos im dunklen Wasser verschwand.

"Was soll der Mist", schreit Valerie. Gerade haben sie in der Reisegruppe noch ihre Späße über Krokodile gemacht, sind einander von unten angeschwommen und haben sich gegenseitig unter Wasser gezogen. Panisch krault Valerie zum Ufer. Das ist jetzt nicht mehr lustig. James, einer der Freunde, leuchtet mit der Taschenlampe. Nichts von Isabel. Aber zwei glühende Augen in der Flut: ein Krokodil.

Verbrannt, erstickt, verstümmelt

"Wir sind heil", hatte Isabel zehn Tage zuvor ihren Eltern am Telefon gesagt. Das war in Kuta auf Bali, an jenem Samstag, dem 12. Oktober 2002, nachdem muslimische Terroristen eine Disco auf der heiteren Ferieninsel weggebombt hatten. Sie waren verabredet gewesen, im Sari-Club, für jenen Samstag auf jener bunt-fröhlichen Touristenmeile, wo über 200 junge Menschen verbrannten, erstickten, verstümmelt wurden.

Isabel und Valerie hatten Glück gehabt. "Hi, Girls! Scheißwellen. Sind früher als geplant von den Surfer-Stränden zurück", hatte einer der drei netten australischen Beachboys auf einen Zettel geschrieben, der im Traveler-Hotel lag. Die Mädchen aus Deutschland hatten die drei bei ihren ersten Surfversuchen in den Wellen vor Kuta Beach kennen gelernt. "Treffen wir uns doch heute schon im Sari!" Zwei Tage früher als verabredet. Es ist einer der letzten Tage, an denen Bali noch die Insel der Sorglosigkeit ist, wo das Leben in bunten Flipflops und knappen Sarongs vorübertanzt. Mondnacht, Palmen, Jungle Juice im Sari. "Es war ein supercooler Abend", sagt Valerie und schluckt.

Als die beiden Studentinnen zwei Tage später von ihrem Trip zu den Tempeln von Ubud zurückkommen, stehen Gedenkkerzen und Papierblumen, wo sie Tage vorher noch getanzt haben. Die Weltreise abbrechen? Zurück nach Deutschland? Nein.

"Australien, da gibt's keine Terroristen!"

"Australien", hat Valerie zu Isabel gesagt, die nur noch weinte. "Australien, da seid ihr sicher, da gibt's keine Terroristen!", sagten auch die Eltern am Telefon.

"Hier beginnt für uns ein neues Leben", sagt Isabel Reportern vom australischen "Sunday Telegraph", als sie um sechs Uhr morgens in Darwin landen. Es ist tropisch schwül, die Haare kleben an den Schläfen, sie sind traurig, noch immer geschockt. Aber auch glücklich, davongekommen zu sein.

"Geht bloss nicht schwimmen", warnen die Zeitungsleute, "hier gibt es tödliche Feuerquallen." Aber die Schwestern wollen nicht ans Meer. Sie gehen für ein paar Tage mit "Gondwana Adventure Tours & Expeditions" auf Trekking in den Kakadu-Nationalpark. Sie sind zu neunt in der Gruppe, Melissa und Lotte, die Holländerinnen, James, Andy, Alex, Stuart und Jeff, die Engländer, und die zwei Mädchen aus Deutschland, die im letzten Moment dazugestoßen sind.

"Wir dachten, der kennt sich aus"

"Hi, ich bin Glenn", begrüßt sie der Tour Guide. Er ist älter, 46, ein seit vielen Jahren beliebter Parkführer. "Ein richtiger Naturfreak, der am liebsten barfuß lief und uns tolle Sachen gezeigt hat", sagt Valerie, "seine Oma war eine Aborigine, wir dachten, der kennt sich aus."

Klettern am Kliff, in hochgelegene Felshöhlen kriechen, wo sie Fledermäuse aufstöbern, auf dem Grill Känguru- und Krokodilfleisch braten. "Isabel war wahnsinnig gut drauf, voller Elan, ihre Augen funkelten", sagt Valerie. Ihr ging es nicht so gut. Die Hitze, der Staub, die vielen Fliegen, jetzt hatte der Bali-Schock auch sie eingeholt.

Abends fährt Glenn die Gruppe im Jeep an den Fluss, um mit der Taschenlampe Krokodile anzustrahlen. Es sind keine da in dieser Nacht. Glenn fängt eine Wasserschlange und reicht sie reihum. Sie ist harmlos. "Ein rührendes Vieh", sagt Valerie und zeigt das Foto, "bei Isi fühlte sie sich besonders wohl." Isabel liebte Schlangen und Reptilien. "Ich möchte nicht mehr zurück nach Deutschland", sagte sie später im Zelt, "wir zwei werden einfach immer weiter reisen."

An den letzten Tag kann Valerie sich nur schlecht erinnern. Da war wohl wieder einer dieser Wasserfälle, Jim-Jim-Fall oder Twin-Fall, sie bringt alles durcheinander. Uralte Wandmalereien der Aborigines haben sie sich angeschaut. Glenn zeigt ihnen, wie man rote Ameisen ableckt, die schmecken dann süß wie Gummibärchen.

Der Abschiedsabend

Abends rasten sie beim Sandy Creek Billabong. "Keiner geht ans Wasser", warnt der Guide, "da haust ein großes altes Krokodil." Niemand traut sich in die Nähe des Ufers. Es ist der Abschiedsabend, zehn Tage nach der Bombe von Bali. James versucht sich unter Gelächter auf dem Didgeridoo, dem Instrument der Aborigines. Da hat Glenn eine Überraschung bereit: "Ich bringe euch flussaufwärts zum Baden, da sind garantiert keine Salzwasserkrokodile." Höchstens mal ein "freshy", ein harmloses Süßwasserkrokodil. Die Gruppe klettert auf den Landcruiser, hält sich am Gestänge fest und kreischt ihr "Jippihee" bei jedem Schlagloch. Der Badeplatz liegt nur zehn Minuten vom Camp entfernt, es ist Vollmond, alle sind verschwitzt vom Tag. "Zehn- mal, nein, hundertmal haben wir ihn gefragt, ob es sicher sei", sagt Valerie. Glenn sei fast schon beleidigt gewesen.

"Wir sind alle in den Fluss gesprungen, auch Glenn. Wir haben da herumgejuxt und Krokodil gespielt." Croc-Croc-Crocodile Rock! Das Leben ist schön. Alle sitzen wieder fröhlich am Ufer. Und Glenn? Der war gerade weg. Hat den Landcruiser gestartet, um eine zweite Gruppe vom Camp zum Baden zu holen. Da geht Isabel wieder in den Fluss, noch mal abkühlen bei der tropischen Hitze.

Die Ranger suchen die ganze Nacht, während Valerie bibbernd zu Lotte und Melissa ins Zelt kriecht. Sie reden, weinen, bis sie völlig erschöpft sind. Irgendwann kehren die Engländer, die bei der Suche halfen, still zurück. Jetzt schlafen? Valerie hört jeden Vogel in den Ästen, jede Eidechse im Sand. Die Minuten vergehen nicht, ihr Puls rast, der Kopf schmerzt. "Scheiße, Scheiße, wie soll ich das Mama und Papa sagen?"

Lissy und Christian von Jordan sitzen gefasst im Wohnzimmer auf Gut Deixlfurt am Starnberger See bei Tutzing, seit 1945 Stammsitz der Jordans, wo die Töchter früher über die Wiesen liefen und in den Seen schwammen. Draußen im Hof lugt Tschador aus der Stalltür, der 21-jährige Araber, mit dem Isabel im Jagdgalopp über die Felder preschte. Als sie in München Innenarchitektur studierte, hat sie hier gewohnt, und nun liegt sie hier auf dem kleinen Friedhof begraben. Auf dem Wohnzimmertisch stehen Bilder in Silberrahmen, Isabel zu Pferde, Isabel in Spanien, Isabel im Kakadu-Park.

Isabels Leiche war heil und unversehrt

"Ach, man denkt natürlich an das Märchen vom Drachen und dem Mädchen", sagt Lissy von Jordan leise. "Nein", sagt ihr Mann mit beinahe fester Stimme, "das Viech hat unsere Tochter nicht gefressen, wie die "Bild"-Zeitung schrieb. Es hat sie nicht zerfleischt, sondern unter Wasser gezogen und ertränkt." Es sei nur ein Detail, aber ihm wichtig: Isabels Leiche war heil und unversehrt. Das Krokodil trug sie noch im Maul, als die australischen Ranger es am nächsten Morgen zwei Kilometer flussabwärts erlegten. Diese Reptilien, sagen Zoologen, lagern ihre Beute tagelang ab, bevor sie sie fressen.

Die Verbotsschilder am Fluss? "Da baden doch alle", sagt Christian von Jordan, der in der Versicherungsbranche arbeitet, "250 000 Touristen kommen jedes Jahr in den Park, nie ist etwas passiert." Der letzte Zwischenfall ereignete sich 1987.

<zwitii>Der unglückselige Guide

Tropische Hitze, Schweiß und Staub, keine Duschen auf den primitiven Campingplätzen, da werde aus Lässigkeit schnell Fahrlässigkeit. "Vor allem, wenn der Führer hundertmal versichert, dass dort auch die Aborigines baden", sagt Christian von Jordan bitter. Glenn Robless, der unglückselige Guide, ist inzwischen wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Isabels Mutter bekommt feuchte Augen. "Nein, wir hassen ihn nicht", sagt ihr Mann, "er ist ein armer Kerl." Schwer lässt er seine Hand auf die Cordhose sinken.

"Unsere Eltern haben immer tolle Reisen mit uns gemacht", sagt Valerie, "Venezuela, Thailand, Laos und Burma, wo mein Onkel lebt, Tansania mit Sansibar." Beide sprechen fließend Englisch und Spanisch und gut Französisch, schließlich leben die Jordans seit 14 Jahren in Barcelona, auch wenn sie immer wieder nach Tutzing zurückkehren. Ihr Abitur machten die Schwestern in Barcelona, wo ihre Mutter im Kindergarten arbeitet. Dort erreichte sie auch das Auswärtige Amt mit der Todesnachricht.

Die Eltern hatten Isabel den Asien-Trip zum Examen spendiert. Valerie, die Volkswirtschaft studiert, nahm die Sache wie immer in die Hand, während Isabel, die Künstlernatur, panisch fürs Examen lernte und - wie so oft - durchhing. "Manchmal habe ich sie einfach nicht verstanden", sagt Valerie, "sie sprühte vor Lebenslust, sah toll aus, ritt toll, tanzte toll - und hat sich immer unter Druck gesetzt."

Globetrotter mit kleinem Budget

Als Globetrotter mit kleinem Budget und dem "Lonely Planet"-Reiseführer unterm Arm waren die Schwestern ein tolles Team. Vietnam, ein spontaner Kambodscha-Abstecher nach Angkor Wat. Dort schrieb Valerie ihren Eltern aus dem Travel-Cafe eine bittende, bezaubernde E-Mail: Dass sie unbedingt noch weiter ziehen wollten, Malaysia, Singapur, Bali, vielleicht Australien. Ein, zwei, vier Monate. Weihnachten sind wir wieder zu Hause!

"Eins kann ich dir versichern", sagt der Ranger zu Valerie, "deine Schwester war sofort tot, allein der Adrenalinschock!" Ob sie Isabel identifizieren könne? Sie schafft es nicht. Melissa und Andy machen das. James, Polizist in London, hilft beim Protokoll mit den australischen Kollegen. Das Allerschlimmste, den Anruf bei den Eltern, nimmt ihr der deutsche Honorarkonsul in Darwin, Harry Maschke, ab. Er will auch ihren Heimflug organisieren, sie stehe ja total unter Schock. Valerie weigert sich. Sie fühlt sich nur in ihrer Reisegruppe geborgen, will sich an den anderen festhalten, mit ihnen weiter reisen bis ans Ende der Welt.

Sie kann es sich nicht erklären. Aber es ist, als ob in der Gruppe Isabels Tod gut aufgehoben wäre. Wie Kameraden, die immer wieder die Erinnerung an den gefallenen Freund beschwören, um die eigene Angst zu übertönen. Zwei Tage später begleiten der Konsul und der Rest der Gruppe Valerie dann doch zum Flughafen. Ein erschöpftes Mädchen, das mit zwei Riesenrucksäcken verloren am Check-in steht. Ein letztes Gruppenfoto.

Nachts kommen die Albträume

Valerie sitzt in ihrer Studentenbude, schiebt die Mathe-Arbeitshefte zur Seite. Wie soll sie Klausuren schreiben, nach all dem? Es kam nie ein Vorwurf von den Eltern. Aber nachts kommen die Albträume. Von Krokodilen, die in der Tiefe lauern. "Warum bin ausgerechnet ich übrig geblieben?", fragt sie sich oft. Dann sieht sie ihre Schwester vor sich. Wie sie sich nach dem Attentat auf Bali weinend in die Arme fielen. "Mensch, Val, ohne dich wäre ich jetzt am Ende, das könnte ich nicht überleben", schluchzte Isabel. Vielleicht ist es ihr, der kleinen Schwester, auferlegt weiterzuleben, weil sie immer die Stärkere, die Tapfere war? "Ich muss wieder nach Australien", sagt Valerie plötzlich. Sie weiß, es ist verrückt, "aber ich bin es ihr schuldig, unsere Reise zu Ende zu bringen".

Swantje Strieder / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(