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Bei der Doktorarbeit geschummelt? Guttenbergs bestreitet Plagiatsvorwürfe


Verteidigungsminister Guttenberg hat nach mehreren Bundeswehr-Affären ein neues Problem: Er soll bei seiner Doktorarbeit ganze Passagen abgeschrieben haben. Guttenberg nannte die Vorwürfe "abstrus".

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat sich gegen den Vorwurf gewehrt, bei seiner Doktorarbeit geschummelt und fremde Texte ohne Hinweis auf die Quelle verwendet zu haben. Er wies am Mittwoch den von zwei Juristen erhobenen Plagiatsvorwurf als "abstrus" zurück. Die Universität Bayreuth begann am Mittwoch mit der Prüfung der Vorwürfe, die schlimmstenfalls zur Aberkennung des Doktortitels führen könnte.

Guttenberg erhielt im Jahr 2007 für seine juristische Dissertation die Bestnote "summa cum laude". Der Bremer Jura-Professor Andreas Fischer-Lescano stellte nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" bei einer Überprüfung des Textes allerdings fest, dass Guttenberg in der 475 Seiten starken Schrift mehrmals andere Autoren - darunter Journalisten und Wissenschaftler - zitierte, ohne dies zu kennzeichnen.

Die Zahl der gefundenen Passagen reiche, um von einem "Plagiat" zu sprechen, sagte Fischer-Lescano der "SZ". Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, Guttenberg habe auch die Einleitung seiner Dissertation aus einem "FAZ"-Artikel abgeschrieben, ohne dies entsprechend zu kennzeichnen.

Der mit Fischer-Lescano zusammenarbeitende Frankfurter Jurist Felix Hanschmann sagte nach einer Überprüfung des Texts: "Es gibt eine Vielzahl von Fremdautoren, die er nicht kenntlich gemacht hat, teilweise erstrecken sich die Plagiate über mehr als eine Seite. Außerdem sind an mehreren Stellen wörtliche Zitate nicht belegt." Die Universität Bayreuth sei in einem Brief über die Vorwürfe informiert worden, es sei angeregt worden, diese zu prüfen.

Der Dekan der Bayreuther Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Professor Markus Möstl, erklärte: "Wir prüfen jetzt, ob dieser Vorwurf berechtigt ist". Das Verfahren der Dissertation Guttenbergs sei korrekt verlaufen, auch seien renommierte Gutachter daran beteiligt gewesen. Die Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft sollte in einer turnusmäßigen Sitzung am Mittwoch über die inhaltlichen Vorwürfe sprechen.

Wie Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, sieht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Aufklärung an der Universität in den richtigen Händen. Nun müsse das Ergebnis abgewartet werden.

Alleine die Bayreuther Universität kann Schritte gegen Guttenberg einleiten, diese können bis hin zur Aberkennung des Doktortitels gehen. Hanschmann sagte zu den Vorwürfen: "Das kann man nicht mehr als bloße Unachtsamkeit qualifizieren. Das ist vergleichbar mit anderen Fällen, die vor Gericht entschieden wurden und in denen der Doktortitel aberkannt wurde."

Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle wies in der "Bild"-Zeitung (Donnerstagsausgabe) die Vorwürfe zurück. "Die Arbeit ist kein Plagiat. Sie wurde von mir in zahlreichen Beratungsgesprächen eingehend kontrolliert." Guttenberg selbst erklärte, "der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus." Er sei aber gerne bereit zu prüfen, "ob bei über 1200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten"; er würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen.

Fischer-Lescano, der die Vorwürfe erhob, zählt zum linken juristischen Spektrum. Er gehört ebenso wie die hessische SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti und die Linken-Politikerin Katja Kipping zu den Gründungsmitgliedern des "Instituts Solidarische Moderne".

AFP/DPA DPA

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