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Bakterien im Wasser Ausnahmezustand in Bibertal: Wie ein Dorf seit Tagen ohne Leitungswasser auskommt

Wasser tropft aus einem Wasserhahn
Den Menschen in Bibertal geht das Wasser aus (Symbolbild)
© igorwheeler / Getty Images
Die Corona-Schutzmaßnahmen sind nicht die einzigen Einschränkungen, die die Bewohner von Bibertal derzeit ertragen müssen. In zwei Ortsteilen darf das Wasser aus dem Hahn seit Tagen nicht mehr genutzt werden. Wie geht eine Bevölkerung damit um?

Östlich von Ulm fließt ein kleiner Fluss namens Biber. Läuft man flussabwärts so erreicht man irgendwann die kleine schwäbische Gemeinde Bibertal. Trotz der Nähe zum Fluss haben zwei Ortsteile seit Tagen kein Wasser mehr. In Kissendorf und Silheim gibt es seit fast einer Woche für die 650 Haushalte und 1600 Einwohner:Innen kein normales Dorfleben mehr, denn sie dürfen ihr Wasser aus dem Hahn nicht mehr trinken – ja sich noch nicht einmal damit waschen. Der Grund: Das Wasser enthält bakterielle Erreger.

Bis die Ursache der Verschmutzung gefunden ist, könnte es noch einige Tage dauern. Der anfängliche Verdacht, der unangenehme Geruch des Wasser könnte von einer Verunreinigung mit einem chemischen Stoff kommen – zum Beispiel Eisen oder Mangan – bestätigte sich bei einer Wasseranalyse nicht. Nach Angaben von Bürgermeister Roman Gepperth wurden Enterokokken und Pseudonomas nachgewiesen. Beide Bakterienarten können gerade bei Menschen mit einer Immunschwäche zu einer Lungenentzündung oder Herzerkrankungen führen.

Not macht erfinderisch

Derzeit gibt es nur wenig Wasserquellen in Bibertal, die nicht an die verseuchte Dorfleitung angeschlossen sind. Eine von ihnen liegt im Sportheim des FC Silheim, das von dem nahegelegenen Pumpwerk in Pfaffenhofen versorgt wird. Anstatt duschender Sportler fahren nun alle fünf Minuten Einwohner vor, die ihre Kanister und Flaschen befüllen.

Vor einer Mehrzweckhalle in Bibertal laden zugleich Angestellte der Feuerwehr Sprudelkisten in die Kofferräume einer langen Autoschlange. "Wir kalkulieren mit zwei Litern täglich pro Person", sagt der Bürgermeister. Er versucht das Leben der Bürger in diesen Tagen so erträglich wie möglich zu machen.

In einem ehemaligen Asylcontainer können die Menschen derzeit ihre Wäsche waschen, eine nahegelegene Tankstelle verfügt über einen sauberen Wasseranschluss zum Duschen.

Die Menschen in Bibertal zeigen Solidarität

Während des Notstandes lässt sich in Bibertal beobachten, mit wieviel Solidarität die Nachbarn einander begegnen und sich helfen. Hotels, Brauereien und Geschäfte helfen den Bewohner:Innen derzeit, wo immer es ginge. Es herrscht eine starke gegenseitige Hilfsbereitschaft. Bleibt dieses Wir-Gefühl in Biberbach am Ende, so könnte die Gemeinde sogar an dem aktuellen Notstand profitieren.

Beamter trinkt bei Sitzung Desinfektionsmittel

 Sehen Sie in diesem Video: Während einer Budgetsitzung der Stadt Mumbai in Indien hat sich ein hoher Beamter einen etwas Patzer erlaubt. Ramesh Pawar wollte eigentlich einen Schluck aus einer Wasserflasche nehmen, griff aber zum Desinfektionsmittel.


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