HOME

"Jeder hat eine Bikinifigur": Eiweiß-Shake-Werbung sorgt für Shitstorm

Mit einer dünnen Frau im Bikini wirbt Protein World für Abnehm-Shakes. Das Plakat trägt die Zeile: "Hast du schon eine Strandfigur?". Purer Sexismus, finden viele - und treten eine Protestlawine los.

Mit diesem Werbeplakat sorgte der Eiweiß-Hersteller für Trubel in Londons U-Bahnen.

Mit diesem Werbeplakat sorgte der Eiweiß-Hersteller für Trubel in Londons U-Bahnen.

Ein Werbeplakat in Londons Untergrund sorgt dieser Tage für Furore: Zu sehen ist eine blonde Frau im grellgelben Bikini. Schlank, durchtrainiert, lassziv. Darüber prangt die Frage "Hast du schon eine Bikinifigur?". Urheber ist der Proteinshake-Hersteller Protein World, der mit seinen Ersatzmahlzeiten für schnelles Abnehmen wirbt.

Dass sie mit ihrer Bikini-Figur eine Protestwelle auslösen würden, hätte sich die Firma aber wohl nicht träumen lassen. An nackter Haut stört sich heute eigentlich kaum noch jemand. Mit Frauen in Bikinis wirbt jedes zweite Modeunternehmen. Doch die Passanten, die an dem schrillen Plakat vorbeiliefen, fühlten sich von der Botschaft offensichtlich derart provoziert, dass sie nicht tatenlos bleiben konnten. Die Werbung degradiere Frauen zu Sex-Objekten und befeuere den Schlankheitswahn, so das Argument der Protestler.

Im Netz gibt es deswegen mittlerweile eine Petition für die Verbannung der Plakate aus der Öffentlichkeit. Unterschrieben von knapp 60.000 Personen. Außerdem haben Menschen begonnen, die Plakate umzugestalten - und die provokative Frage in die Botschaft "Jeder Körper ist bereit für den Strand" umgemünzt.

Die wohl unmissverständlichste Forderungen der Protestaktion: "Hört auf, Frauen dazu zu animieren zu hungern!" Ein ein anderer Passant untertitelt die dumpfe Werbefrage mit "Es geht euch einen Scheiß an!", während sich zwei besonders mutige Frauen selbst im Bikini vor dem Plakat ablichten lassen. Auf das Foto kritzeln sie die wahre "Anleitung zum Bikini-Körper": "Ziehen Sie Ihrem Körper einen Bikini an".

Immer mehr solcher kritischen Werke verbreiten sich unter #everybodysready auf Twitter. Auf Facebook wurde eine eigene Gruppe gegründet. Die Ansage der Gründer: Jeder Körper - egal welcher Größe, Form und welchen Alters - ist bereit für den Strand!

Das Unternehmen Protein World hat reagiert. Auf Twitter kommentiert es den Shitstorm mit dem provokanten Satz: "Wir sind hier, um zu motivieren, nicht um zu bemitleiden". Marketing-Chef Richard Staveley sagte Sky-News, dass die Kundinnen genau solche richtungsweisenden Vorbilder bräuchten, um sich zu motivieren.

Doch der Protest hat inzwischen Wirkung gezeigt: Die Kampagne muss vorerst aus der U-Bahn verschwinden. Die Werbe-Kontrollbehörde ASA hat Untersuchungen gegen die umstrittenen Plakate eingeleitet. "Sie kommen in den nächsten drei Tagen runter." Grund seien Bedenken wegen Abnehm-Versprechen in der Werbung. Die Kampagne könne "in ihrer derzeitigen Form nicht wieder erscheinen".

Dass seine Kunden die Kampagne in den falschen Hals bekommen könnten, muss das Unternehmen indes kaum fürchten. Eine kleine Gegenbewegung verbreitet bereits Spott und Häme über die vermeintlich feministische Aktion, die von fetten Menschen getragen würde, die nur keine Lust hätten, abzunehmen. "Lasst die Hasser sich weiterhin ihre Aterien mit Big Macs verstopfen, während wir ein reines, gesundes Leben führen", antwortete eine Frau auf den Tweed von Protein World.

mh