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Ungewöhnlicher Trend: Striptease auf Beerdigungen - ein chinesisches Phänomen

Fliegende Kleider und jolende Männer in Trauerkluft - in ländlichen Regionen Chinas sind Beerdingungen zu einem bizarren Spektakel geworden. Die Regierung versucht bisher vergeblich, den Trend aufzuhalten.

Strperinnen auf Beerdigungen in China: Eine Striptease-Performance (Symbolbild)

Mit harten Mitteln will die Regierung in China gegen Stripperinnen auf Beerdigungen durchgreifen (Symbolbild)

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Seit mehreren Jahren hat ein ungewöhnliches Problem, das sich an einem noch ungewöhnlicheren Ort abspielt. Im Jahr 2006 sah sich die Regierung zum ersten Mal gezwungen, rechtliche Schritte einzuleiten. Und weshalb der Unmut? Auf Beerdigungen in ländlichen Regionen des Landes wurde es zunehmend schick, Stripperinnen zu engagieren.

Das kann man sich in etwa so vorstellen: Spärlich bekleidete Damen tanzen auf einer Bühne in verführerischer Pose, während im Hintergrund ein großes Schwarz-Weiß-Porträt des Verstorbenen gezeigt wird. Darunter ein Schriftzug, der das tiefe Beileid der Trauernden ausdrückt. Davor eine jubelnde Masse.

Warum tanzen Stripperinnen auf Beerdigungen?

Erklärungen für dieses Phänomen liegen zwar nicht auf der Hand, aber es gibt sie. Und zwar gleich mehrere. Große Menschenmengen sind auf chinesischen Trauerfeiern gern gesehen, weil sie für das Ansehen, die Beliebtheit und den finanziellen Reichtum des Verstorbenen stehen. Um möglichst viele Besucher zu einer zu locken, scheinen Stripperinnen eine effektive Lösung zu sein.

Eine andere Erklärung kommt aus der Kulturgeschichte des Landes. Wie der Medien-Professor Kuang Haiyan der chinesischen "Global Times" erzählt, wird mit dem Striptease auch die Weiblichkeit und Fruchtbarkeit zelebriert. Wie Fruchtbarkeit und Beerdigung zusammen gehen, kann allerdings auch er nicht ganz erklären. 

Drittens ist da noch der klassische Protz. Besonders in ländlichen Gegenden Chinas wird in den letzten Jahren zunehmend mit materiellen Gütern angegeben. So gehört es auch zum guten Ton, teure Stripperinnen bei Beerdigungen zu engagieren, um die Trauernden aufzumuntern. "Im modernen China haben Eitelkeit und Snobismus über Traditionen gesiegt", schreibt die Xinhua Nachrichtenagentur in Peking.

Regierung in China kämpft mit Büchern

Bei der Regierung zählen diese Erklärungen wenig, die -Darbietungen wurden für illegal erklärt und strafrechtlich verfolgt. Vor zwölf Jahren wurden die ersten Personen festgenommen, die Tänzerinnen an Trauergemeinden vermittelt hatten. Seitdem wurden die Strafen zunehmend verschärft. Aber auch das scheint den Verantwortlichen nicht weit genug zu reichen: Zu Beginn des Jahres wurde eine Hotline eingerichtet, an die sich alle wenden sollen, die von illegalen Darbietungen gehört oder welche gesehen haben. Für zielführende Hinweise gibt es sogar eine finanzielle Belohnung.

Die neue Strategie nimmt vorrangig 19 Städte in den Provinzen Henan, Anhui, Jiangsu und Hebei unter die Lupe, wie das chinesische Kulturministerium mitteilt. Die Regierung sieht in der Begeisterung der ländlichen Regionen für die illegalen Vorstellungen einen Mangel an Unternehmungsmöglichkeiten und kulturellen Gütern. Zum Ausgleich investierte sie 20 Millionen Yuan (umgerechnet ca. 2,5 Millionen Euro) in Bücherhallen für diese Gebiete. Mit bisher mäßigem Erfolg. Man möchte fast sagen, es war zu erwarten. 


sve