Blutige Anschlagsserie im Irak Al Kaida demonstriert verheerende Schlagkraft


Der Irak von einer schweren Attentatswelle überzogen worden. Bei mehreren Anschlägen in und um Bagdad kamen fast 100 Menschen ums Leben. Beobachtern zufolge wollten die zuletzt geschwächten radikalen Islamisten so ihre noch immer vorhandene Schlagkraft demonstrieren.

Bei einer Serie von Angriffen und Anschlägen sind am Montag im Irak fast 100 Menschen ums Leben gekommen und rund 340 weitere verletzt worden. Der blutigste Anschlag ereignete sich vor einer Fabrik in der zentralirakischen Stadt Hilla, wo insgesamt drei Bomben hochgingen. Es wurden so viele Menschen getötet, wie noch nie in diesem Jahr im Irak an einem einzelnen Tag.

Erstmals setzten die Selbstmordattentäter und Aufständischen auch Schalldämpfer ein, um das Überraschungsmoment zu nutzen und Chaos zu verbreiten. Offenbar sollten die Angriffe zeigen, dass die radikalen Islamisten der al Kaida im Irak trotz der jüngsten Verluste noch eine ernstzunehmende Kraft sind. "Das war eine Botschaft an uns: Sie können uns gleichzeitig an verschiedenen Stellen angreifen, weil sie überall Zellen haben", sagte ein Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Allein in Hilla, 95 Kilometer südlich von Bagdad, wurden 55 Menschen getötet und 220 verletzt. Zwei Bomben wurden dort nach Angaben eines Vertreters der Stadtverwaltung gezündet, als dutzende Arbeiter die Textilfabrik gerade verlassen hatten. Ein dritter Sprengsatz detonierte, als Rettungskräfte sich um die Opfer kümmerten.

Angriff auf Kontrollposten in Bagdad

In Bagdad griffen am Morgen Aufständische mit automatischen Waffen gezielt Kontrollposten von Armee und Polizei an. Dabei wurden dem Innenministerium zufolge neun Menschen getötet und 24 verletzt. "Es handelte sich um koordinierte Aktionen", sagte ein Militärsprecher. In Falludscha im Westen nahmen Rebellen mehrere Häuser von Polizisten ins Visier. Vier Menschen, darunter zwei Beamte, seien dabei ums Leben gekommen, teilte die Polizei mit.

Bei einem Doppelanschlag in Suwaira, südlich der Hauptstadt Bagdad, starben mindestens 13 Menschen. Dort explodierte vor einer schiitischen Moschee eine Bombe. Als Passanten den Opfern zu Hilfe kamen, ging ein zweiter Sprengsatz hoch. 70 Menschen wurden verletzt.

Am frühen Abend explodierte noch eine Autobombe auf einem Markt in der südlichen Hafenstadt Basra. Nach Angaben von Augenzeugen starben zehn Menschen. 16 Iraker wurden verletzt. Kurz darauf detonierte in einem Armenviertel von Basra noch ein Sprengsatz. Laut Polizei wurden elf Menschen verletzt.

In Tarmija, rund 50 Kilometer nördlich von Bagdad, waren der Bürgermeister und seine Leibwächter Ziel eines Bombenanschlags. Ein Zivilist und drei Leibwächter starben. Insgesamt wurden am Montag 68 Menschen bei Attentaten und Überfällen im Irak getötet.

Die US-Armee und ihre Verbündeten hatten im April die beiden Anführer des Terrornetzwerkes al Kaida im Irak getötet. Wenige Tage später starben bei einer Reihe von Bombenanschlägen in Bagdad und im Westen des Landes mehr als 50 Menschen. Seither war es vergleichsweise ruhig geblieben.

AFP/Reuters/DPA DPA Reuters

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