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Busunglück in Bayern Münchberger Senke - darum ist sie so berüchtigt

Bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn 9 in der Münchberger Senke kamen im Oktober 1990 zehn Menschen ums Leben
Bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn 9 in der Münchberger Senke kamen im Oktober 1990 zehn Menschen ums Leben
© Claus Felix/PICHTURE ALLIANCE/DPA
Mindestens 18 Menschen sind bei dem schweren Busunglück auf der Autobahn 9 in Bayern ums Leben gekommen. Es war nicht der erste verheerende Unfall im Bereich der Münchberger Senke.

Ein Reisebus rast in einen Sattelschlepper, geht in Flammen auf, 18 Menschen sterben - das Busunglück auf der Autobahn 9 in Bayern sorgt für Entsetzen. Auf der Strecke südlich von Hof hat es in der Vergangenheit schon mehrere schwere Unfälle gegeben.

19. Oktober 1990: Massenkarambolage mit zehn Toten

Im dichten Nebel krachten zwischen den Ausfahrten Münchberg-Nord und Münchberg-Süd über 120 Fahrzeuge ineinander, darunter auch Lastwagen und Busse. Unter anderem raste ein rund 40 Tonnen schwerer Milchlaster mit überhöhter Geschwindigkeit in die Unfallstelle. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb seinerzeit allein von sechs Toten, die nach stundenlangen Bergungsarbeiten in "einem Knäuel von mehreren vollständig zusammengeschobenen Autowracks" gefunden wurden. Insgesamt starben bei der bis dato folgenschwersten Massenkarambolage auf deutschen Straßen zehn Menschen, über 120 wurden verletzt.

Der Fahrer des Milch-LKW wurde später zu drei Jahren Haft verurteilt. Beim Nachweis seiner Schuld gab es aber Probleme. Er hatte die Tachoscheibe noch am Unfallort verspeist.

11. April 2003:  Massenkarambolage mit 56 Verletzten

Aufgrund schwerer Schneefälle rasten in der Münchberger Senke insgesamt 182 Fahrzeuge ineinander. Schwerverletzte mussten mit insgesamt acht eingesetzten Hubschraubern ins Krankenhaus geflogen werden. Insgesamt retteten die Einsatzkräfte 56 Verletzte. Todesopfer gab es glücklicherweise nicht.

Bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn 9 in der Münchberger Senke kamen im Oktober 1990 zehn Menschen ums Leben
Bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn 9 in der Münchberger Senke kamen im Oktober 1990 zehn Menschen ums Leben
© Claus Felix/PICHTURE ALLIANCE/DPA

Warum ist die Münchberger Senke so gefährlich?

Die Strecke verläuft bei Münchberg durch eine Talsenke, in der sich leicht Nebelbänke halten - die Sichtweiten liegen dann zum Teil unter 50 Metern. Bis Ende der 1990er-Jahre führte die Autobahn noch über einen Damm, der laut "Nordbayern.de" "wie ein Riegel" dafür sorgte, dass sich im Tal Kaltluft stauen und immer wieder Nebelbänke bilden konnten. Inzwischen wurde der Damm durch die rund 500 Meter lange Talbrücke Münchberg ersetzt, sodass die Fahrzeuge jetzt etwa 18 Meter über dem Talgrund entlang fahren. Zusätzlich wurden sogenannte Verkehrsbeeinflussungsanlagen installiert, die je nach Witterungslage Geschwindigkeitsbegrenzungen vorgeben. Die Unfallrate habe sich seitdem halbiert, sagte Wolfgang Würker von der zuständigen Autobahndirektion "Nordbayern.de".

Auch der unzureichende Ausbauzustand der Strecke zwischen München und Berlin in den Jahren nach der Deutschen Einheit ist inzwischen Geschichte.

Was ist die Ursache für das Busunglück am 3. Juli 2017?

Warum der Reisebus am Montag mit dem langsam fahrenden Sattelschlepper kollidierte, ist noch unklar. Sachverständige und Polizeibeamte versuchen, am Unfallort die Ursache zu ermitteln. Sie untersuchen auch, ob technisches oder menschliches Versagen eine Rolle spielte, nehmen aber auch die Witterung in den Blick. Die Polizei bittet weiterhin Zeugen, sich zu melden.


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