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Justizirrtum: Jahrzehnte unschuldig im Knast, jetzt Millionen erhalten: der erschütternde Fall des Craig Coley

Der Fall Craig Coley ist einer der größten Justizirrtümer in der Geschichte der USA - 39 Jahre saß er unschuldig im Gefängnis. Schuld an dem tragischen Urteil waren ein Polizist und schlampige Ermittlungen.

Craig Coley

Die Stadt Simi Valley einigte sich mit Craig Coley auf eine Millionen-Abfindung und vermeidet so eine Klage

DPA

Craig Coley hätte niemals 39 Jahre im Gefängnis sitzen dürfen. Jetzt erhält der mittlerweile 71-Jährige, dessen Fall einer der größten Justizirrtümer in der Geschichte der USA ist, von der Gemeinde Simi Valley die Rekord-Entschädigung von 21 Millionen Dollar. Vor zwei Jahren war er begnadigt worden, nachdem neue Ermittlungen seine Unschuld bewiesen hatten. Der damalige Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown,  hatte damals geschrieben: "Die Würde, mit der Herr Coley seine lange und ungerechte Inhaftierung ertragen hat, ist außergewöhnlich".

Die Tat, für die Coley verurteilt wurde, war ein besonders grausames Verbrechen, das sich im November 1978 in einem kleinen Apartment in Simi Valley nördlich von Los Angeles zutrug. Der Täter vergewaltigte die 24-jährige Rhonda Wicht und strangulierte sie mit einer Macramee-Schnurr, danach erstickte er ihren vierjährigen Sohn Donald in seinem Bett. Vermutlich, weil der Junge ihn hätte identifizieren können.

Coley wurde noch am selben Tag verhaftet

Noch am selben Tag verhaftete die Polizei Craig Richard Coley, der bis vor kurzem der Freund von Rhonda Wicht war. Nachbarn sagten aus, dass sie Coleys Truck zur Tatzeit vor dem Haus gesehen hätten. Zudem hatte Rhonda Wicht ihren Mörder freiwillig in die Wohnung gelassen. Und bei ihm wurden ein blutiges Handtuch und ein Kinder-T-Shirt gefunden - alles sprach oberflächlich betrachtet gegen den damals 31-Jährigen.

Zeugen bestätigten zwar, dass er bis kurz vor der Tatzeit in einer Bar gefeiert und danach einen Freund nach Hause gefahren hatte, doch das fand vor Gericht kein Gehör. Auch nicht, dass seine Verletzungen, die er aufwies, nicht auf ihn als Täter deuteten, wie es seine Verteidiger betonten.

Im darauffolgenden Prozess kamen die Geschworenen zu keinem eindeutigen Urteil. Zehn stimmten für schuldig, zwei für nicht schuldig. Coley hatte stets seine Unschuld beteuert. In einem zweiten Verfahren wurde er schließlich zu lebenslänglich verurteilt.

Zweifel am Urteil gab es von Anfang an 

Doch die erheblichen Zweifel an dem Urteil und der Beweisführung blieben - bis es dem Polizisten Michael Bender gelang, überzeugende Beweise zu finden, dass Coley tatsächlich unschuldig ist. So machte eine ganze Kiste mit Beweisen in einem Lager ausfindig, von denen man dachte, sie seien zerstört worden. Und er fand heraus, dass die biologischen Proben noch existierten - so konnte der DNA-Test gemacht werden. Sie zeigten, dass sich auf dem Bettlaken, auf dem das Mordopfer gefunden worden war, keine DNA-Spuren von Coley fanden, stattdessen aber Sperma und Speichel von einem Unbekannten.

Bender fand ebenfalls heraus, dass die Zeugenaussagen der Nachbarn nicht stimmen konnten, weil sie schlicht von ihren Wohnungen keine freie Sicht auf die Straße hatten. Zudem wurde immer offensichtlicher, dass der ermittelnde Polizist damals Beweisstücke hatte verschwinden lassen, die Coley entlastet hätten. Jetzt gibt es nur noch eines zu tun: den wahren Mörder finden.

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Quelle: "CNN", Mit Material der Nachrichtenagentur DPA

tis